Prozess um Tod Trayvon Martins "Er hat ihn aus dem schlimmsten aller Gründe erschossen"

Staatsanwalt John Guy begrüßt die Angehörigen Trayvon Martins

(Foto: dpa)

Erst eineinhalb Monate nach den tödlichen Schüssen auf Trayvon Martin wird George Zimmerman verhaftet, weil der Nachbarschaftswächter auf Notwehr beharrte. Nun aber hat die Hauptverhandlung gegen ihn begonnen. Der Staatsanwalt wirft Zimmerman vor, er habe aus Mordlust getötet.

Um 19:11 Uhr ging der Notruf bei der Polizei ein: George Zimmerman, Nachbarschaftswächter, meldete einen verdächtigen dunkelhäutigen Mann in einem grauen Kapuzenpulli. Er führe "nichts Gutes im Schilde" und sei "auf Drogen oder sowas". Die Beamten forderten Zimmerman auf, den Mann nicht weiter zu verfolgen. Doch als sie eintrafen, lag Trayvon Martin erschossen auf der Straße. Zimmerman blutete aus der Nase und hatte Verletzungen am Hinterkopf. Notwehr, sagte Zimmerman. Martin habe ihm einen Faustschlag verpasst und seinen Kopf auf den Bürgersteig geschlagen. Doch Martin, 17 Jahre alt, war auf dem Nachhauseweg. Er war unbewaffnet. Kurz vor seinem Tod soll er mit einer Freundin telefoniert haben: Ein Mann, den er nicht kenne, verfolge ihn. Er habe Angst.

In Florida hat am Montag die Hauptverhandlung gegen George Zimmerman begonnen. Das Gericht soll klären, ob Zimmerman ein hate crime beging - also aus niederen, möglicherweise rassistischen Motiven tötete - oder ob er aus Notwehr handelte. In Florida gilt das "Stand Your Ground"-Gesetz (etwa: "Weiche nicht zurück"), das Bürgern ein besonders ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung einräumt. Es ist unter anderem der Grund dafür, dass Zimmerman erst 44 Tage nach der Tat verhaftet wurde.

"Es gibt keine Gewinner"

Zu Beginn zitiert Staatsanwalt John Guy aus dem Notruf, den Zimmerman am Abend des 26. Februars 2012 absetzt: "Fucking punks", soll er gesagt haben, dreimal. Und dann: "Diese Arschlöcher kommen immer davon." Nachdem er die mutmaßlichen Ereignisse der Tatnacht rekapituliert hat, kommt Guy zu dem Schluss: "George Zimmerman hat Trayvon Martin nicht erschlossen, weil er es musste. Er hat ihn aus dem schlimmsten aller Gründe erschossen: weil er es wollte." Der Angeklagte sei ein Lügner, der in dem Jugendlichen ohne Anhaltspunkte einen möglichen Verbrecher gesehen habe. "Und so handelte er auch", sagte Guy. "Deshalb sind wir hier."

Verteidiger Don West widerspricht: Martin habe seinen Mandanten zuerst angegriffen, als dieser zu seinem Auto zurückkehren wollte. "Es gibt hier keine Monster", sagte West. Zimmerman habe an dem Abend um Hilfe geschrien; als keine Hilfe kam, habe er geschossen. "Dies ist ein trauriger Fall. Es gibt keine Gewinner."

Die Hilfeschreie, die ebenfalls auf der Bandaufnahme des Anrufs bei der Polizeizentrale zu hören sind, konnten nicht eindeutig zugeordnet werden. Ein staatlicher Ton-Experte hatte die Schreie zuvor Martin zugeschrieben, ein anderer hatte zumindest ausgeschlossen, dass es sich um die Stimme Zimmermans handelt. Doch im Prozess spielt das keine Rolle, für zu unsicher befand das Gericht die Technik der Stimmanalyse.

Nur Skittles und Eistee

Martins Waffe sei der Bürgersteig gewesen, so West. Er habe ihn benutzt, um Zimmermans Kopf aufzuschlagen. "Das ist eine tödliche Waffe."

Damit spielt West auf ein zentrales Argument von Martins Unterstützern an. Denn die tödlichen Schüsse auf den 17-Jährigen hatten auch deshalb für Erschütterung gesorgt, weil der Jugendliche unbewaffnet war: Er trug an dem Abend nur eine Packung Skittles - amerikanische Kaubonbons - und eine Flasche Eistee bei sich. Beide Dinge waren in der vom Vorfall ausgelösten Protestbewegung zu Symbolen der Kindlichkeit und Unschuld avanciert, die den schrecklichen Ereignissen der Nacht entgegenstehen. Auch US-Präsident Obama äußerte sich damals zu dem Fall: "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er wie Trayvon aussehen."

Der Angeklagte verfolgt das Plädoyer mit regungslosem Gesicht. Martins Eltern kämpfen mit den Tränen. Als die Bandaufnahme des Notrufs abgespielt wird, verlässt die Mutter des Jugendlichen den Gerichtssaal.

Der Prozess soll zwei bis vier Wochen dauern.