Von Kai Strittmatter

Zuvor hatten die Anwälte noch einen Befangenheitsantrag gestellt. Doch dann hat der Vorsitzende Richter in Antalya überraschend selbst um seine Entbindung von dem Prozess gebeten.

Sieben Monate sitzt der deutsche Schüler Marco W. nun im türkischen Antalya in Untersuchungshaft, sechsmal schon wurde das Verfahren vertagt, bislang lag nicht einmal die Aussage der Klägerin vor. Jetzt aber kommt vielleicht Bewegung in die Sache.

Marco; Türkei; dpa

(© Foto: dpa)

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Marcos deutscher Anwalt Michael Nagel bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur ddp in Hannover Medienberichte, wonach der Vorsitzende Richter in Antalya um seine Entbindung von dem Prozess gebeten habe. Abdullah Yildiz hat offenbar beim übergeordneten Gericht beantragt, das Verfahren abzugeben.

Ein neuer Richter wäre ganz im Sinne der Verteidiger Marcos: Sie hatten einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht gestellt, nachdem dieses den Prozess Ende Oktober erneut vertagt hatte, ohne Marco auf freien Fuß zu setzen.

Gleichzeitig kündigten die Anwälte des 17-Jährigen eine Haftbeschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Sie halten eine weitere Verschleppung der Untersuchungshaft für inakzeptabel. Unabhängig von der Schuldfrage müsse die "unerträgliche Haftsituation'' des Jungen ein Ende haben. Der nächste Verhandlungstermin in Antalya ist am 20. November.

Die Anwälte hoffen bis dahin auf eine einstweilige Empfehlung des Europäischen Gerichtshofs, die Marco für den Rest der Verhandlung auf freien Fuß setzen würde. Die Türkei hat sich verpflichtet, Urteile und Empfehlungen aus Straßburg umzusetzen. Bislang hatten die Richter in Antalya Marco die Freilassung stets verweigert, zuletzt am vergangenen Dienstag. Als Gründe führen sie die Schwere der Vorwürfe und eine angebliche Fluchtgefahr an.

Dem Schüler aus Uelzen in Niedersachsen wird sexueller Missbrauch einer minderjährigen Britin vorgeworfen. Marco war am 12. April im Badeort Side bei Antalya festgenommen worden. Angezeigt hatte ihn die Mutter der 13-jährigen Charlotte, die Marco in Side kennengelernt hatte.

Marco sagt bis heute, es habe sich um einen Urlaubsflirt gehandelt, bei dem es zu Zärtlichkeiten im Einvernehmen gekommen sei, der türkische Anwalt der Britin spricht von Vergewaltigung. Bis heute ist das Mädchen nicht vor Gericht in Antalya erschienen, stattdessen machte sie eine Videoaussage bei der britischen Polizei, die derzeit ins Türkische übersetzt wird.

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(SZ vom 09.11.07)