Prozess um Kinderporno-Tauschbörse Anklagen gegen Betreiber von "Elysium"

Einer der Männer kümmerte sich demnach sogar um die hübsche Aufbereitung des schmutzigen Inhalts und erfreute die Nutzer mit jahreszeitlich wechselnden Grafiken – etwa zu Weihnachten mit einem Weihnachtsmann und einem nackten Kind.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Es war die erste Kinderporno-Tauschbörse, die in Deutschland entdeckt und abgeschaltet wurde. Vier Männern drohen nun Haftstrafen bis zu zehn Jahren, in einem Fall womöglich mit Sicherungsverwahrung.

Von Ralf Wiegand

Es ist ein für Deutschland außergewöhnlicher Fall: Noch nie zuvor ist eine von Deutschen betriebene Plattform zum Tausch von kinderpornografischem Material aufgeflogen und abgeschaltet worden, "Elysium" war das erste derartige Darknet-Portal, das die Ermittler der Gießener Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität (ZIT) entdeckt hatten. Im Juni 2017 erfolgte der "Takedown" der Seite, wie Ermittler das Abschalten einer solchen Plattform nennen, jetzt ist die umfangreiche Anklage gegen vier Beschuldigte aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern fertig.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft in der mehrere Hundert Seiten starken Schrift vier Männern im Alter von 40 bis 62 Jahren die bandenmäßige Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie vor. Einer der Männer soll zudem zwei Kinder im Alter von vier und sechs Jahren missbraucht haben. Der Prozess vor dem Landgericht Limburg soll, falls die Anklage wie erwartet zugelassen wird, im Spätsommer oder Frühherbst beginnen. Haftstrafen bis zu zehn Jahren sind möglich, im Fall des Missbrauchstäters womöglich mit Sicherungsverwahrung.

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Etwa 111 000 angemeldete Konten fanden sich auf dem Elysium-Server, den die Ermittler in der Autowerkstatt des 40-jährigen Hauptbeschuldigten in Hessen sicherstellten. ZIT-Sprecher Gerd Ungefuk sagte der Süddeutschen Zeitung, nach Abzug der Mehrfach-Accounts, die manche Benutzer angelegt hatten, müsse man von etwa 80 000 Personen ausgehen, die auf Elysium aktiv waren. Die vier Beschuldigten hatten demnach unterschiedliche Aufgaben. Der Hesse stellte die Technik, ein Mann aus Baden-Württemberg programmierte die Plattform, es gab - wie in gewöhnlichen Chatforen auch - einen Administrator und einen Moderator.

Einer der Männer kümmerte sich demnach sogar um die hübsche Aufbereitung des schmutzigen Inhalts und erfreute die Nutzer mit jahreszeitlich wechselnden Grafiken - etwa zu Weihnachten mit einem Weihnachtsmann und einem nackten Kind. Auf Elysium fanden sich neben Nacktbildern von Kindern und Jugendlichen auch Darstellungen schwersten sexuellen Missbrauchs junger Kinder.

Aufgeflogen ist der Ring den Ermittlern zufolge durch einen Programmierfehler des Haupttäters, durch den eine Lücke im sonst so dichten Darknet entstand.

Ungewöhnlich sei auch, sagte ZIT-Sprecher Ungefuk, dass der Server in Deutschland stand. Die Täter hätten sich offenbar recht sicher gefühlt und weitere Verschleierungsmöglichkeiten neben der reinen Verlagerung ins Darknet nicht genutzt.

Elysium gilt als Nachfolgeprodukt der internationalen Plattform "The Giftbox Exchange" (TGE), die von 2015 bis 2016 aktiv war. Zwei daran Beteiligte sind inzwischen in den USA zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Ein in Limburg Beschuldigter soll auch bei TGE eine aktive Rolle gehabt haben

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