Prozess in Wien gegen Eisdielen-Besitzerin Morde wie im Krimi

Wenn Estibaliz C. ihre Taten schildert, können Krimiautoren noch etwas lernen: Die Besitzerin einer Eisdiele hat vor einem Wiener Gericht gestanden, erst ihren Exmann und dann ihren Lebensgefährten erschossen, zersägt und einbetoniert zu haben. Die Verteidigung macht geltend, dass den Tötungen physische und psychische Gewalt vorausgegangen sei.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Eiskalte Mörderin oder psychisch schwer kranke Frau? Estibaliz C. ist wegen Mordes an ihrem Exmann und ihrem Geliebten angeklagt.

(Foto: dpa)

Es wird auch gelacht im Großen Schwurgerichtssaal des Straflandesgerichts. Allerdings ist es ein Lachen, das Richtern, Schöffen und Zuschauern im Halse stecken bleibt.

Ob sie jemals mit der Angeklagten darüber geredet habe, dass diese ihren Mann umbringen wolle, fragt die Richterin eine Zeugin. Ja, mehrmals, sagt diese munter, was man halt unter Freundinnen so rede. Einmal habe die "Esti" gesagt, sie wolle ihren Mann den Berg hinabwerfen und vorher noch eine Lebensversicherung abschließen, damit es sich auch lohnt. Und ein anderes Mal habe sie angekündigt, sie werde ihn erstechen und die Leiche mit Katzenstreu abdecken, damit es nicht so schlecht riecht. Ob sie solche Äußerungen nicht merkwürdig gefunden habe, fragt die Richterin irritiert. Ach, sagt die Freundin der Eisdielenbesitzerin Estibaliz C., das sei nur Spaß gewesen, alle Frauen sagten so etwas über ihre Männer.

Nicht alle Frauen aber machen ernst. Estibaliz C., 34, hingegen ist angeklagt, gleich zwei Männer - ihren Exmann Holger H. und ihren Lebensgefährten Manfred H. - erschossen, mit einer Motorsäge zerstückelt und in Zement gegossen im Keller ihres Geschäfts im Wiener Stadtteil Meidling aufbewahrt zu haben.

An einer Verurteilung wird nicht gezweifelt

Das Verfahren, das Österreichs bunte Blätter wahlweise als "Kellerleichen-Prozess" oder als "Eislady-Morde" in Atem hält, soll an diesem Donnerstag nach vier Verhandlungstagen zu Ende gehen; an einer Verurteilung wird nicht gezweifelt. Schließlich hat die ehemalige Besitzerin des Eissalons Schleckeria gestanden. Ja, sie bekenne sich schuldig, hatte sie vor Gericht ausgesagt, und habe sich nach den Schüssen "miserabel gefühlt".

Fraglich bleibt allerdings bis zum Schluss, ob entlastende Momente in das Urteil Eingang finden könnten. So hatte die Psychiaterin und Gerichtsgutachterin Adelheid Kastner der Frau mit der mexikanischen-spanischen Doppelstaatsbürgerschaft eine "Persönlichkeitsstörung" attestiert und sie als "besonders gefährlich" bezeichnet. Und die Verteidigung führt an, dass den Taten psychische und physische Gewalt vorausgegangen seien: Der eine Mann hatte kein Kind mit ihr gewollt und war nach der Scheidung nicht ausgezogen, der andere hatte Affären und forderte Geld zurück, das sie ihm schuldete.

Die Angeklagte, eine schmale, recht hübsche Frau, die sich für ihre Männer mehreren Schönheitsoperationen unterzog und - je nach Zeugenaussage - berechnend und kalt oder unterwürfig und unsicher gewesen sein soll, sitzt während des Prozesses zusammengefallen und reglos da. Nur als eine Freundin erzählt, "wie schlecht der Holger und der Manfred die Esti behandelt haben", da nickt sie dankbar.

Tathergänge wie im Krimi

Ihre eigenen Schilderungen der Tathergänge sind so detailliert und drastisch, dass Krimiautoren davon noch eine Menge lernen können. Die Leiche des ersten Opfers, das 130 Kilo wog, habe sie nicht entsorgen können, überall habe es nach Blut und Verwesung gerochen. Daher habe sie eine Motorsäge gekauft und sich im Baumarkt deren Handhabung erklären lassen, dann habe sie den Körper in vier bis fünf Kilo schwere Einzelteile zersägt und in eine Kühltruhe gelegt. Als der Mietvertrag für das Lager, in dem die Truhe stand, auslief, habe sie die Einzelteile einzementiert und die Truhe an einen anderen Ort bringen lassen.

Ein Bekannter, der in ihrem Auftrag die Kühltruhe fortbrachte, wird befragt. Ob er sich nicht gewundert habe, dass sich in der Truhe Zementteile befanden? Nein, sagt der in aller Ruhe, die Esti habe ihm eine irre Geschichte erzählt von dem Sohn eines Freundes aus dem ehemaligen Jugoslawien, der die Truhe unbrauchbar gemacht habe, nun bewahre sie das Trumm auf, um Schadenersatz zu erklagen. "Das habe ich geglaubt."

Das zweite Opfer, Manfred H., wird auf die gleiche Weise entsorgt wie das erste: erschießen, zerteilen, einbetonieren. Der Bruder der Angeklagten, aus Spanien zu Besuch, hilft ihr, die Zementbrocken in die Eistruhe zu transportieren. Er habe, sagt sie, keine Fragen gestellt.

Handwerker entdeckten im Juni 2011 bei Umbauarbeiten zufällig die Leichenteile im Keller. Dass beide Männer verschwunden waren, begründete Estibaliz C. je nach Gusto mal damit, dass die sich wohl mit einer jungen Freundin in die Südsee abgesetzt hätten oder bei Ostgeschäften mit der Mafia angeeckt seien, sagt eine Zeugin. Ob sie sich gewundert habe, fragt die Richterin. Nein, sagt die Freundin der Angeklagten, warum auch?

Schon einen Tag nach dem zweiten Mord traf sich die junge Frau mit einem neuen Flirt. Diesen Mann hat sie mittlerweile geheiratet und in Untersuchungshaft ein Kind von ihm bekommen. Er verweigerte vor Gericht die Aussage. Seine Frau sah er dabei vorsichtshalber nicht an.