Prozess in Wien Eisdielen-Besitzerin gesteht Tötung von Ex-Mann und Geliebtem

Ist Estibaliz C. eine kaltblütige Mörderin oder eine psychisch schwer kranke Frau? In Wien hat der Prozess gegen eine 34-Jährige wegen Doppelmordes begonnen. Die Frau soll erst ihren Ex-Mann und später ihren Geliebten erschossen und die Leichenteile im Keller ihrer Eisdiele einbetoniert haben.

Der Verteidiger von Estibaliz C. (hier auf dem Weg ins Wiener Gericht) hat zum Prozessauftakt betont, seine Mandantin sei "ein schwer gestörter Mensch, der sich nicht ausgesucht hat, gestört zu sein".

(Foto: dpa)

Als "tickende Zeitbombe" bezeichnet die Staatsanwältin Estibaliz C. in ihrem Eröffnungsvortrag vor dem Wiener Gericht. Die sorgsam hergerichtete Frau im grauen Etuikleid mit den langen rotbraunen Haare ist angeklagt, zwei Männer ermordet, deren Leichen zerstückelt und im Keller ihrer Eisdiele einbetoniert zu haben. Die Beschuldigte habe zwei Gesichter, so die Anklagevertreterin, und appelliert an die Geschworenen: "Lassen Sie sich nicht täuschen: Behalten Sie während der Verhandlung immer im Hinterkopf, dass die Angeklagte schon zweimal in der Lage war, das zu tun!"

Zum Prozessauftakt gegen C., die sowohl einen spanischen als auch einen mexikanischen Pass besitzt und zeitweise in Berlin lebte, sind die Reihen im Großen Schwurgerichtssal bis auf den letzten Platz besetzt. Das Interesse an dem Fall ist gewaltig, der bei Bekanntwerden im Sommer 2011 wochenlang die Schlagzeilen in der Alpenrepublik bestimmte.

Gleich zu Beginn legt die 34-jährige Angeklagte ein Geständnis ab. Sie bekenne sich "zu den Tötungen schuldig", sagt Estibaliz C. Jedoch, so betont ihr Verteidiger, sei seine Mandantin keinesfalls die eiskalte Killerin, als die sie die Staatsanwaltschaft dazustellen versuche. Die Angeklagte sei vielmehr "ein schwer gestörter Mensch, der sich nicht ausgesucht hat, gestört zu sein."

Grausige Entdeckung im Keller der Eisdiele

Zudem habe das erste Opfer, der Ex-Ehemann von C., diese körperlich und seelisch misshandelt. Seine Mandantin habe ihn nicht wie in der Anklage dargestellt kaltblütig ermordet, sondern nach einem Streit getötet.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 34-Jährigen hingegen vor, den aus Deutschland stammenden Mann im April 2008 hinterrücks erschossen zu haben, weil er nicht aus der gemeinsamen Wohnung über der Eisdiele ausziehen wollte. Sie soll die Leiche anschließend mit einer Motorsäge zerstückelt und die Teile im Keller des Hauses einbetoniert haben. Etwa zwei Jahre später soll C. ihren neuen Freund fast auf die gleiche Weise ermordet haben.

Handwerker entdeckten im Juni 2011 zufällig die Leichenteile im Keller. Die Frau flüchtete daraufhin und wurde einige Tage später in Italien festgenommen. In der Untersuchungshaft brachte sie ein Kind zur Welt und heiratete ihren neuen Lebensgefährten. Nach dem Bericht einer Gerichtsgutachterin ist C. psychisch gestört, aber zurechnungsfähig.

Im Prozess sollen mehr als 40 Zeugen befragt werden. Das Urteil wird für Ende der Woche erwartet.