Keine Leiche, keine Zeugen, kein Geständnis: In Toulouse ist ein Jura-Professor angeklagt, der vor acht Jahren seine Frau umgebracht haben soll.
Es ist ein Prozess wie in einem Krimi - und es passt ins Bild, dass dem Angeklagten eine Vorliebe für Hitchcock nachgesagt wird. Zudem gehört der Beschuldigte zu dem Milieu derer, die über ihn urteilen sollen. Wäre seine Karriere anders verlaufen, Jacques V. hätte auch Richter sein können, stattdessen lehrt er Recht an der Universität von Toulouse.
Jurist auf der Anklagebank: Jacques V. wird des Mordes beschuldigt, aber das Opfer ist nicht zu finden. (© Foto: AFP)
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Er wird beschuldigt, am 27. Februar 2000 seine Frau umgebracht zu haben. Die Schwierigkeit der Anklage aber besteht vor allem darin, dass es keine Leiche gibt, keine Zeugen und schon gar kein Geständnis. Die wenigen Indizien sind kaum überzeugend, der Professor beteuert seine Unschuld.
Es ist eine dieser Geschichten, die von Unbeteiligten als banal abgetan werden, für die Akteure war sie hochdramatisch. Das Paar führte eine so offene Ehe, dass schließlich die Scheidung anstand. Als Suzanne V. plötzlich verschwand, wartete ihr Mann zwei Tage, bevor er bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgab - und das erst, nachdem ein Freund seiner Frau ihn dazu gedrängt hatte.
Mit ihm, Olivier D., hatte sich Suzy, wie sie genannt wurde, regelmäßig zum Kartenspiel getroffen. Aus der Partnerschaft beim Tarot entwickelte sich, toleriert vom Ehemann, Intimeres.
Das Hauptindiz gegen den Professor ist eine Matratze für die Klappcouch im Salon. V. hatte sie am Tag nach dem Verschwinden seiner Frau auf einer Müllkippe entsorgt und später widersprüchliche Erklärungen abgegeben.
Einmal wollte er seiner Frau die schäbige Matratze nicht mehr zumuten, später räumte er ein, er habe sie weggeworfen, weil seine Frau mit ihrem Geliebten auf der Couch beisammen gewesen war. Wie auch immer: Der Beweiswert ist gering, die Matratze ist verschwunden.
Neun Monate hatte der Professor nach seiner Festnahme in Untersuchungshaft gesessen. Aus der Zelle schrieb er wütende Briefe an Freunde und Kollegen, in denen er "die Unfähigkeit und die Boshaftigkeit" der Ermittler monierte: "Ich hätte nie gedacht, dass die Polizei aus lauter Idioten besteht. Ich bin unschuldig." Seit mehr als acht Jahren ist der Professor unter Verdacht, er musste sich regelmäßig beim zuständigen Kommissariat melden, blieb aber in Freiheit.
In Toulouse ist der Prozess gleichsam ein gesellschaftliches Ereignis. Da es keinen Beweis, keine DNS-Spur, nichts Greifbares gibt, werden Schuldfrage oder Unschuldsvermutung zu einer Glaubenssache. Seine drei Kinder, die all die Jahre mit ihm gelebt haben, halten zu ihm, sogar seine Schwiegermutter. Die Kinder treten zwar vor Gericht als partie civile auf, assistiert von ihren Anwälten, verstehen sich aber nicht als Nebenkläger im klassischen Sinn.
Der erste Prozesstag stand im Zeichen der Psychiater. Der Beschuldigte habe während der Untersuchung eine "gewisse Wachsamkeit" erkennen lassen, habe von seiner Frau immer in der Gegenwart gesprochen. Auch habe er eine Spur von Gefühlskälte erkennen lassen, "aber in einem Grade, wie es bei manchem hier im Saal der Fall wäre". Eigentlich, so räumte der Psychiater ein, spräche alles, was er über den Angeklagten zu sagen habe, "weder für noch gegen ihn". Der Prozess soll zwei Wochen dauern.
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(SZ vom 22.04.2009/woja)
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Wenn das die ganze Beweislage ist, dann frage ich mich, warum man überhaupt verhandelt. Seine Frau sitzt wahrscheinlich in Thailand unter 'ner Palme und lacht sich scheckig.
Lieber Pedro_E,
vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler selbstverständlich sofort ausgebessert.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Moderator
Wenn jemand den perfekten Mord hinbekommen will, wer, wenn nicht so einer?
Bleibt zu hoffen, dass es gar keiner ist, er unschuldig ist oder das alles wieder so ein komplett unwichtige Geschichte ist.
"Prozess in Paris"
"In Toulouse ist ein Jura-Professor angeklagt ..."
Also Anklage in Toulouse, Verhandlung in Paris?
Wenn das die ganze Beweislage ist, dann frage ich mich, was man zwei Wochen lang verhandeln will.