Prozess in Los Angeles Deutscher Brandstifter zu mehr als 33 Jahren Haft verurteilt

"Er wollte sich dafür rächen, dass seine Mutter abgeschoben werden sollte", sagte der Angeklagte vor Gericht.

(Foto: Marcus Yam/AP; Bearbeitung SZ)
  • Ein deutscher Staatsbürger ist in Los Angeles wegen schwerer Brandstiftung zu 33 Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden.
  • Das Verfahren zog sich mehrere Jahre lang hin - auch weil die Mutter des Angeklagten intervenierte.
  • Die beiden reisten illegal in die Vereinigten Staaten ein.
Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es ist ein grotesker Fall, der an diesem Freitag nach jahrelanger Verhandlung endlich ein Ende gefunden hat. Im Dezember 2011 soll ein Deutscher rund um das Stadtzentrum von Los Angeles mehr als 50 Feuer gelegt und die Bewohner von Hollywood, Wilshire und San Fernando Valley fast eine Woche lang in Angst und Schrecken versetzt haben. Gesamtschaden: etwa drei Millionen Dollar. Nun hat das Gericht in Los Angeles den Mann zu 33 Jahren und 4 Monaten Haft verurteilt. Harry Burkhart war zum Zeitpunkt der Taten zurechnungsfähig, das haben die Geschworenen bereits vor zwei Wochen entschieden.

Die Geschichte von Burkhart beginnt einige Jahre vor der Brandstiftung: Der in Tschetschenien geborene Mann flüchtete im Jahr 2007 mit seiner Mutter Dorothee aus Deutschland, die dort wegen Betrugs gesucht wurde. Über Frankreich und die Niederlande gelangten sie nach Kanada, wo mehrere Anträge auf Asyl abgelehnt wurden. Von Kanada aus zogen sie 2010 weiter und reisten illegal in die Vereinigten Staaten ein, wo die Mutter verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert werden sollte.

Burkhart verkündete bei der Gerichtsverhandlung seiner Mutter, dass er "Amerika braten" wolle. Vom 29. Dezember 2011 an legte er jede Nacht mehrere Feuer in Autos, Häusern und Garagen. Obwohl sich in den abgebrannten Gebäuden insgesamt 17 Menschen befanden, wurde niemand ernsthaft verletzt. Vier Tage nach dem ersten Brand wurde Burkhart verhaftet, weil ihn ein Polizist zufällig auf einem Überwachungsvideo erkannt hatte.

War der Brandstifter psychisch krank?

Das Verfahren zog sich mehrere Jahre lang hin, auch deshalb, weil Burkharts Mutter - die in Deutschland inzwischen eine Gefängnisstrafe wegen Betrugs abgesessen hat - bei Anhörungen immer wieder gegen deutsche und amerikanische Behörden wetterte und mit Verschwörungstheorien auffiel. Über Burkharts Schuld befand ein Bezirksgericht in Los Angeles bereits im September 2016, allerdings konnten sich die Geschworenen damals nicht darauf einigen, ob er zum Zeitpunkt der Tat zurechnungsfähig gewesen war. Das Verfahren musste für ergebnislos erklärt werden.

Während der zweiten Verhandlung versuchte Dorothee Burkhart immer wieder, ihren Sohn als psychisch krank und deshalb nicht schuldfähig darzustellen. "Die Geisteskrankheit meines Sohnes begann 2011 in Los Angeles", schrieb sie kürzlich auf einer Webseite. Sie nutzte soziale Medien, um auf ihren Fall aufmerksam zu machen, sie wandte sich an Journalisten und schrieb gar Briefe ans Weiße Haus. Verteidiger Steve Schoenfield sagte während der Verhandlung: "Insgesamt zeichnet sich das Bild eines schwer geisteskranken und zurückgebliebenen Menschen, der bereits vor der Brandstiftung vier Monate lang in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht war."

Die Ankläger dagegen argumentierten, dass Burkhart sehr wohl gewusst habe, was er tat. "Er wollte sich dafür rächen, dass seine Mutter abgeschoben werden sollte", sagte Staatsanwalt Sean Carney. Burkhart habe die Brandstiftungen penibel geplant und methodisch ausgeführt: "Er wollte mehrere Gegenden terrorisieren und hat seine Taten im Schutz der Nacht durchgeführt. Die Beweise zeigen, wie sehr er die Vereinigten Staaten gehasst hat. Er hat genau das getan, was er angekündigt hat: Er hat Amerika gebraten."

Die Geschworenen entschieden diesmal nach nur kurzer Beratungszeit, dass Burkhart zurechnungsfähig gewesen sei. Der nahm das Urteil ohne erkennbare Regung auf.

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