Prozess in Brandenburg Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde wegen Mordes verurteilt

Lebenslange Haft für den früheren Bürgermeister der brandenburgischen Stadt Ludwigsfelde: Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der heute 70-Jährige im Jahr 2011 seine Frau umgebracht hat. Das Motiv seien Eheprobleme gewesen.

Im Mordprozess gegen den früheren Bürgermeister von Ludwigsfelde in Brandenburg ist das Urteil gefallen. Heinrich Scholl muss lebenslänglich ins Gefängnis. Die Richter am Landgericht Potsdam sahen es als bewiesen an, dass der heute 70-Jährige seine 67-jährige Ehefrau Brigitte Ende Dezember 2011 auf einem Waldspaziergang heimtückisch erdrosselt hat.

Scholl, einst angesehener Kommunalpolitiker, hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Seit einem Jahr sitzt der ehemalige SPD-Bürgermeister in Untersuchungshaft. Seine Verteidiger forderten einen Freispruch. Doch die Richter schlossen sich mit ihrem Urteil der Staatsanwaltschaft an.

Nach deren Überzeugung hatte der Angeklagte einen gemeinsamen Spaziergang im Wald genutzt, um seine Frau zu töten. Er habe sie erst ins Gesicht geschlagen, ihr eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt und sie dann mit einem Schnürsenkel erdrosselt, schilderte Staatsanwalt Gerd Heininger. An dem Schnürsenkel fand die Polizei auch Scholls DNA. Anschließend soll er auch ihren Cockerspaniel getötet haben. Um seine Tat zu verschleiern und auf einen Unbekannten zu verweisen, habe Scholl das Opfer nahezu entkleidet und mit Moos bedeckt. Der Angeklagte hatte kein Alibi.

Mordmotiv waren nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Eheprobleme. Etwa 100 Zeugen und sieben Sachverständige hat das Gericht an 29 Verhandlungstagen gehört, um zu klären, was tatsächlich geschehen ist.

In seiner fast 18-jährigen Amtszeit hatte Scholl in Ludwigsfelde viel bewegt, von den Bürgern wurde er mitunter "König Heinrich" genannt. Seine Verhaftung am 25. Januar 2012 schockierte die Menschen in der Stadt vor den Toren Berlins. Zunächst gab sich Scholl kämpferisch und suchte per Zeitungsanzeige nach Entlastungszeugen. Im Prozess dann schwieg er und schnell erinnerte nicht mehr viel an das frühere Bild vom Macher der Region.

Das einstige Image von Scholl wurde durch den Prozess zerstört - zu viel Privates kam während der Ermittlungen zum Mord an seiner Ehefrau ans Licht: Angefangen bei einer thailändischen Geliebten bis hin zu einem Buch mit seinen erotischen Phantasien und finanziellen Engpässen.

Sein Adoptivsohn Matthias war in dem Verfahren als Nebenkläger aufgetreten. "Ich ziehe nicht gegen meinen Vater in den Krieg", hatte er bei seiner Aussage im vergangenen Oktober betont, "Ich will wissen, was los ist."