Prozess im Fall Jonny K. Staatsanwaltschaft fordert fünfeinhalb Jahre Haft

"Feige und ohne Ehre": Im Prozess gegen die sechs Männer, die den Berliner Jonny K. zu Tode geprügelt haben sollen, findet der Anwalt der Familie des Opfers deutliche Worte. Die Staatsanwaltschaft fordert fünfeinhalb Jahre Haft für den mutmaßlichen Haupttäter.

Im Prozess um die tödliche Attacke gegen Jonny K. am Berliner Alexanderplatz haben die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung begonnen. Die Staatsanwalt forderte fünfeinhalb Jahre Haft für den mutmaßlichen Haupttäter. Onur U. sei der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, sagte Ankläger Michael von Hagen in seinem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht. Er sei "Auslöser und Verursacher" für die Gewalttat gewesen.

Der 20-jährige Angeklagte habe den Angriff auf den jungen Berliner mit einem Faustschlag ins Gesicht begonnen und die anderen Verdächtigen aufgestachelt. Die Tat sei völlig grundlos gewesen. "Die entscheidenden Umstände der Tat wurden ausreichend aufgeklärt", sagte von Hagen.

Angeklagte bestreiten Tritte gegen den Kopf

Für fünf Mitangeklagte beantragte der Staatsanwalt Haftstrafen zwischen zweieinhalb und drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Angeklagten hatten zwar Schläge und Tritte gegen Jonny K. eingestanden, aber keiner von ihnen hatte die Verantwortung für seinen Tod übernommen. Tritte gegen den Kopf des Verstorbenen bestritten die Männer. Auch Jonnys Freund und zugleich Lebensgefährte seiner Schwester Tina wurde durch Faustschläge im Gesicht schwer verletzt. Der grundlose Angriff in der Öffentlichkeit habe das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung beeinträchtigt, argumentierte der Ankläger.

Laut Plädoyer von Verteidiger Axel Weimann ist eine Schuld von Onur U. in Bezug auf Jonnys Tod nicht nachzuweisen. Sollte das Gericht dennoch zu einem anderen Schluss kommen, sei aus seiner Sicht nur eine Bewährungsstrafe denkbar. Auch wegen der Prügel gegen Jonnys Freund beantragte der Verteidiger eine Strafe, die auf Bewährung auszusetzen sei.

"Feige und ohne Ehre"

Der Anwalt von Jonnys Familie machte alle Angeklagten verantwortlich. Das Verhalten nach der Tat "war feige und ohne Ehre", sagte Jörg Rehmsmeier. Auch Nebenkläger Roland Weber betonte, egal, wie das Urteil ausfalle, alle seien an einem ungeheuerlichen Geschehen beteiligt. "Ein junger Mann wird einfach so totgeschlagen, in der Öffentlichkeit und aus völlig banalem Anlass", begründete Weber die enorme Anteilnahme. Viele haben sich gefragt, ob der Alexanderplatz ein Hort des Verbrechens sei.

Der 20-jährige Jonny K. war im Oktober 2012 von vermutlich sechs jungen Männern zu Tode geprügelt und getreten worden. Er starb einen Tag nach der Tat an Gehirnblutungen im Krankenhaus. Laut Staatsanwaltschaft konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob diese durch den Sturz auf den Boden oder Tritte gegen den Kopf ausgelöst wurden. Die Attacke hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und eine Debatte über Jugendgewalt entfacht. Die jungen Männer hatten sich nicht gekannt. Sie waren nach Feiern in Lokalen am Alexanderplatz zufällig aufeinandergetroffen.

Die insgesamt sechs Angeklagten im Alter von 19 bis 24 Jahren stehen seit Mai vor Gericht. Eine Anklage wegen Mordes oder Totschlags hatte es nicht gegeben. Der dazu notwendige Tötungsvorsatz habe sich nicht bestätigt, berichtete die Staatsanwaltschaft.