Von C. von Bullion

Zwei junge Rechtsradikale stehen vor Gericht, weil sie in Templin einen Obdachlosen zu Tode gequält haben sollen. Einfach so, um der puren Gewalt willen.

Eigentlich fragt man sich die ganze Zeit, was dieses Kerlchen angespornt haben könnte, ein solches Blutbad anzurichten. Und vielleicht liegt in der Frage ja schon die Antwort. Das Kerlchen ist jetzt ein Kerl geworden, ein Angeklagter, womöglich ein Mörder.

Und sie sagen kein einziges Wort: Im Prozess haben die beiden Angeklagten Sven P. (vorne) und Christian W. zum Mordvorwurf geschwiegen. An diesem Dienstag soll das Urteil fallen. (© Foto: dpa)

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Wenn Sven P. in Saal 1 des Landgerichts Neuruppin geführt wird, dann hebt er nie den Blick und gibt nichts von sich preis und guckt auch nicht ins Publikum. Wenn sie ihm die Handschellen lösen und er sich setzt, knickt sein langer Körper wie ein kraftloses Streichholz. 19Jahre alt ist Sven P., aber immer noch ein Milchgesicht mit schmalen Schultern, Brille, Mädchenhänden.

Den "Zwen", sagen die jungen Damen vor Gericht, den haben sie gar nicht wahrgenommen. "Bisschen unauffällig" findet ihn die Psychologin, die vergeblich in seine Seele schaut, um etwas zu finden, das so was erklären könnte.

Sven P. aus Templin in Brandenburg soll ein Verbrechen begangen haben, wie es nur wenige fertigbringen, er soll einen hilflosen Alkoholiker in einer vermüllten Werkstatt konsequent zu Tode misshandelt haben. Als man den Toten findet, liegt er auf der Kante eines umgestürzten Tisches, sein Gesicht ist zertreten, daran ist er gestorben, er wurde gewürgt, seine Stirn ist zerschnitten, möglicherweise mit einer kaputten Flasche. Jemand hat seinen Kopf wohl auch auf den Boden geknallt und in den Blutsee, in dem er liegt, die Spritzer reichen bis zur Wand. Dann wurde Abfall und Benzin drübergekippt und die Leiche angesteckt.

Sven P., der mit der Streichholzfigur, soll das mit Christian W. gemeinsam getan haben. Der ist so ein Typ mit herausforderndem Blick, 22, eher klein und immer hochgereckt, er gehört wie Sven P. zur rechtsextremen Szene von Templin, und nach seiner Festnahme hat er beschrieben, wie der Mann in der Werkstatt umgebracht wurde. Christian W. will aber nur zugeschaut haben, während Sven P. da allein gewütet haben soll, eine halbe Stunde lang. Überzeugend klang das nicht, deshalb wurden beide wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Sven P. sagt nichts zu den Vorwürfen. Diesen Dienstag soll ein Urteil fallen.

Rache an der Welt

Eine Geschichte ist das, die zu denen ganz unten führt, und sie beginnt am Abend des 21. Juli 2008 im Obdachlosenheim von Templin. Hier trinkt Bernd K., er tut das fast immer, er ist 55 und alle nennen ihn "Stippi", weil er sehr klein ist, ein harmloser Säufer mit einem Rumpelstilzchengesicht, der mal hier schläft und mal da und oft in einer vermüllten Werkstatt, die er geerbt hat.

In jener Nacht, die Stippis letzte wird, trinkt auch Christian W. mit den Obdachlosen. Er hat zwar eine Wohnung, aber was ein Zuhause ist, weiß er nicht. Christian W. war als Kind zweimal im Heim, während seine Mutter sich totgesoffen hat, er ist dann beim Stiefvater geblieben und dessen Frauen, und es hat da wohl an allem gefehlt, was Geborgenheit bedeutet. Also hat er sich an der Welt gerächt, fing an zu zündeln, steckte einen Keller an, zertrat einer Katze den Kopf und landete wegen schwerer Körperverletzung und rechtsextremistischer Delikte im Knast. Mit 18 attestierte man ihm volle Alkoholabhängigkeit.

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