Nach seinem Abschuss lebt der Braunbär weiter - als Cash Cow der Marketingstrategen.
Es war der 26. Juni, also genau vor 14 Tagen, als Brunos letztes Stündlein schlug - allerdings nur im biologischen Sinne. Um 4.50 Uhr früh beförderten "jagdkundige Personen" den offiziell JJ1 geheißenen Braunbären mit zwei gezielten Schüssen zwischen die Rippen von einer bayerischen Alm in die ewigen Jagdgründe.
Braunbär JJ1 alias "Bruno" als Plüschbär. Der Spielzeughersteller Schildkröt fertigt ihn in einer limitierten Auflage von 999 Stück. 2,50 Euro vom Preise gehen an WWF. (© Foto: dpa)
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Wie man sich sein dortiges Fortleben vorzustellen hat, veranschaulichte ein Handy-Klingelton-Fabrikant postwendend mit einem farbigen Logo fürs Mobiltelefon-Display: Mit hängenden Armen und ratlos resignativem Gesichtsausdruck schwebt der Jungbär an Engelsflügelchen zwischen weißen Schäfchenwolken hinfort, gekrönt von einem güldenen Heiligenschein.
Denn auch auf Erden schloss sich dem Tod des Bären nahtlos sein zweites Leben an. Jene Marketingstrategen, die in der Hatz nach dem vermeintlich possierlichen Raubtier ein schnelles Geschäft gewittert hatten, stellten binnen Stunden auf neue Bären-Devotionalien um, die - bislang - gute Umsätze versprechen.
Der Internet-Flohmarkt Ebay hat Bruno mittlerweile eine eigene Kategorie gewidmet. Geschäftstüchtige Händler verhökern dort Solidaritäts-T-Shirts, Trauerflaggen für Auto-Antennen, Armbanduhren und allerlei anderen Tand.
Doch dass sich der pelzige Sympathieträger gewinnbringend und imagefördernd zugleich vermarkten lässt, hat man auch anderenorts erkannt. So bringt der Süßwarenhersteller Haribo "anlässlich der zurzeit emotional geführten Debatte um den erlegten Braunbären" einen Schaumzucker-Bruno in den Geschmacksrichtungen Schoko und Karamell auf den Markt, der wenig artgerecht zu 150 Stück in durchsichtigen Runddosen aus Plastik gehalten wird.
20 Cent des Verkaufspreises von 7,50 Euro gehen zur Unterstützung von Bärenprojekten in den Alpen an die Naturschutzorganisation WWF - ursprünglich wollte die Goldbären-Firma mit der Aktion die Patenschaft für Brunos Unterbringung in einem Wildgehege finanzieren, wie ihr Sprecher Marco Alfter sagt.
Limitiertes Sammlerobjekt
Auch namhafte Teddy-Hersteller nehmen sich posthum dem marodierenden Artgenossen ihres prominentesten Produktes an. Steiff tackert dem auf 2000 Exemplare limitierten "Charity-Bären" nicht nur die obligate Niete ins Ohr, sondern bindet dem Plüschtier auch noch einen schwarzen Trauerflor um den Hals.
Aufgrund des "überragenden Erfolgs" der 30 Zentimeter großen Variante legt die Firma gar mit einem doppelt so großen Kuschelbären nach. Konkurrent Schildkröt stickt ihrem "Bruno - mein Bärenfreund" die Limitierungsnummer in die Tatze ein, was ihn zum begehrten Sammlerobjekt adeln dürfte.
Die beiden Firmen spenden ebenfalls brav für die Bärenprojekte des WWF, wie schon die Bärenmarke-Molkerei, die einen Jeep sponsorte, mit dem österreichische Bärenanwälte Brunos Fährte nachspürten.
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