Polizisten vor Gericht Hilflos verblutet

Die Beamten überlegten. Schließlich wollten sie den Jungen doch nicht mit auf die Wache nehmen. Zweimal soll er sie aufgefordert haben, ihn aussteigen zu lassen. Sie verbrachten ihn auf Lübecker Gebiet und setzten ihn in Höhe eines Sportlerheims aus.

Zehn Kilometer waren sie mit ihm gefahren. Für Lübeck waren sie nicht zuständig. Entgegen der Dienstanweisungen hätten sie ihre Einsatzstelle "nicht, beziehungsweise nicht vollständig" über die Abläufe unterrichtet, urteilte der BGH. Es sei "nicht ersichtlich", aus welchen Gründen sie sich "der konkreten Gefährdung und der Gesundheit des Heranwachsenden nicht bewusst gewesen" seien. Robert S. sei nicht nur betrunken gewesen, sondern "örtlich sowie situativ desorientiert".

Betrunken und ohne Orientierung

Orientierungslos stolperte S. durch die Nacht. Er zog Schuhe und Strümpfe aus, versuchte zu Hause anzurufen, verwählte sich aber. Er schickte Mitteilungen, in denen nichts stand. Keine Menschenseele konnte er erreichen.

Auf der Kronsforder Hauptstraße bei Kilometer 10,6 wurde er kurz darauf von einer jungen Frau, die zu schnell mit ihrem Golf unterwegs war, überfahren und war sofort tot. Als Todesursache stellte ein Rechtsmediziner einen "Verblutungstod infolge von Polytrauma in Kombination mit einem Ersticken bei Blutaspiration" fest.

Die Polizeibeamten G. und M. argumentierten in erster Instanz, sie hätten einen Volljährigen, der aussteigen wollte, nicht gegen seinen Willen festhalten können. Wenn die Polizisten Pech haben, wird daraus Freiheitsberaubung. Dass Robert S. volltrunken war, hätten sie angeblich nicht bemerkt.

"Ein schöner Brausebrand"

Er habe einen "schönen Brausebrand" gehabt, sagte einer der Beamten. Warum haben sie kein Taxi gerufen? Sie seien davon ausgegangen, dass er sich selbst ein Taxi rufe. In der Gegend seien normalerweise viele Taxis unterwegs.

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Revisionsbegründung darüber spekuliert, ob Robert S. sich das Leben habe nehmen wollen. Die junge Frau, die ihn totfuhr, ist im Frühjahr vergangenen Jahres bei einem Autounfall ums Leben gekommen. "Unverschuldet" - so steht es in den Gerichtsakten.