Entschädigung für Mutter Verdeckter Ermittler zeugt Kind bei geheimem Einsatz

  • Eine Mutter bekommt von der britischen Polizei eine Entschädigung von 425 000 Pfund (539 000 Euro).
  • Sie hatte von einem verdeckten Ermittler ein Kind bekommen, ohne zu wissen, dass er für eine geheime Spezialeinheit arbeitet.
  • Scotland Yard erklärte, die Polizei entschuldige sich "für allen Schmerz und alles Leid, das die Beziehung" verursacht habe.

Mehr als eine halbe Million Euro Entschädigung

Die Polizei in London muss eine Frau entschädigen, die von einem verdeckten Ermittler ein Kind bekam, ohne zu wissen, dass er für eine geheime Polizeieinheit arbeitet. Die britische Zeitung The Guardian und der Rundfunksender BBC berichten, die Mutter habe in einem Rechtsstreit eine Entschädigung von 425 000 Pfund (539 000 Euro) zugesprochen bekommen. Der frühere Undercover-Polizist selbst wird dagegen nicht belangt.

In einem Interview mit der BBC sagte die Frau, sie hätte einen Psychiater aufsuchen müssen, als sie herausgefunden hatte, dass ihr Partner in Wahrheit Ermittler und verheirateter Familienvater sei. "Ich weiß nicht, ob er Überstunden bezahlt bekommen hat, als ich bei der Geburt unseres Sohnes 14 Stunden lang in den Wehen lag", sagte die Frau ihren Anwälten zufolge. "Ich fühle mich verletzt."

Dem Guardian zufolge ist es das erste Mal, dass die Polizei in einem solchen Fall eine Entschädigung zahlt. Mehrere weitere Frauen verlangen ebenfalls Wiedergutmachung, nachdem sie Beziehungen mit verdeckten Ermittlern ohne Kenntnis von deren wahrer Identität eingegangen waren.

Wie die Frau den verdeckten Ermittler kennenlernte

"Er stellte sich als Bob Robinson vor, ein langhaariger linker Radikaler", berichtete die Frau, die anonym bleiben will und nur als Jacqui bekannt ist, dem Guardian. "In Wahrheit war er ein Mitglied einer geheimen Polizeieinheit, der Spezialeinheit für Demonstrationen." Sie sei eine von mehreren Umwelt- und Tierschutzaktivistinnen, die in den 80er Jahren ausspioniert worden waren, berichtete die BBC.

Als das Kind zwei Jahre alt war, verschwand der Mann aus dem Leben von Jacqui und kehrte zu seiner früheren Frau und Kind zurück. Der Mann, der heute als Wissenschaftler arbeitet, war einer von mehreren verdeckten Ermittlern der von 1968 bis 2008 operierenden Polizeieinheit.

Was Scotland Yard sagt

Erst im Jahr 2012 wurde er bei einer Konferenz von Greenpeace-Mitgliedern erkannt, deren Gruppe er infiltriert hatte. Die Polizei räumte später ein, dass der Mann für sie als verdeckter Ermittler gearbeitet hat. Scotland Yard erklärte, die Polizei entschuldige sich "rückhaltlos für allen Schmerz und alles Leid, das die Beziehung" verursacht habe. Gleichzeitig betonte sie, nie den Einsatz sexueller Beziehungen zu Zwecken der Polizeiarbeit erlaubt zu haben.