"Polfies" in Sri Lanka Das Glück ist ein Knöllchen

Wer in Sri Lanka einen Strafzettel bekommt, fotografiert sich danach mit dem verantwortlichen Polizisten. "Polfie" nennt sich das Selfie, das sogar bei den Behörden auf Zustimmung stößt.

In den USA rüsten Bürger und Polizisten gleichermaßen auf. Immer mehr Polizeidirektionen bestellen Körperkameras für ihre Mitarbeiter, um sich später gegen Vorwürfe nach Einsätzen zu wehren. Die Bürger halten dagegen: Sie fotografieren und filmen die Ordnungshüter.

Ganz anders in Sri Lanka. Dort hat das Fotografieren von Polizisten einen weniger ernsten Hintergrund. Auf der Insel im Indischen Ozean ist die selbstverliebte Smartphone-Generation auf der Jagd nach "Polfies"- und die gehen so: Wer in Sri Lanka einen Strafzettel bekommt, macht ein Foto mit dem Polizisten. Allerdings nicht, um Beweise gegen die Ordnungshüter zu sammeln, sondern um sich damit vor seinen Freunden zu rühmen.

Polfie ist eine Wortneuschöpfung aus "Police" und "Selfie". Ausgelöst haben die Weiterentwicklung des Selfies drei junge Männer, die mit einem Mofa unterwegs waren und sich offenbar nicht an die Verkehrsregeln hielten. Das berichtet der Branchendienst CNET. Zu sehen sind drei strahlende Gesichter, die wohl fröhlichsten Knöllchen-Besitzer der Welt - und im Hintergrund ein Polizist, der offenbar gerade einen Strafzettel schreibt.

Einer der Männer postet das Foto später auf Facebook. Nachahmer gibt es zuhauf, auf der Facebook-Seite "Dhada Selfie" finden sich zahlreiche Polfies.

Das ist die Motivation der "Polfie"-Macher

Die Motivation der Polfie-Macher sei immer gleich, analysiert die Webseite Gossip Lanka News: "Darum geht's in den sozialen Netzwerken: Nicht Kommunikation, sondern um persönliche Befriedigung. Indem man seine Freunde darüber informiert, einen Strafzettel bekommen zu haben, sichert man sich ihre Aufmerksamkeit."

Also ist zwar das Phänomen neu, die Beweggründe unterscheiden sich aber nicht von denen, die Menschen dazu bewegen, Selfies auf Facebook zu posten. Die wichtigste Währung in den sozialen Netzwerken bleibt: Aufmerksamkeit. Da macht es auch nichts, wenn ein Verkehrsvergehen oder eine Straftat Anlass für das Foto ist. Was ist schon eine Geldstrafe gegen Dutzende Likes? Eben.

Spieglein, Spieglein in der Hand

Kim Kardashian hat ein Buch mit ihren liebsten Selfies veröffentlicht. Zur Feier dieses Meisterwerks zeigen wir unsere zehn liebsten Selfies der Königin des Selbstporträts. mehr ... SZ-Magazin

So reagiert die Polizei auf die Fotos

Und wie findet die Polizei die Fotos? Erstaunlicherweise gut. So sagt es der Pressesprecher der zuständigen Polizei in Sri Lanka jedenfalls. Einem Bericht des Asian Mirror zufolge ist Ruwan Gunasekara hocherfreut über die "Polfies".

Selfiletstücke

Jede Körperregion hat ihr eigenes Selfie, jedes dieser Bilder einen eigenen Fachbegriff. Höchste Zeit, die wichtigsten Teilstücke schematisch zu ordnen. mehr ... jetzt.de

Die Bilder seien großartig, weil sie zeigten, dass Strafzettel ausgestellt würden, so Gunasekara, der noch einen zweiten Vorteil sieht: Sollte es einen Streit geben, könnten die Polfies vielleicht doch als Beweismittel genutzt werden.

Ob der Polfie-Trend zu mehr Verstößen im Straßenverkehr von Sri Lanka führt, ist bislang nicht bekannt. Unbestätigten Berichten zufolge haben Polizisten auf den Straßen Sri Lankas nun aber mehr zu tun. Und sei es nur, weil sie für ein Foto aufgehalten werden.

Brust gegen Flasche

Mütter wollen zeigen, wie normal es ist, dem Baby öffentlich die Brust zu geben. Und posten Selfies beim Stillen. Kritik kommt von unerwarteter Seite: Frauen, die mit der Flasche füttern, fühlen sich diskriminiert. Von Anna Fischhaber mehr ...