Playboy-Villa Im Inneren der Playboy-Villa

Die Neunziger, ganz unverkennbar: Victoria Silvstedt, schwedisches "Playmate des Jahres 1996", posiert mit Porsche vor der Herausgeber-Villa.

(Foto: Chris Pizzello/AP)

Bunny, Champagner, Liebesgrotte: Das Anwesen von Hugh Hefner steht für abgeschmackte Männerträume - und soll nun verkauft werden. Unser Autor durfte hinein.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Wer als Mann eine Einladung in die Playboy Mansion erhält, der fühlt sich so wie damals, als pickeliger Teenager, als der Klassenkamerad versprochen hat, einen für 50 Pfennig zehn Minuten lang in der Playboy-Ausgabe vom Juli 1991 blättern zu lassen. Das Kopfkino lieferte bereits vor der Lektüre Visionen der gerade aktuellen Lieblingsgäste: Pamela Anderson, Stephanie Seymour, LaToya Jackson.

Jahre später, beim realen Besuch, sind es die Videos von Holly Madison, Bridget Marquardt und Kendra Wilkinson, den Freundinnen von Playboy-Gründer Hugh Hefner aus der Fernsehserie "The Girls of the Playboy Mansion". Dieses Anwesen im "Platin Dreieck" von Los Angeles (Bel Air, Beverly Hills, Holmby Hills) stand jahrzehntelang für einen Männertraum: Champagner in Strömen, Frauen, die mit nichts als Plüschohren bekleidet Drinks reichen, und Liebesspiele in der hauseigenen Grotte.

Wenn man dann tatsächlich reingeht, ist die Neugier entsprechend groß. Die Partys, die hier stattgefunden haben sollen, waren berüchtigt. Hier trank Jack Nicholson seinen Old Fashioned, hier wurden die männlichen Gäste von "Hef" höchstselbst im Bademantel begrüßt und anschließend einem der zahlreichen "Bunnys" zugeführt. "Man trifft hier die absolut schönsten - und gewöhnlich auch willigsten - Frauen von Los Angeles": So hat der Schauspieler Rob Lowe den Geist des Hauses einst zusammengefasst.

Natürlich klingt das alles im 21. Jahrhundert derart sexistisch und irrwitzig, dass es als legendär gelten muss, um überhaupt noch eine Daseinsberechtigung zu haben. Genau wie die Tatsache, dass dies das einzige Privatanwesen in ganz Los Angeles mit eigener Feuerwerkserlaubnis und Zoo-Lizenz ist.

Teuerstes Anwesen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt

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Die Anekdoten sind nun der Grund dafür, dass das 2,1 Hektar große Anwesen mit der 29-Zimmer-Tudorgotik-Villa stolze 200 Millionen Dollar kosten soll. Damit ist es das derzeit teuerste Anwesen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Klar, ein Weinkeller mit Geheimzugang, ein "Elvis-Zimmer" (weil Presley hier mal mit acht Frauen übernachtet haben soll) und ein Garten mit Pfau hören sich besser an als Drei-Zimmer-Küche-Bad. Trotzdem steckt im Preis viel Luft. Laut Experten dürfte der wahre Verkaufswert bei etwa 90 Millionen Dollar liegen.

"Es gibt Luxusimmobilien. Und es gibt die Playboy Mansion", sagt Gary Gold von der Agentur Hilton & Hyland, er soll den Verkauf abwickeln. "Dieses Prachtstück ist für Menschen, die auch Sportvereine kaufen oder in Kunst investieren", schwärmt er. Das Interesse? "Gewaltig!" Wer am Ende den Zuschlag erhält, bekommt etwas, das lange als unverkäuflich galt. So etwas kommt sehr selten auf den Markt. Das Besondere am Besonderen: Wer die Playboy-Villa kauft, bekommt ein lebendes Maskottchen dazu. Der mittlerweile 89 Jahre alte Hefner hat das Anwesen im Jahr 1971 für 1,1 Millionen gekauft und als Bedingung für den Verkauf angegeben, bis an sein Lebensende dort wohnen zu dürfen. Ob umsonst oder zur Miete, das sei noch zu verhandeln.

Seit den 70ern hat sich in der Mansion nicht viel verändert

Es gibt laut Gold bereits mehrere Interessenten. Und seit wenigen Tagen ein erstes offizielles Angebot: Larry Flynt, 73, der Gründer des Playboy-Konkurrenten Hustler, hat 80 Millionen Dollar offeriert. Seine Auflage: Er will an der Auswahl der attraktiven Bewohnerinnen beteiligt sein. Außerdem soll Hefner nur als Mieter bleiben, wenn er eine regelmäßige Kolumne verfasst - für den Hustler. Hefner, der dem Kauf zustimmen muss, soll empört abgelehnt haben.

Im Inneren des Hauses bemerkt man sogleich, dass sich dort seit den 70ern nicht viel verändert hat, manches gar seit dem Bau im Jahr 1927 nicht. Die Mansion wirkt wie ein heruntergekommenes Schloss, das für besondere Anlässe notdürftig herausgeputzt wird. Es riecht nach Altersheim. An der Wand sieht man hin und wieder eines dieser Haustelefone, die vor 40 Jahren vermutlich futuristisch waren. Wen man dafür nicht sieht an diesem Abend, der schon ein paar Jahre zurückliegt und anlässlich einer Filmvorführung stattfand: Hugh Hefner. Jack Nicholson. Oder eine andere feiernde Berühmtheit. Stattdessen: Typen mit Dutt, Fensterglasbrille und Kurzhosen-Anzug, mit denen man nicht einmal streiten möchte.