Von Martin Zips

Der Mensch, der das wackelnde Flugzeug in Hamburg filmte, ist nun ein Star in der Szene. Planespotter Martin Schmid erklärt die Sucht, an Flughäfen zu stehen.

Seitdem das Video im Internet veröffentlicht wurde, diskutiert das ganze Land das Thema Flugsicherheit. Doch wer hat den Airbus A320 gefilmt, als er beim Anflug auf Hamburg-Fuhlsbüttel durch eine starke Windböe ins Trudeln geriet? Martin Schmid, 32, Informatiker aus Hamburg, wartet selber in der Einflugschneise manchmal auf derart spektakuläre Bilder.Auf seiner Internetseite tauscht sich Hamburgs Planespotter-Community aus.

Planespotter

Planespotter Martin Schmid: "Das ist eine riesige Sache!" (© Foto: oh)

Anzeige

SZ: Herr Schmid, haben Sie den Film vom schwankenden Airbus gedreht und ins Internet gestellt?

Martin Schmid: Nein, ich war das nicht. Ich weiß aber in etwa, wer das war.

SZ: Tatsächlich? Und wieso äußert sich der Filmemacher nicht?

Schmid: Es ist so, dass alle Leute, die am Flughafen arbeiten - auch auf dem Rollfeld - sich derzeit in dieser Sache nicht äußern dürfen.

SZ: Ach, war es ein Flughafenmitarbeiter? Hat der während seiner Arbeitszeit gefilmt?

Schmid: Gefilmt hat er in seiner Freizeit außerhalb des Flughafens. Auf einem öffentlichen Fußweg zwischen zwei Zäunen im Anflug. Es gibt Flughafenmitarbeiter, die privat Planespotter sind.

SZ: Was sind denn Planespotter?

Schmid: Da gibt es die unterschiedlichsten Typen. Manche versuchen, alle Flugzeuge einer Fluggesellschaft zu fotografieren. Andere interessieren sich nur für außergewöhnliche Dinge wie den A380. Die meisten Spotter beschäftigen sich mit kuriosem technischen Zeug.

SZ: Das heißt: Spotter stehen gerne in der Einflugschneise?

Schmid: Ja, in unserer Community gibt es Leute, die wirklich jede freie Minute am Flughafen verbringen. Zu denen gehöre ich selber nicht. Als Informatiker sorge ich dafür, dass der Austausch von Bildern, Videos und Informationen funktioniert. Bei uns sind etwa 360 Leute im Internet angemeldet. Dort gibt es auch mal spektakuläre Böen-Bilder zu sehen.

SZ: Mittlerweile ist das ursprüngliche Video aus dem Netz wieder verschwunden. Die Pilotenvereinigung Cockpit meint: Lufthansa habe es gekauft.

Schmid: Das deutet mir eher darauf hin, dass manche Leute das Prinzip Internet noch nicht richtig durchschaut haben. Wie soll man ein Video kaufen, das schon seit Tagen auf dem Markt ist?

SZ: Bei Lufthansa sieht man das ähnlich.

Schmid: Richtig ist: Das Video wurde auf Youtube ins Netz gestellt und ist dort mittlerweile verschwunden. Andere zogen Kopien und stellten sie auf andere Filmseiten - beispielsweise LiveLeak.

SZ: Und das ursprüngliche Video?

Schmid: Derjenige, der das Video gedreht und ins Netz gestellt hat, hat kalte Füße bekommen. Er konnte nicht ahnen, welche Wellen die Aufnahmen schlagen.

SZ: Gilt so ein Film in Ihrer Szene als Scoop?

Schmid: Aber auf jeden Fall! Das ist eine riesige Sache.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(SZ vom 5.3.2008/jüsc)