Keine Piraten, sondern Fischer: Eine indische Fregatte hat vor einer Woche ein Boot im Golf von Aden versenkt - nun meldet sich der Schiffseigner.

Bei ihrem international beachteten Einsatz vor der Küste Somalias hat die indische Marine in der vergangenen Woche offenbar kein Piraten-Schiff, sondern einen gerade gekaperten Fischkutter aus Thailand versenkt. Die Fregatte INS Tabar habe das unter thailändischer Flagge fahrende Schiff versehentlich für ein sogenanntes Mutterschiff der Piraten gehalten, sagte der Leiter des Informationszentrums für Piraterie bei der Internationalen Schifffahrtsbehörde IMB) in Kuala Lumpur, Noel Choong, am Mittwoch. Ein Besatzungsmitglied sei bei dem Einsatz am 18. November ums Leben gekommen, 14 weitere würden vermisst. Das thailändische Schiff sei kurz zuvor von Piraten gekapert worden.

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Die indische Marine hat Fotos von einem sinkenden Schiff veröffentlicht - offenbar wurde ein falsches Ziel getroffen. (© Foto: AFP)

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Die indische Flotte wies den Vorwurf zurück. Das von der INS Tabar im Golf von Aden angegriffene Schiff sei "feindlich" gewesen, teilte die Marine in Neu Delhi mit. Die Flotte hatte vor einer Woche erklärt, dass die INS Tabar im Golf von Aden nach einem Feuergefecht ein sogenanntes Mutterschiff der Piraten versenkt habe. Diese Schiffe dienen den Seeräubern als strategisch wichtige Versorgungs- und Ausgangsbasis bei ihren Beutezügen.

Der Schiffseigner des versenkten thailändisches Fischereiboots Ekawat Nava 5 hatte der indischen Marine die Versenkung in Medienberichten vorgeworfen und sich dabei auf die Aussagen eines überlebenden Besatzungsmitglieds berufen, das vor kurzem im Golf von Aden gerettet worden war. Nach dieser Darstellung hatten Piraten das Boot bereits gekapert, als sich die indische Fregatte näherte und das Feuer eröffnete. 14 Besatzungsmitglieder des Trawlers werden noch vermisst.

Der Fall zeigt, wie komplex die Entscheidungen im Kampfeinsatz gegen Piraten wären - auch für deutsche Soldaten. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold hat sich unterdessen für bewaffnete Soldaten auf Handelsschiffen ausgesprochen. "Ich will nicht, dass deutsche Reeder bewaffnetes privates Sicherheitspersonal einkaufen", sagte Arnold der Berliner Zeitung. Dies sei eine Sache des staatlichen Gewaltmonopols. "Das Mandat sollte nicht auf Kante genäht sein", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion.

Die Bundesregierung berät derzeit über die Entsendung von bis zu 1400 Soldaten zur geplanten Piratenbekämpfung der EU vor der Küste Somalias. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen, hieß es am Dienstag in Regierungskreisen. Derzeit sind in den Gewässern zwei deutsche Fregatten unterwegs. Sie hatten in den vergangenen Tagen Handelsschiffen bereits Nothilfe bei der Abwehr von Piraten geleistet.

Die EU will die Mission "Atalanta" am 8. Dezember starten, hat laut Verteidigungsministerium aber noch keinen Operationsplan vorgelegt. Die Bundesregierung will am 3. oder 10. Dezember über die deutsche Beteiligung entscheiden. In der Woche vor Weihnachten könnte dann der Bundestag das Mandat beschließen.

Angesichts der Größe des zu überwachenden Seegebiets beziffert das Einsatzführungskommando der Bundeswehr die zur Unterbindung jeglichen Überfalls erforderliche Zahl von Kriegsschiffen auf 500, berichtet die Berliner Zeitung. Derzeit seien dort weniger als 20 stationiert.

Zur Zeit haben die Seeräuber mehr als ein Dutzend Schiffe und rund 300 Seeleute aus aller Welt in ihrer Gewalt, darunter den Supertanker Sirius Star und die mit mehr als 30 Kampfpanzern beladene ukrainische MS Faina.

Nach Drohungen von Islamisten haben die Piraten vor Somalia den entführten saudiarabischen Supertanker Sirius Star weiter aufs Meer verlegt. Das Schiff sei bereits am Sonntag auf eine Position von 50 Kilometern vor dem Küstenort Haradhere gebracht worden, sagte der somalische Clanchef Abdisalan Khalif Ahmed am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. Dies sei offenbar aus Sorge vor einem Angriff geschehen. Am Freitag hatte die islamistische Gruppe Al Schabab den Seeräubern wegen der Entführung eines Tankers von Muslimen den Kampf angesagt.

Die Piraten erklärten derweil, sie hätten noch keinen direkten Kontakt zu den Eignern der Sirius Star. Bislang seien nur Mittelsmänner an sie herangetreten, die aber allesamt nicht verlässlich seien, sagte ein Sprecher, der seinen Namen mit Daybad angab, dem britischen Rundfunksender BBC. "Natürlich haben wir das Schiff für Lösegeld gekapert", fügte er hinzu. Der saudische Öl-Konzern Aramco rechnet laut der Zeitung Okaz mit einer baldigen Freigabe des von Piraten gekaperten Supertankers. Demnach werde die Reederei Vela in Dubai, der das Schiff gehört, voraussichtlich ein Lösegeld von zwei bis drei Millionen US-Dollar (1,6 bis 2,3 Millionen Euro) bezahlen müssen, um den Tanker noch diese Woche zurückzuerhalten. Ein US-Unternehmen werde die Übergabe des Geldes organisieren.

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(dpa/AFP/AP/grc)