Prozessauftakt gegen neun mutmaßliche Piraten: Bereits am ersten Tag droht das Verfahren in Mombasa zur Farce zu werden.
"Insel des Krieges" nennen die Einheimischen die kenianische Hafenstadt Mombasa. Araber, Portugiesen und Briten sind früher über den Küstenort hergefallen. Das Fort Jesus ist stummer Zeuge dieser blutigen Tage. Unweit davon residiert der High Magistrate Court in einem schlichten, beigen Betongebäude. Zehn Steinstufen führen in den Flur, vorbei an verblichenen Pinnwänden in den Gerichtssaal Nummer vier.
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Die Fregatte "Rheinland-Pfalz" (rechts im Bild) im Hafen von Mombasa: Der Kapitän wird in dem Prozess erklären müssen, warum er wichtige Beweise im Meer versenkte. (© Foto: Reuters)
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In dem Raum ohne Fenster, das kann man so sagen, wird an diesem schwülen Morgen auch eine Art Schlacht geschlagen. Beinahe hätte sie sogar auf deutschem Boden stattgefunden. Doch der Feind hat Berlin Angst eingejagt. So viel Angst, dass die Bundesregierung den Prozess an die kenianische Justiz abgegeben hat.
Der Feind, das sind neun Somalier, zähe Männer im Alter zwischen 20 und 30. Sie müssen sich seit Mittwoch wegen Piraterie vor Gericht verantworten. Sie sitzen nebeneinander, die dunkelbraun getäfelte Holzwand im Rücken, und blicken halb neugierig, halb trotzig in den vollen Saal.
Als Staatsanwalt Jacob Ondari erläutert, sie hätten am 3. März im Golf von Aden den deutschen Frachter MV Courier überfallen, hören sie gelangweilt zu. Sie gähnen oder kraulen sich das Kinn. Nur einmal, als sich eine junge Polizistin vorbeidrängt, glotzt einer auf den engen Rock, der ihre Figur betont.
Die Männer tragen blaue Overalls, ein Geschenk der deutschen Marine. Die Soldaten der Fregatte Rheinland-Pfalz setzten die Somalier fest, nachdem die MV Courier um Hilfe gerufen hatte. Weil das Schiff der Hamburger Reederei Winter gehört, erließ der hanseatische Justizsenator Till Steffen zunächst Haftbefehl. Aber die Politik wollte es anders.
Seit Dezember jagt die Europäische Union mit der Mission Atalanta Piraten am Horn von Afrika, weiß aber nicht so recht, wohin mit den Gefangenen. So fragte Brüssel in Nairobi an, ob Kenia ein paar mutmaßlichen Seeräubern den Prozess machen könne. Das gehe, schrieben die Afrikaner höflich zurück. Ein armes Land wie Kenia trägt schließlich keinen Schaden davon, wenn es den reichen Europäern aus der Patsche hilft.
Die Angeklagten würden natürlich ein faires Verfahren bekommen, versichert Nairobi. Nun sitzen bereits mehr als 50 Verdächtige im Gefängnis Shimo La Tewa nahe Mombasa. In Berlin haben sich die Kenianer mit ihrem Entgegenkommen besonders viel Sympathie geschaffen. Das Bundesinnenministerium hatte schon gewarnt, ein Einfallstor für Flüchtlinge werde aufgehen, wenn die Somalier zum Prozess nach Deutschland kämen und Asyl beantragen sollten. Mombasa erschien da vielen als Rettungsanker.
Nun muss Richterin Teresia Mwangi beweisen, dass sie ihre Sache gut macht. Sie kennt die Klagen über die korrupte Justiz in ihrer Heimat. Medienvertreter aus Deutschland und der deutsche Botschafter aus Nairobi, Walter Lindner, beobachten die Verhandlung.
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Warum macht man es nicht so wie Frankreich,man setzt die Piraten an der Somalischen Kueste wieder aus. Sie hier nach Deutschland zu bringen,wuerde noch mehr Piraten anlocken,ein erfolgreiches Asylverfahren waehre die Folge. ( Anwaelte und Kerzentraeger ) Ich habe erst die Tage ein Buch ueber Kenia gelesen,die dortigen Verhaeltnisse sind absolut nicht mit Europa zu vergleichen,gnade uns vor solchen Verhaeltnissen.
... falls sie aber kenia meinen, werden dort die gefängnisse von oftmals korrupten, weil nicht angemessen vom staat bezahlten, zudem in stammesstrukturen organisierten menschen verwaltet. kurz gesagt, das ganze elend des postkolonialismus.
unsere regierung, die sich in anderen fällen und an anderer stelle die werte der menschenrechte, rechtsstaat etc pp ganz gross auf die fahnen schreibt, schliesst hopplahopp ein abkommen mit kenia, damit die mutmasslichen piraten bloss nicht(!) in die bundesrepublik kommen und bloss nicht ein gezeter um asylgesuch losgeht. was kompletter schwachsinn ist, weil asyl denen gewährt wird, die politisch verfolgt werden und das in diesem fall wohl nicht nachgewiesen werden könnte.
kurzum, der vogel strauss namens bundesregierung steckt seinen kopf in den sand. und ich frage mich, ob in deren politisch-moralischem koordinatensystem diese hypokrisie überhaupt aufflackert, oder sie tatsächlich mit ihrem gewissen im reinen sind, angesichts dieser ganzen doppelmoral. damit meine ich gar nicht primär das aktuelle verfahren, sondern die tagtägliche ungleichgewichtung des diversen unrechts auf unserem schönen planeten, das wir (unsere regierung, falls ihnen das lieber ist) mitzuverantworten haben. und ob die tatsächlich glauben, dass symptome bekämpfen, ohne an die ursachen zu gehen auf dauer gut gehen kann...
mit nazis (was sie ruhig ausschreiben dürfen) hat das überhaupt nichts zu tun. aber ich habe den verdacht, dass sie lieber schlagwörter in die runde werfen, als inhaltlich zur diskussion beizutraGEN.
Leider guckt die SZ wie immer nicht über den nationalen Tellerrand.
In Frankreich stehen einige Piraten vor Gericht, weil die Franzosen eben nicht solche Weicheier wie die Deutschen sind. Dort entblöden sich die Verteidiger nicht, zu behaupten der arme Somali sei emotional zu gestresst, um vor Gericht zu erscheinen: Er sei völlig irritiert durch die Tatsache, dass es in seiner Zelle elektrisches Licht gibt. Das kenne er nicht von zuhause.
Aber Aussenborder und Kalaschniko sind den Jungs schon vertraut.
retmarut, können gar nicht schlecht sein. Die werden ja nicht von Deutschen N@dsis geführt, sondern von extrem hoch gebildeten, extrem toleranten und extrem humanistischen Persönlichkeiten.
Widerspruch zwecklos. Es sei denn, Sie wollen sich als N@dsi outen.
wollte mich schon echauffieren, warum der artikel in panorama erscheint, statt in politik bspw, aber nach fertiglesen ist klar: der ton des artikels prädestiniert ihn fürs panorama, werte frau raupp.
lesen sie manchmal auch den tagesspiegel? da ist im märz ein artikel über kenianische gefängnisse erschienen. fand ich irgendwie besser...: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Fragen-des-Tages-Kenia-Piraten;art693,2748062
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