Pfizer klagt gegen Bauern Verdächtig blaue Knabbereien

Ein Anruf bei Richard Mandl, der vom Pharmariesen Pfizer verklagt wird, weil seine blauen Kürbiskerne einen ähnlichen Namen wie "Viagra" tragen.

Interview: Martin Langeder

26 Kürbiskerne in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen hat Richard Mandl in seinem Sortiment. Im Internet und in Fachgeschäften verkauft er pro Jahr 70.000 Packungen der Knabberkerne. Darunter mehrere tausend Stück der blauen Sorte "Styriagra". Die Farbe und der Name bedrohen nun die Existenz des Bauern aus der Steiermark: Der US-Pharmakonzern Pfizer verklagte den 50-Jährigen. Grund: Zu viel Ähnlichkeit mit der Potenzpille Viagra.

Kernig: Bauer Richard Mandl wird weger blauer Kürbiskerne verklagt.

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Herr Mandl, wie kommen Sie dazu, blaue Kürbiskerne zu verkaufen?

Richard Mandl: Ich wollte sie einer Therme in der Nähe widmen, als kleine Aufmerksamkeit für die Gäste. Die Farbe Blau hat sich aus den Logofarben der Therme ergeben. Leider konnte die damalige Chefin meiner Idee nichts abgewinnen.

SZ: Und Sie hatten plötzlich ein Produkt, das keinen Namen hatte?

Mandl: Genau. Da ich aus der Landwirtschaft komme und in der Steiermark lebe, habe ich einfach die Wörter Agrar und Styria zusammengefügt. Den Namen "Styriagra" habe ich mir dann im Januar 2008 beim Patentamt für die EU-Länder und die Schweiz schützen lassen.

SZ: Was steckt denn drin?

Mandl: Ich dragiere die gerösteten Kerne mit Zucker und Schokolade. Dazu kommen Taurin, Koffein und ein Geschmacksstoff, der an Tuttifrutti erinnert.

SZ: Also sind die Kerne durchaus eine kostengünstige Alternative zu Viagra?

Mandl: Ich will meine Kerne gar nicht in Verbindung mit Viagra bringen, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

SZ: Aber Kürbiskernen sagt man auch nach, dass sie die Manneskraft stärken.

Mandl: Stimmt, der Kürbiskern hat Inhaltsstoffe, die denen von Viagra ähneln. Grundsätzlich sind Kürbiskerne für Herz, Kreislauf und die Prostata sehr gesund. Zudem sollen sie die Fruchtbarkeit und die Potenz fördern.

SZ: Und da haben Sie bei der Namenswahl wirklich nicht an Viagra gedacht?

Mandl: Im ersten Moment nicht.

SZ: Ach kommen Sie, blaue Dragees, die Styriagra heißen! Warum haben Sie es dann nicht einfach Styriagrar genannt.

Mandl: Das klingt nicht gut.

SZ: Irgendwann hat das auch Pfizer auf den Plan gerufen.

Mandl: Zwei Wochen, nachdem ich den Namen beim Patentamt angemeldet hatte, meldete sich eine Rechtsanwaltskanzlei aus Wien. Im Auftrag von Pfizer forderte sie mich auf, den Markennamen zurückzunehmen - ansonsten hätte ich mit rechtlichen Schritten zu rechnen. Das ist ja lächerlich. Da frage ich mich, wozu ich zum Patentamt gegangen bin und 3200 Euro gezahlt habe.

SZ: Wie haben Sie reagiert?

Mandl: Ich habe einen frechen Brief geschrieben und gesagt, dass sie mir den Markennamen gerne abkaufen können. Vielleicht kann ich damit meine Schulden abzahlen.

SZ: Was kam als Antwort?

Mandl: Post vom Handelsgericht Wien: Einen fünf Zentimeter dicken Ordner, mit ein paar hundert Blättern. Pfizer hat Klage gegen mich eingereicht. Ich soll 36.000 Euro zahlen und meine komplette Produktion einstellen. Ich bin aber nicht bereit, bei so einem Schwachsinn mitzumachen.

SZ: Es läuft auf einen Prozess David gegen Goliath hinaus.

Mandl: Ich würde es eher "Erde gegen Universum" nennen. Als so übermächtig empfinde ich Pfizer. Wenn die Sache danebengeht, ist meine Existenz gefährdet. Meine Familie zittert schon.

SZ: Bereuen Sie den Namen "Styriagra" mittlerweile?

Mandl: Nein. Ich hätte die blauen Kürbiskerne ja wegen des Geschmacks auch Tuttifrutti nennen können. Aber da hätte ich vielleicht Probleme mit Peter Kraus bekommen. Der singt ja: "Tutti Frutti macht mich total kaputti."