Pferdefleisch-Verdacht in den Niederlanden 28.000 Tonnen Fleisch zurückgerufen

In den Niederlanden gibt es möglicherweise einen neuen Lebensmittel-Skandal. Eine Großschlachterei soll teures Rindfleisch mit billigem Pferdefleisch vermischt haben. Ein Großteil der Ware ist wohl schon verzehrt.

Ein Jahr nachdem der Pferdefleisch-Skandal in Deutschland bekannt wurde, ist jetzt in den Niederlanden erneut verdächtige Ware aufgetaucht. Die dortigen Behörden haben etwa 28 000 Tonnen Fleisch zurückbeordert, die möglicherweise mit Pferdefleisch vermischt wurde.

Eine Großschlachterei aus der Provinz Gelderland im Osten des Landes steht im Verdacht, teures Rind mit billigerem Pferdefleisch vermischt zu haben. Betroffen ist nach Angaben der Kontrollbehörde in Utrecht die gesamte Produktion der vergangenen zwei Jahre.

Bei Ermittlungen war in Beständen der Schlachterei Pferde-DNA entdeckt worden. Der Betrieb konnte die Herkunft der Ware nicht nachweisen. Ein großer Teil der Ware sei wahrscheinlich schon konsumiert.

"Zur Zeit gibt es keine konkreten Hinweise auf eine Gesundheitsgefahr", teilte die Behörde mit. Man habe auch über das europäische Alarmsystem von dem Rückruf informiert. Welche Länder möglicherweise betroffen seien, konnte die Behörde noch nicht sagen.

Unterdessen hat das Europäische Parlament eine EU-weite verbindliche Herkunftskennzeichnung für Fleisch gefordert. Das Argument der EU-Kommission, eine solche Kennzeichnungspflicht würde zu einem starken Preisanstieg führen, sei nicht überzeugend. Die Kommission müsse ihren Vorschlag zurückziehen und nachbessern.

Nach dem Willen des EU-Parlaments soll der Verbraucher beim Fleischkauf genaue Angaben über den Geburtsort, den Ort der Aufzucht und den Ort der Schlachtung des Tiers erhalten. Dies soll für alle Tierarten gelten. Bisher ist eine solche Herkunftsbezeichnung nur für Rindfleisch obligatorisch. Sie war nach dem BSE-Skandal eingeführt worden.

Die Brüsseler Kommission schlägt bislang lediglich eine verpflichtende Angabe dazu vor, in welchem Land Schweine, Schafe, Ziegen und Geflügel aufgezogen und geschlachtet wurden. Das Europaparlament fordert, dass auch das Geburtsland angegeben werden muss. Damit soll eine lückenlose Rückverfolgbarkeit ermöglicht werden.