Pferdefleisch-Skandal Frankreich verdächtigt heimische Firma

Im Pferdefleisch-Skandal erhebt die Pariser Regierung schwere Vorwürfe gegen ein französisches Unternehmen, die britische Polizei nimmt drei Verdächtige fest. In Deutschland weitet sich der Verdacht auf falsch etikettiertes Fleisch aus.

Die französische Regierung hat einen Schuldigen im europaweiten Pferdefleisch-Skandal identifiziert: Die französische Firma Spanghero habe gewusst, dass sie Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, hieß es am Donnerstag aus Paris. Supermarktketten in Deutschland nahmen möglicherweise falsch deklarierte Produkte teils bereits vergangene Woche aus dem Verkauf, ohne dies zunächst mitzuteilen.

Die Firma Spanghero habe sich eines "Wirtschaftsbetruges" schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden, sagte der französische Verbraucherminister Benoît Hamon in Paris. Der Firma wurde mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen, wie Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hinzufügte. Spanghero erklärte indes, "nur als Rind geltendes Fleisch bestellt, erhalten und weiterverkauft" zu haben.

Der Skandal um Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten, das als Rindfleisch etikettiert worden war, hatte am Mittwoch Deutschland erreicht. In Lasagne-Produkten wurden Anteile von Pferdefleisch gefunden. Spanghero hatte das Fleisch aus Rumänien bezogen und die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte verkauft.

Comigel wies den Vorwurf Hamons von "Nachlässigkeiten" im Umgang mit dem Fleisch zurück. Die Firma sei Opfer eines "organisierten Betrugs" geworden, der kaum aufzuspüren gewesen sei, erklärte Comigel-Chef Erick Lehagre. Da das von Spanghero angelieferte Fleisch unaufgetaut weiterverarbeitet worden sei, hätten die Comigel-Mitarbeiter "weder durch die Farbe, noch durch den Geruch" darauf kommen können, dass es von Pferden stammte.

In Deutschland gelangten Pferdefleisch-Produkte offenbar in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen und Berlin in den Handel. Der Berliner Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) erklärte, Berliner Handelsunternehmen hätten nach eigenen Angaben bereits am 6. Februar verdächtige Waren zurückgezogen. Auch das Verbraucherschutzministerium in Düsseldorf erklärte, Supermarktketten hätten die Produkte bereits vor Tagen zurückgerufen, ohne zunächst die Behörden zu informieren.

Nach Real erklärte am Donnerstag der größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler Edeka, in Stichproben von Lasagne der Eigenmarke "Gut & Günstig" seien "geringe Pferdefleisch-Anteile" gefunden worden. Real hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass in Tiefkühllasagne der Eigenmarke TiP Pferdefleisch gefunden worden sei. Auch andere Unternehmen wie Kaiser's Tengelmann, Rewe und Eismann überprüfen verdächtige Produkte.

Britische Polizei nimmt drei Verdächtige fest

In Großbritannien wurden wegen des Skandals drei Männer festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Sie wurden am Donnerstag in einer Schlachterei und einem Weiterverarbeitungsbetrieb festgenommen, die unter Verdacht stehen, Pferdefleisch als Rindfleisch etikettiert zu haben. Den Männern wird Betrug zur Last gelegt.

In Proben mehrerer britischer Schlachtpferde wurde das Medikament Phenylbutazon nachgewiesen, wie die britische Lebensmittelbehörde am Donnerstag mitteilte. Das Fleisch der Tiere sei nach Frankreich exportiert und möglicherweise bereits verzehrt worden. Phenylbutazon wird Sportpferden gegen Entzündungen verabreicht, darf aber wegen seiner potenziell schädlichen Wirkung nicht bei Schlachttieren angewendet werden.

Um das Problem der Falsch-Deklarationen in den Griff zu bekommen, schlug die EU-Kommission verstärkte Gentests bei Fleischwaren vor. Auch bei Pferdemetzgereien und anderen Betrieben, die Pferdefleisch verarbeiten, sollten Proben genommen werden, kündigte Gesundheitskommissar Tonio Borg an. Sie sollen auf Rückstände von Pferde-Medikamenten untersucht werden. Die EU-Regierungen sollen am Freitag über die Vorschläge abstimmen.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission. So lasse sich herausfinden, ob es sich um einen Einzelfall oder systematischen Betrug handle, erklärte CSU-Politikerin. Bisher gebe es zwar keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung, es sei aber ein "krasser Fall von Verbrauchertäuschung". Die europäischen Ermittlungsbehörden müssten nun gemeinsam in dem Fall vorgehen.

Wie gefährlich ist Phenylbutazon?
  • Für in der EU geschlachtete und in die EU importierte Tiere gelten strenge Richtlinien über Arzneimittelrückstände im Fleisch.
  • Für das Mittel Phenylbutazon gibt es keinen Höchstwert, da das Medikament nie darauf untersucht wurde, wie gefährlich die Rückstände für den Menschen sind.
  • Es ist daher bei lebensmittelliefernden Tieren komplett verboten.
  • Das Schmerzmittel gehört derselben chemischen Familie an wie Aspirin oder Diclofenac und wird Pferden vor allem bei Entzündungen verabreicht. Es ist hochwirksam, da es sich an den betroffenen Körperstellen, z.B. Gelenken, stark anreichert.
  • Menschen erhalten nur in seltenen Fällen Phenylbutazon, da es besser verträgliche Schmerzmittel gibt.
  • Ob ein Pferd ein lebensmittellieferndes Tier ist, steht in seinem Equidenpass. Darin kann ein Besitzer auch eintragen, wenn ein Pferd nie geschlachtet werden darf. Dann kann das Tier medikamentös wie Hund und Katze behandelt werden, darf aber nie in die Nahrungskette gelangen.