Pewobe Nach Witzen über "Kinderguillotinen": Berliner Senat kündigt Flüchtlingsheim-Betreiber fristlos

Eine Frau im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales. Auch das Lageso hat umstrittene Verträge mit der Pewobe geschlossen.

(Foto: dpa)
  • Leitende Angestellte der "Professionelle Wohn- und Betreuungsgesellschaft" (Pewobe) haben derbe Witze über "Kinderguillotinen" und Krematorien gerissen.
  • Die Pewobe betreibt neun Flüchtlingsheime in Berlin.
  • Der Anwalt der Pewobe behauptet, schuld sei "ein durch das Rechtschreibkorrekturprogramm T9 verursachter Korrekturfehler".
  • Der Berliner Senat hat dem Betreiber nun gekündigt, fristlos.

23. Juli: Es wird bekannt, dass eine leitende Mitarbeiterin und Prokuristin der "Professionelle Wohn- und Betreuungsgesellschaft" (Pewobe), eines privaten Betreibers von neun Flüchtlingsheimen in Berlin, früher Mitglied der rechtsextremen DVU war.

9. August 2016: Der Senat kündigt den Vertrag mit Pewobe für die Flüchtlingsunterkunft in Hellersdorf. Zuvor hatte der Verein "Hellersdorf hilft" von "katastrophalen Zuständen" in der Einrichtung gesprochen.

Viele Berliner haben sich mittlerweile an solche Meldungen gewöhnt. Seit Jahren steht die Pewobe in der Kritik. Es bestehen erhebliche Zweifel, ob es eine gute Idee ist, Flüchtlingsheime in ihre Hände zu legen. An diesem Wochenende haben diese Zweifel neuen Nährboden bekommen.

Am Samstag veröffentlichte die Berliner B.Z. interne E-Mails von vier Mitarbeitern der Pewobe, darunter die Geschäftsführerin und die genannte Prokuristin, die sich ihrem Anwalt zufolge "von rechtsradikalem Gedankengut distanziert" habe. Sie diskutieren, wofür eine 5000-Euro-Spende von BMW (Zitat: "die BMW-Gutmenschen") genutzt werden könnte.

Eine "kleine Kinderguillotine" und Witze über Krematorien

Die Idee, einen Sandkasten zu bauen, wird verworfen, denn der sei "bei unseren Bewohnergruppen ganz schnell ein großer Aschenbecher oder ein heimisches Klo". Stattdessen könne man doch in eine "kleine Kinderguillotine" investieren, schließlich müsse man "mal was anderes als das Standardprogramm" liefern. Es folgen Fotos von abgetrennten Köpfen und einer Kinderrutsche, an deren Ende eine Reibe mit Widerhaken und Messerschlitz montiert ist.

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Allerdings machten "die Enthauptungen Dreck, weil es immer ein bisschen spritzt". Diese Sauerei wolle doch niemand wegmachen, möglicherweise sei das "eine schöne Aufgabe für die maximal Pigmentierten". In der Folge witzeln die beiden Pewobe-Chefs, dass sie dann wohl ein "großvolumiges Krematorium" bräuchten. Dadurch würde die Firma außerdem ihr Umweltzertifikat wiederbekommen, "weil wir die Abwärme sinnvoll und zielführend einsetzen können".

Die Pewobe beklagt sich, dass "sämtliche problematische Äußerungen aus ihrem Kontext herausgerissen" seien worden, die Angestellten hätten über die Guillotine in "niemals auch nur ansatzweise ernstgemeinter Weise diskutiert". Angeblich sei "ein durch das Rechtschreibkorrekturprogramm T9 verursachter Korrekturfehler" schuld. Wie die Rechtschreibkorrektur ausgerechnet das Wort "Kinderguiolltine" (im Original mit Rechtschreibfehler) erzeugen konnte, erklärt der Anwalt der Pewobe in seiner Stellungnahme nicht. In der E-Mail-Korrespondenz finden sich zahlreiche weitere Fehler, die der angeblich verwendeten Rechtschreibhilfe nicht aufgefallen sind.

Berliner Politiker fordern Konsequenzen

Ein freiwilliger Helfer macht der Pewobe schwere Vorwürfe. Er kümmert sich seit einem Jahr um einen syrischen Jugendlichen, der in einem der Heime untergebracht ist. "Es sind nur zwei Sozialarbeiterinnen vor Ort, von denen eine zu September gekündigt hat", sagte er dem Berliner Tagesspiegel. Diese sei bereit, wieder in der Unterkunft anzufangen - aber nur unter einem anderen Betreiber.

Die hygienischen Verhältnisse im Flüchtlingsheim seien "auf dem allerletzten Stand". Im Flur lagerten Essensreste, es gebe Ungeziefer, ein Teil der Sanitäranlagen sei nicht betretbar. "Immer, wenn ich in der Unterkunft war, jucken mir tagelang die Beine", sagte der ehrenamtliche Helfer. Sobald sich eine Kontrolle durch Behörden ankündige, würden die Bewohner zum Putzdienst abkommandiert.

Mehrere Berliner Politiker fordern Konsequenzen für die Pewobe. "Ich war entsetzt, als ich die Auszüge aus den E-Mails gelesen hatte", sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Jetzt prüfe die Sozialverwaltung, "ob die Pewobe generell noch als Betreiber von Flüchtlingsunterkünften in Berlin geeignet ist". Innenexperte Tom Schreiber (SPD) sprach von "Menschenverachtung", nun müsse die Staatsanwaltschaft aktiv werden. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) schrieb auf Twitter: "Ich finde, es gibt nur ein klares Wort dazu: Kündigung sofort überall."

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