Party des tschetschenischen Präsidenten Kadyrow Ein Ständchen für den Schurken

Shakira hatte kurzfristig abgesagt. Dafür saß aber Jean-Claude Van Damme neben Ramsan Kadyrow und Oscar-Gewinnerin Hilary Swank brachte ihm ein Geburtstagsständchen - in schönster Marilyn-Monroe-Manier. Weitere Prominente gaben sich auf der Party des tschetschenischen Präsidenten die Ehre. Der 35-Jährige soll in Folter, Mord und Entführungen verwickelt sein.

Von Frank Nienhuysen

Hilary Swank war zwar nicht auf dem neuesten Stand, aber wer wollte schon kleinlich sein an diesem Mittwochabend. Grosny leuchtete, die Moschee funkelte, die neue glänzende Silhouette der tschetschenischen Hauptstadt war erstrahlt, als die berühmte Schauspielerin ein Ständchen gab. "Happy Birthday, Mister President" sang sie zu dem Mann im Anzug ohne Krawatte in der ersten Reihe, dem Menschenrechtsorganisationen vorwerfen, er und seine berüchtigten Milizen seien in Folter, Mord und Entführungen verwickelt gewesen.

Eigentlich will Ramsan Kadyrow gar nicht mehr Präsident genannt werden, sondern "Oberhaupt". Präsident zu sein, das stehe in Russland nur dem Staatschef zu, sagte Kadyrow einmal. Und so ist er nun das Oberhaupt Tschetscheniens, allmächtig und auch gefürchtet in der russischen Kaukasusrepublik, und jetzt hatte er 35. Geburtstag.

"Es war eine große Dummheit"

Kadyrow feierte ein großes Fest, obwohl der Anlass offiziell ein ganz anderer war. Es war der "Tag der Stadt Grosny". In der einst von zwei Kriegen geschundenen Stadt hat Kadyrow ein neues Geschäfts-, Hotel- und Einkaufszentrum namens "Grosny City" bauen lassen, das genau an dessen Geburtstag eröffnet wurde.

Es war ein außergewöhnliches Fest, denn es ist bisher eher selten vorgekommen, dass sich der Sänger Seal (in schwarzem T-Shirt), die Geigerin Vanessa Mae, Kevin Costner, Jean-Claude van Damme (in schwarzem Hemd und mit sehr dunkler Brille) und eben Hilary Swank bei der Eröffnung eines Geschäfts- und Einkaufsviertels sehen lassen, das nicht in Mailand oder Nizza liegt. Sondern in Tschetschenien.

Shakira war zunächst auch zu der PR-Show eingeladen, aber sie verzichtete, wobei der Grund unklar blieb. Kadyrow sagte, aus Sicherheitsgründen, nachdem sie von einer Menschenrechtlerin gewarnt worden sei. Shakira ließ twittern, sie habe eine Teilnahme nie vorgehabt. Vielleicht haben sich ihre Berater an den brasilianischen Fußballer Rai erinnert, der auch einmal für viel Geld zu einem Benefiz-Kick nach Grosny gekommen ist. Später war ihm der Termin eher unangenehm. "Es war eine große Dummheit", sagte er, "ich schäme mich".

Allein Vanessa Mae soll für ihren Auftritt 500.000 Dollar erhalten haben. Als auf der Pressekonferenz in Grosny ein russischer Journalist fragte, wer das Geld für diesen Abend aufbringe, da antwortete Kadyrow: "Allah gibt es."

Der russische Internetdienst newsru.com hat noch eine weitere Antwort. Tschetschenien sei die Region in Russland, die das meiste Geld aus der Moskauer Zentrale bekommt. Bis 2025 soll Grosny sogar um mehr als zehn Milliarden Euro gebeten haben. Der russischen Regierung ist es sehr recht, wenn der Eindruck entsteht, der Kaukasus sei wieder friedlich und blühe.

Auch Fußballspieler wie Lothar Matthäus, Diego Maradona und Luis Figo zeigten sich zuletzt in Grosny. Mit seiner Show durfte Tschetscheniens Oberhaupt Kadyrow nun vor den Augen der russischen Bevölkerung an seinem Ruf arbeiten. Die Eröffnung von Grosny City wurde live im russischen Fernsehen übertragen, und der gut gelaunte Kadyrow war sehr oft im Bild.