Partnerschaft Die Zahl der Scheidungen ist erneut gesunken

Die Zahl der Eheschließungen geht zwar zurück, dafür ist aber die Qualität der Beziehungen gestiegen.

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Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 153500 Ehen geschieden, das sind knapp 5,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Institution Ehe lebt also. Was sind die Gründe?

Von Violetta Simon

Die Ehe steht gewaltig unter Druck. Ständig diese Verlockungen, im Internet und in der Realität. Außerdem halten viele ihre Existenz für überflüssig, was sie noch bedrohter erscheinen lässt. Wenn Brautpaare sich allen Ängsten zum Trotz doch trauen, wird die Eheschließung entsprechend pompös inszeniert - ähnlich dem Pfeifen im Walde. Dabei gibt es, nüchtern betrachtet, gar keinen Grund zur Besorgnis: Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 153 500 Ehen geschieden, das sind knapp 5,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Scheidungen ist damit so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Was genau bedeutet das? Die Menschen heiraten nicht mehr so oft: Waren es 1950 noch 750 000 Ehen, gaben sich 2015 nur 400 000 das Jawort. Zudem heiraten sie später. Das heißt, die Brautpaare sind bei der Eheschließung älter - Frauen im Durchschnitt 31,5 und Männer 34 Jahre. Sie leben außerdem zuvor länger ohne Trauschein zusammen. "Daraus kann man schließen, dass heute vor allem die Paare heiraten, denen eine Ehe wichtig ist", sagt Evelyn Grünheid, Forschungsdirektorin des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden. Was wiederum bedeutet: Die Zahl der Eheschließungen geht zwar zurück, dafür ist die Qualität der Beziehungen gestiegen.

Die zweite Erkenntnis: Frauen müssen nicht mehr heiraten. Sie wollen. Das gilt auch für die Scheidung: 51,5 Prozent der Scheidungsanträge wurden von Frauen eingereicht. Zum einen ist es gesellschaftlich akzeptiert. Zum anderen begegnen sich Mann und Frau inzwischen auf Augenhöhe. "Auch wenn der Mann nach wie vor der Ältere ist - die Ehen sind bildungshomogener", sagt Marina Hennig, Professorin für Familiensoziologie an der Universität Mainz. Die ökonomische Unabhängigkeit der Frauen hat die Bedeutung des Mannes in seiner Rolle als Ernährer geschwächt. "Frauen haben mehr Selbstbewusstsein, stellen eigene Ansprüche an das Leben und die Partnerschaft", sagt die Familiensoziologin. Und wenn sich diese Ansprüche nicht erfüllen? "Reichen sie die Scheidung ein."

Den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zufolge wurden am häufigsten jene Ehen geschieden, die im Jahr 2011 geschlossen wurden, also nach einer Dauer von sechs Jahren. Das heißt nicht, dass das sogenannte verflixte siebte Jahr vorgezogen wurde, das Risiko besteht schon früher. "Die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung ist nach vier bis sieben Jahren am höchsten", sagt Familiensoziologin Hennig. "Nach vier Jahren ist die Honeymoon-Phase beendet, dann beginnt der Alltag und die Realität drängt sich in den Vordergrund." Auch in nichtehelichen Gemeinschaften kommt es in dieser Zeit häufig zu Trennungen.

Wer diese Phase jedoch übersteht, hat allen Grund zum Optimismus. Laut Statistik dauert es durchschnittlich 15 Jahre bis zur Scheidung. Statt das Ende zu fürchten, sollte man auf die Zeit sehen, die man gemeinsam genießen durfte: Etwa 17,5 Prozent aller geschiedenen Paare, nämlich 27 000, waren bereits mindestens 25 Jahre verheiratet, bevor sie ihrer Ehe ein Ende setzten. "Im Alter wird der Partner die wichtigste Bezugsperson", sagt Hennig. Im Alter wird auch die Chance auf einen neuen Partner geringer. Und je höher die Barriere, desto geringer die Bereitschaft, die Scheidung einzureichen.