Paris: Mord an Juden Lebenslang für Chef der "Barbarenbande"

Tagelang folterte die "Bande der Barbaren" einen jungen Juden zu Tode. Der Anführer der Gang wurde zu lebenslanger Haft verurteilt - dabei verhöhnte er das Gericht.

Youssouf Fofana klatscht leise höhnisch Beifall, als das erwartete Urteil verkündet wurde. Dass er lebenslang hinter Gitter soll, scheint den selbsternannten Chef der Vorstadt-Gang der "Barbaren" nicht zu rühren. "Lieber einen Tag als Löwe leben als 100 Tage als Schaf", schleudert Fofana den Richtern im Prozess entgegen.

Und er bekennt sich trotzig dazu, den jungen Telefonverkäufer Ilan Halimi als Juden entführt, gefoltert und grausam ermordet zu haben. "Ich heiße Arabs: Africain révolté armée barbare salafiste", erklärte Fofana den Richtern. "Ich wurde am 13. Februar 2006 in Saint-Genevieve-des-Bois geboren."

An jenem Datum war Halimi nackt und voller Brand- und Stichwunden sterbend an einem Bahndamm in dem Pariser Vorort gefunden worden. Fofana selbst hatte nach eigenem Geständnis Halimi die tödlichen Wunden zugefügt und ihn mit einem Brandbeschleuniger überschüttet und angesteckt. Halimi war auf dem Weg ins Krankenhaus voller Qualen gestorben.

Ob der Mord von vornherein geplant war, ist nicht sicher zu sagen. Wahrscheinlich lief den jungen Tätern die Entwicklung aus dem Ruder. Fofana und seine Bande der "Barbaren" hatten 450.000 Euro erpressen wollen. Sie hatten einen Juden ausgesucht, weil sie glaubten, Juden seien reich und die jüdische Gemeinde würde sich solidarisch zeigen und das Lösegeld zusammentragen. Vor Halimi hatte Fofana sieben andere potenzielle Opfer ausgesucht.

Vor Gericht zeigte sich nur Fofana offen judenfeindlich. Er redete dabei zeitweise arabisch und trug Hemden mit Afrika-Aufdruck. Die übrigen "Barbaren" hätten einzig aus Geldgier gehandelt, sagten Anwälte. Obwohl auch sie kaltblütig und teilweise äußerst brutal vorgingen.

So wie Yalda, der Lockvogel, oder Zigo, der Kerkermeister. Bis zum Ende hielten sich die "Barbaren" die Treue und schwiegen zu allem, was nicht zu beweisen war. So bleibt die Identität zweier Entführer unbekannt. "Der einzige Angeklagte, der bei den Ermittlungen geredet hat, ist verfemt. Niemand hat mit ihm auf der Anklagebank geredet", sagte der Verteidiger Romain Boulet dem Parisien. Sein Mandant habe geschwiegen, weil er gemeint habe, die Aufklärung sei Sache der Polizei.

"Er hat auch gesagt, dass er sich und seine Familie in Gefahr bringen würde, wenn er reden würde." Am meisten hat viele erschüttert, dass so viele Menschen aus dem Einwanderermilieu in der Sozialsiedlung offenbar von der Entführung wussten und schwiegen. "In der Cité ist eine Entführung nicht schlimm", sagt Boulet. "Ilan musste sterben, damit die Angeklagten die Sache ernst nehmen."

"Das Gesetz des Schweigens"

Und viele halfen mit. Der Hausmeister gab den Schlüssel für den Keller, Nachbarn halfen als Aufseher: Am Ende wurden 25 Angeklagte als aktive oder passive Täter verurteilt. Während Fofana im Gerichtssaal mit Schuhen warf und wirre Sprüche über Allah und Afrika von sich gab, brachte Halimis Mutter Würde in das Verfahren. Sie ließ sich nicht provozieren und konfrontierte die Angeklagten mit der Schwere ihrer Tat. Am Ende äußerten mehrere Angeklagte ihr Bedauern und einer gestand gar seine "Schande" ein.

Doch ihren Wunsch, den Prozess als pädagogische Bühne zu nutzen, konnte Halimis Mutter nicht durchsetzen. Yalda und Zigo setzten durch, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, weil sie zur Tatzeit erst 17 waren. "Zwei Minderjährige haben 25 Volljährige als Geiseln genommen, indem sie allen eine begrenzte Öffentlichkeit der Debatte aufzwangen", erklärte ihr Anwalt Francis Spiner. "Das Gesetz des Schweigens hat Ilan Halimi getötet. Es ist bedauerlich, dass die Justiz das fortsetzt."

Szpiner fordert einen neuen Prozess, weil einige Angeklagte zu gut davongekommen seien. So bekam die auch "Emma" genannt Yalda neun Jahre; der Staatsanwalt hatte bis zu zwölf Jahre gefordert. "Ich bin zufrieden. Emma wird bald draußen sein", sagte eine Freundin der Verbrecherin dem Figaro nach dem Urteil. Und ein anderer Kumpel erklärte: "Viele haben sich doch nur reinziehen lassen. Das hätte auch mir passieren können."