Parfümeur über den neuen Papst-Duft "Ein Holzduft wäre passender"

Der Papst duftet bald nicht nur nach Weihrauch, sondern unter anderem nach frischem Gras: Benedikt XVI. hat sich ein eigenes Parfum kreieren lassen. Lutz Lehmann, Parfumeur aus Berlin, erklärt, was diese Duftmischung über das Kirchenoberhaupt verrät - und welchen Duft er empfohlen hätte.

Interview: Sophia Lindsey

Zu seinem 85. Geburtstag gönnt sich Papst Benedikt XVI. ein eigenes Parfüm - dessen genaue Bestandteile geheim bleiben sollen und das nicht weiterverkauft werden darf. Einige Zutaten hat Herstellerin Silvana Casoli aber verraten. Der Berliner Parfümeur Lutz Lehmann erklärt nun, was sie über den Papst aussagen. Lehmann enstammt einer Parfümeursfamilie, die bereits seit drei Generationen das Handwerk der Düfte ausübt.

Süddeutsche.de: Herr Lehmann, wenn Sie Linde, Eisenkraut und Gras riechen - was für eine Person stellen Sie sich dann vor?

Lutz Lehmann: Das erste Problem ist, dass Linde ein sehr süßer Duft ist. Den würde ich eigentlich eher einer Dame empfehlen und nicht einem Herrn. Eisenkraut ist gar nicht erlaubt in einem Parfüm, das wäre das zweite Problem. Gras ist in Ordnung.

Süddeutsche.de: Eisenkraut ist verboten?

Lehmann: Ja, denn es enthält Giftstoffe. Zwar nur minimal, aber zu viele, als dass wir es verwenden dürften.

Süddeutsche.de: Vielleicht macht man ja für den Papst eine Ausnahme ...

Lehmann: Möglicherweise ist das auch im Vatikanstaat anders. Der gehört ja nicht zur EU und es kann natürlich sein, dass das dort erlaubt ist.

Süddeutsche.de: Was sagen diese Duftstoffe über den Papst aus?

Lehmann: Die würden sicherlich die Persönlichkeit des Papstes unterstreichen, wenn tatsächlich dieser grüne Grasstoff dominiert. Dann würde der Papst irgendwie einen jüngeren Eindruck machen durch diese Frische des grünen Grases.

Süddeutsche.de: Sollte der Papst nicht eigentlich ein Parfüm tragen, das nach Weihrauch und Myrrhe duftet? Ein katholisches Parfüm sozusagen?

Lehmann: Das ist natürlich in der Kirche zu riechen und für den Wiedererkennungswert wäre es natürlich gut, einen solchen Duft zu haben. Aber ob der Papst das jetzt auch noch benutzen muss, weiß ich nicht.

Süddeutsche.de: Hätten Sie sich denn gefreut über den Auftrag, ein Parfüm für den Papst zu kreieren?

Lehmann: Ja, natürlich! Das wäre eine große Ehre, ohne Frage.

Süddeutsche.de: Welche Duftstoffe hätten Sie gewählt?

Lehmann: Ich hätte eher einen Holzduft gewählt. Zum Alter des Papstes würde ein gedeckter Duft besser passen. Ein Holzduft ist warm, weich und ausgleichend, während das Grüne ein bisschen aggressiver ist. Das passt eigentlich nicht so sehr zu einem Papst, da hat man andere Vorstellungen.

Süddeutsche.de: Und als Flakon nimmt man dann eine Marienfigur.

Lehmann: Das fände ich extrem unpassend. Ich würde da einen ganz schlichten, quadratischen oder hochkantigen Flakon nehmen, aber keine Marienfigur.

Süddeutsche.de: Handgelenk oder Hals - wo sollte Benedikt XVI. das Parfüm aufsprühen?

Lehmann: Bei einem starken Parfüm würde es ausreichen, am Handgelenk einmal links und einmal rechts zu sprühen. Wenn es sich um eine schwächere Version handelt, dann sollte man ein bisschen mehr auftragen. Dann kann man bis zu sechsmal sprühen auf die Handgelenke und Kniegelenke und hinter die Ohren.

Süddeutsche.de: Wäre so ein Papst-Parfüm ein kommerzieller Erfolg? Wollen die Leute riechen wie der Papst?

Lehmann: Ja, ganz sicher. Das würde ein Renner werden.