Papstbesuch in Turin Franziskus bittet italienische Protestanten um Vergebung

Als Hexen und Magier hat die katholische Kirche sie im Mittelalter verfolgt: Jetzt hat sich Papst Franziskus offiziell bei der Gemeinschaft der Waldenser entschuldigt. In einer spontanen Rede wetterte er außerdem gegen die Waffenindustrie.

Franziskus bittet Protestanten um Verzeihung

Papst Franziskus hat sich bei einem Besuch in Turin dafür entschuldigt, dass die katholische Kirche im Mittelalter die Protestanten in der Region verfolgt hat. "Von Seiten der katholischen Kirche bitte ich Euch um Vergebung für unchristliche, ja sogar unmenschliche Verhaltensweisen, die wir Euch gegenüber in der Vergangenheit an den Tag gelegt haben", sagte das Oberhaupt der Katholiken in einer Waldenser-Kirche in Turin. Er sei zutiefst dankbar, dass die Beziehungen zwischen Katholiken und Waldensern mittlerweile von Respekt und Barmherzigkeit geprägt seien. Dies wecke Hoffnungen auf "volle und sichtbare Einheit" unter den Christen.

"Ihr wisst, was Krieg bedeutet. Ihr habt es hier erlebt."

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Die Religionsgruppe der Waldenser, die im 12. Jahrhundert gegründet wurde und damit eine der ersten Reformationsbewegungen gegen die katholische Kirche darstellt, hat weltweit knapp 100 000 Mitglieder, etwa die Hälfte davon in Italien. Im Mittelalter wurden die Waldenser aus der Kirche ausgeschlossen und als Ketzer verfolgt.

"Wenn wir über unsere Geschichte nachdenken, können wir nicht anders, als traurig werden angesichts der Konflikte und der Gewalt, die im Namen des eigenen Glaubens verübt wurden", sagte Franziskus.

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Christliche Waffenproduzenten sind Heuchler

Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte seinen zweitägigen Besuchin der Stadt im Piemont am Sonntag mit einer Besichtigung des Turiner Grabtuchs begonnen. Bei einer Begegnung mit Jugendlichen kritisierte der Pontifex die Waffenindustrie und erklärte, wer daran beteiligt sei, dürfe sich nicht als Christ bezeichnen.

Die Äußerung fiel offenbar spontan. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge legte der Papst seine vorbereitete Rede beiseite und sprach frei über Krieg, Vertrauen und Politik. Auch Christen, die in die Waffenindustrie investieren, kritisierte er stark: "Doppelzüngigkeit ist heutzutage die Währung. Sie sagen eine Sache und tun dann aber eine andere."

Immer wieder hat der Papst in der Vergangeheit die Waffenindustrie scharf angegriffen. Vergangenen September erst sagte er "die Geschäftemacher des Krieges" verdienten viel Geld und hätten durch "ein verdorbenes Herz" das Weinen über den Krieg verloren.

Treffen mit Verwandten

Am Nachmittag beendet Franziskus seinen Besuch in Norditalien mit einem Treffen mit Verwandten. Der Argentinier hat piemontesische Vorfahren, seine Großeltern waren nach Buenos Aires ausgewandert. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit kommt der Papst mit sechs seiner Cousins und deren Familien zusammen, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Vize-Sprecher des Vatikans, Ciro Benedettini berichtete. Demnach sagte Franziskus, der Besuch in Turin sei für ihn wie "eine Rückkehr nach Hause". Am Abend soll der Pontifex zurück nach Rom fliegen.