Papst-Rede zur Abtreibung Franziskus' Signal an die Konservativen

Papst Franziskus (hier ein Archivbild) positioniert sich mit scharfen Worten gegen die Abtreibung.

Noch im September hat der Papst gesagt, die katholische Kirche sei zu sehr auf das Thema "Abtreibung" fixiert. Doch jetzt redet er von einer "Wegwerfkultur", in der menschliche Wesen wie "Gebrauchsgegenstände entsorgt" werden.

Mit drastischen Worten hat Papst Franziskus die ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur Abtreibung verdeutlicht und Schwangerschaftsabbrüche als gesellschaftlichen Werteverfall gegeißelt. "Häufig werden menschliche Wesen wie nicht mehr benötigte Gebrauchsgegenstände entsorgt", sagte das Kirchenoberhaupt in seiner ersten Ansprache an das Diplomatenkorps des Vatikans. "Allein schon der Gedanke, dass Kinder als Abtreibungsopfer niemals das Licht der Welt erblicken werden, lässt mich schaudern", so Franziskus.

Diese drastischen Worten stehen in Kontrast zu einem Interview, das der Papst in einem italienischen Jesuitenmagazin gegeben hatte. Damals sagte er, die katholische Kirche müsse ihre "Besessenheit" bei Themen wie Abtreibung, Empfängnisverhütung und Homosexualität ablegen. Mögliche Zweifel an seiner Haltung zur Abtreibung hatte der Papst schon Ende November in einem Apostolischen Schreiben ausgeräumt. In dem Dokument mit dem Titel "Evangelii Gaudium" (Freude des Evangeliums) sprach sich der Pontifex damals zwar für Reformen "auf allen Ebenen" der Kirche aus, unterstrich hinsichtlich der Abtreibung aber auch, niemand dürfe "erwarten, dass die Kirche ihre Position zu dieser Frage ändert".

Der Papst, der für einen Reformkurs und für eine Erneuerung der Kirche steht, reagierte damit auf konservative Stimmen, die eine Klarstellung zu dem Thema gefordert hatten.

Auch die Ernennung des deutschen Erzbischofs Ludwig Müller, der im Vatikan der engste Vertraute des alten Papstes Benedikt XVI. war, lässt sich als Signal an die Traditionalisten interpretieren.

Müller gilt als streng und konservativ - als Bischof von Regensburg war er durchaus umstritten. Scharfe Kritik gab es, als das Bistum einen Pädophilen erneut als Seelsorger einsetzte. Die Prügel-Vorwürfe gegen seinen damaligen Augsburger Kollegen Walter Mixa bezeichnete Müller im Jahr 2010 als "nicht so gravierend". Für Widerspruch sorgten auch seine Aussagen zu der Amtsführung des Limburgers Bischofs. Die Vorwürfe gegen Tebartz-van Elst seien eine "Erfindung von Journalisten" und der Kirchenmann Opfer einer Medienkampagne.

Den von ihm neu benannten Kardinälen der katholischen Kirche hat Franziskus einen Rat mitgegeben: Die Würdenträger sollten "Weltlichkeit" und Partys meiden und ein "einfaches und demütiges Herz" behalten, hieß es in einem vom Vatikan veröffentlichten Schreiben. Das Kardinalsamt sei keine "Beförderun, Ehre oder Auszeichnung", erklärte Franziskus. "Es ist einfach ein Dienst, der eine weitere Sicht und ein größeres Herz verlangt."

Die Kardinäle, deren Namen am Sonntag bekanntgegeben worden waren und zu denen der deutsche Erzbischof Gerhard Ludwig Müller gehört, sollten dem Beispiel Jesu auf dem "Weg der Demut" folgen, schreibt der Papst weiter. Das neue Amt solle mit Begeisterung und Freude angenommen werden. "Aber stellt sicher, dass dieses Gefühl weit weg ist von jeder Weltlichkeit; jede Feier ist dem evangelikalen Geist von Entbehrung, Ernst und Armut fremd", so das Oberhaupt der katholischen Kirche an die neuen Kardinäle gerichtet.