Papst-Nachfolge Missbrauchsopfer veröffentlichen schwarze Liste der Kardinäle

Sie beschuldigen aussichtsreiche Papst-Kandidaten, sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche vertuscht und verharmlost zu haben: Eine Gruppe von Missbrauchsopfern veröffentlicht eine Liste, mit der sie zwölf Teilnehmern des Konklaves schwere Vorwürfe macht.

Peter Turkson, Tarcisio Bertone, Timothy Dolan: Mit einer schwarzen Liste erhebt eine Gruppe von Missbrauchsopfern schwere Vorwürfe gegen mehrere Kardinäle, die als aussichtsreiche Kandidaten für das Papst-Amt gelten. Die US-Organisation Snap (Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester) wirft zwölf Teilnehmern des Konklaves verharmlosende Äußerungen zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche vor. Außerdem hätten sie pädophile Geistliche geschützt.

Die katholischen Prälaten müssten "aufhören zu behaupten, dass mit Blick auf sexuellen Missbrauch durch Kleriker das Schlimmste vorüber ist", fordert Snap-Vorstand David Clohessy. Die ganze Wahrheit über den "weit verbreiteten, lang dauernden und tief verwurzelten" Missbrauch müsse in vielen Ländern erst noch aufgedeckt werden.

Vorwürfe gegen Kardinäle aus mehreren Ländern

Der als aussichtsreicher Kandidat für den Heiligen Stuhl geführte Kardinal Peter Turkson aus Ghana wurde wegen seiner Behauptung auf die schwarze Liste gesetzt, es gebe nur wenig Kindesmissbrauch durch Kleriker in Afrika, weil Homosexualität dort nicht toleriert werde. Kardinal Dominik Duka aus Tschechien wurde für seine Äußerung kritisiert, nur zehn Prozent der Vorwürfe gegen Priester seien bewiesen.

Kardinal Tarcisio Bertone aus Italien kam auf die Liste, weil er die hohe Zahl von Fällen des sexuellen Kindesmissbrauchs auf eine "homosexuelle Infiltration" des Klerus zurückführte. Drei US-Bischöfe, darunter der New Yorker Bischof Dolan, wurden auf die Liste gesetzt, weil sie Gemeindemitglieder nicht vor bekannten Kinderschändern schützten und Reformbemühungen unterliefen. Auf der Liste stehen zudem Kardinäle aus Mexiko, Honduras, Australien, Kanada und Argentinien.

Zudem sprach sich die US-Organisation gegen die Wahl eines Mitglieds der römischen Kurie zum neuen Papst aus. "Nach unserer Überzeugung hat kein derzeitiger Vatikan-'Insider' den Willen, wirklich reinen Tisch im Vatikan oder anderswo zu machen", sagte Snap-Vorstand Clohessy.

Wer Benedikt XVI. nachfolgen könnte

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"Snap hat wenig bis keine Glaubwürdigkeit"

Der Sprecher Timothy Dolans sagte dem Nachrichtensender CNN, er werde nicht auf die Liste der Gruppe reagieren, "die wenig bis keine Glaubwürdigkeit hat". Vatikansprecher Federico Lombardi sagte demnach: "Wir glauben, es ist nicht Sache von Snap, zu entscheiden, wer zum Konklave kommt und wer gewählt wird. Die Kardinäle können selbst entscheiden, ohne Snap um Rat zu fragen."

Beim Konklave entscheiden vorraussichtlich 115 Kardinäle, wer dem zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. als Oberhaupt der katholischen Kirche nachfolgt. Wann das Konklave beginnt, soll sich in diesen Tagen entscheiden.