Papst Benedikt XVI. "Viva il papa!"

Pompöse Feier mit "Benedetto": Benedikt XVI. präsentiert sich zum ersten Mal seit seiner Rücktrittsankündigung der Öffentlichkeit und feiert gleichzeitig seinen letzten großen Gottesdienst. Die Strapazen der letzten Zeit sind ihm anzusehen, die Gläubigen bejubeln ihn umso mehr.

Papst Benedikt XVI. hat sich am Mittwoch in Rom bei zwei öffentlichen Veranstaltungen von zahlreichen Gläubigen verabschiedet. Bei einer seiner letzten Generalaudienzen vor seinem angekündigten Rücktritt bedankte er sich bei den Katholiken in aller Welt für ihre Unterstützung.

Der 85-jährige Heilige Vater wirkte bei seinen beiden Auftritten müde, aber auch aufmerksam und sehr bewegt. Bei der Generalaudienz unterbrach die versammelte Menge das Oberhaupt der katholischen Kirche mehrfach - und rief "Benedetto, Benedetto" oder "Viva il papa!".

Der Papst forderte die Menschen auf, "für mich, für die Kirche und den künftigen Papst" zu beten. "Ich danke euch für die Liebe und die Gebete, die mich in den vergangenen schwierigen Tagen begleitet haben." Das Kirchenoberhaupt betonte, die Entscheidung zum Rücktritt aus freien Stücken und "zum Wohl der Kirche" getroffen zu haben.

Benedikt, der sich während der wöchentlichen Generalaudienz auf neun Sprachen äußerte, ging vor den Gläubigen auf die Krise der katholischen Kirche ein: "Die aktuelle Gesellschaft unterwirft den Christen vielen Prüfungen, die sein persönliches und soziales Leben betreffen." Am Ende der Audienz sprach der Papst mit vielen Besuchern.

Die Aschermittwochsmesse am Abend war die letzte große Messe, die Benedikt als Kirchenoberhaupt leitete. Auch dort ging der Papst auf den Zustand der katholischen Kirche ein. Er wandte sich gegen "religiöse Heuchelei" und forderte ein Ende von "Individualismus und Wetteifer". "Das Gesicht der Kirche wird manchmal von Sünden gegen die Einheit der Kirche und Spaltung zwischen den Geistlichen geschädigt", beklagte der Benedikt XVI. Dabei werde das "Zeugnis" der Kirche "umso bedeutsamer sein, umso weniger wir unseren Ruhm suchen".

In einem Schlusswort für die Messe sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, angesichts des angekündigten Papst-Rücktritts liege "ein Schleier der Traurigkeit auf unserem Herzen". Es sei aber "die Liebe zu Gott und der Kirche", die zu der Entscheidung Benedikts XVI. geführt habe.

Die Gläubigen im Petersdom jubelten dem Papst nach dem Gottesdienst zu: "Es lebe der Papst", schallte durch den Petersdom. Benedikt konnte den Applaus nur für kurze Zeit unterbrechen, indem er die Anwesenden aufforderte: "Kehren wir zurück zum Gebet!" Am Ende der Messe zog das Kirchenoberhaupt, das seinen überraschenden Rücktritt am Montag mit seinem hohen Alter begründet hatte, auf einer rollenden Plattform aus der Kirche aus - lächelnd.