Italien verehrt Pater Pio. Nun schürt ein Buch neue Zweifel an den angeblichen Wundertaten des Mönchs.
Das Schöne ist, dass sich nichts ändern wird. Wer glauben will, der glaubt. Und auch wer nicht glauben will, der hält es weiter wie bisher. Nur, dass sich Sergio Luzzatto ein paar Feinde mehr gemacht hat. Nebenbei schrieb der Historiker italienische Geschichte. Und das ist, wenn Padre Pio das Objekt der Forschung ist, nicht ganz so einfach.
Kapuzinermönch Padre Pio liegt in der Rangliste der italienischen Gläubigen noch vor der Mutter Gottes und Jesus Christus. (© Foto: AP)
Anzeige
Padre Pio ist überall in Italien. Das Land ist voll von Heiligenbildern des stigmatisierten Kapuzinermönchs, der 1887 als armer Bauernsohn in Kampanien geboren wurde und 1968 als populärer Wunderheiler starb. In unzähligen italienischen Geldbeuteln lagert sein Bildchen; Aufkleber, Anhänger und Aschenbecher werden im ganzen Land und besonders im wundergläubigen Süden von seinem weißbärtigen Konterfei geziert.
Padre Pios Wirkungsstätte, San Giovanni Rotondo in der Nähe von Foggia in Apulien, ist das meistbesuchte Pilgerzentrum in Europa. Sieben Millionen Menschen jährlich pilgern auf seinen Spuren, mehr als nach Lourdes. Nach Plänen des Star-Architekten Renzo Piano haben die Pio-Brüder 2004 am Wallfahrtsort eine riesige Kirche errichten lassen, längst ist Padre Pio auch ein enormer Wirtschaftsfaktor in der Region. Ob Ministerpräsidenten, Fußballstars oder arme Teufel, alle verehren sie ihn.
Üble Vorwürfe
Doch nun hat sich der 44-jährige Historiker Sergio Luzzatto, der an der Universität Turin moderne Geschichte lehrt, eingehend mit Pio beschäftigt und damit den Ruf des Paters ernsthaft in Gefahr gebracht. Luzzato hat jahrelang in Archiven geforscht und dabei gleich mehrere interessante Entdeckungen gemacht, aber alle reden sie jetzt nur noch über die Sache mit dem Säure-Schwindel.
Der Legende nach hat Padre Pio nämlich nicht nur eine ganze Reihe unheilbar Kranker zurück ins Leben geholt und bei seinen Wundertaten Veilchenduft verströmt. Nein, er soll der erste stigmatisierte Pater der christlichen Geschichte nach dem heiligen Franziskus gewesen sein, gezeichnet von den fünf Wundmalen, die auch Jesus Christus trug.
Um seine Stigmata an den Händen zu verbergen, streifte Pio, der Fromme, stets dunkle Handschuhe über, die er aber aus liturgischen Gründen während der Messe ablegen musste. Dann konnten die Betenden seine vernarbten Handflächen sehen. Zuweilen sollen sogar Tropfen von Blut aus ihnen geflossen sein.
Enges Verhältnis zur örtlichen Apotheke
Doch wie Luzzatto in seinem vor wenigen Tagen in Italien erschienenen Buch "Padre Pio - Wunder und Politik im Italien des 20. Jahrhunderts" nachweist, pflegte der fromme Bruder ein enges Verhältnis zur örtlichen Apotheke, in der er mehrmals um ätzende Säure bat. Tatsächlich zur Desinfektion von Kranken und Anästhesiespritzen, wie seine Verteidiger beteuern? Oder half der Kapuzinermönch seinem Mythos nach, indem er sich schlicht die Handflächen verätzte?
Luzzattos brisante Entdeckungen jedenfalls rütteln an den Grundfesten des populären Katholizismus. Eine Umfrage unter den Lesern der katholischen Zeitschrift Famiglia Christiana etwa hat ergeben, dass die meisten italienischen Gläubigen zu Padre Pio beten, er liegt in der Rangliste weit vor der Mutter Gottes und Jesus Christus. "Ohne die Stigmata wäre das nicht möglich", behauptet Luzzatto im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.
Ob die Wundmale aber wahr oder falsch seien, darauf komme es ihm gar nicht an. "Ein Historiker ist kein Richter." Für Luzzatto ist der Mythos um den Kapuzinermönch "eine Parabel für die Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert". Zur Fortsetzung dieser Geschichte gehören wohl auch die Anfeindungen, die Luzzatto hinnehmen musste, ohne dass irgendjemand sich das mehr als 400 Seiten starke Buch schon vollständig angesehen hatte.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
es geht ein Spruch von Alters her, wer Sorgen hat ,hat auch Likör, könnte man mit der frommen Helene seufzen: "Oh, Pio(Filu), Pio(filu)zius" !
die Bildzeitung hätte wenigstens ein Fragezeichen hinter diese Schlagzeile gesetzt.
Pater Pio hat sehr viel Gutes vollbracht und er hilft auch heute noch Menschen die an Ihn glauben.
Er hat auch ein Krankenhaus ins Leben gerufen.
Kann es nicht sein, dass er diese Stoffe für die Patienten bzw. Geräte benötigt hat?
Ich wünsche dem Autor des Buches, viel Spass mit dem Geld, das er durch diese nicht beweisbaren Behauptungen verdient.
Personae non gratae- am besten totschweigen , Verbrennen geht ja (leider) nicht mehr. Wie den genialen Giordano Bruno (Im Namen des Herr und unter senien Kreuz !) Mit Hilfe der Inquisition , von der der heutige "Stellvertreter des Herrn auf Erden" sagt, sie sei ein Fortschritt gewesen : "habe doch erstmals ein Gerichtsverfahren stattgefunden" ! Kann man sowas fassen?
(Wie die Unverfrorenheit ,"Unserem Herrgott " soviel Gleichgültigkeit und Stumpfsinn zuzutrauen ,Millionen Unschuldiger auf den Scheiterhaufen lodern zu lassen dazu in seinem Namen .Um danach zur Erlösung dieser ungeheuerlichen Sünder seinen Erstgeborenen am Kreuz zu opfern. Wo doch "sein großer Zeigefinger einmal allen unter Wolke 7 " ansichtig dem ganzen klerikalen Blödsinn ein Ende bereitet hätte ?) Einem Spinoza kann man folgen, einem Ockham (mit dem Rasiermesser) auch, für einen Benediktus kann man nur beten!
richtig! Wir sind uns völlig einig!
Dumm, roh und ungebildet wie der gemeine steingraue Erdlurch lebt es sich mit Abstand am besten.
Nur von 'Aufklärung' quakende Erdlurche sind dann doch etwas hybride Geschöpfe, nicht wahr?
Beides macht heiden Spass.
Das erlaubt die christlichen Religion ihren Schäfchen nicht, was bleibt denen da anderes als zu versuchen, es allen anderen auch zu vermiesen.
Paging