Auch wenn sie durch das der Mafia zugeschriebene Massaker von Duisburg italienische Banden ins Blickfeld geraten sind: An der Spitze der Organisierten Kriminalität stehen andere Nationalitäten.

Italienische Banden nehmen bei der Organisierten Kriminalität (OK) in Deutschland erst die fünfte Stelle ein. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten "Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2006" des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden hervor. Weitere herausragende Fakten: Der Schäden durch OK haben sich ebenso wie die Gewinne der Banden praktisch verdoppelt.

Organisierte Kriminalität Waffenfund; dpa Bild vergrößern

Organisierte Kriminalität: Die Gewerkschaft der Polizeit warnt vor dem Vormarsch von Banden. (© Foto: dpa)

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Die Zahl der Ermittlungsverfahren dagegen sank um 4,3 Prozent. Mit 1,36 Milliarden Euro gibt das BKA die Schäden durch OK an, 97,7 Prozent mehr als 2005. Die Gewinne explodierten regelrecht, der Anstieg betrug 113,8 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Allerdings sind zwei große Fälle von Wirtschaftskriminalität allein für einen großen Teil dieser Summen verantwortlich.

Deutsche Banden hätten mit 1,4 Milliarden Euro vor allem durch Wirtschaftsdelikte wie im Vorjahr die höchsten Gewinne erwirtschaftet. Die Polizeibehörden in Deutschland ermittelten im Jahr 2006 den Angaben des BKA zufolge gegen 622 Gruppierungen mit 10.244 Tatverdächtigen. Die meisten Verfahren gab es in Nordrhein-Westfalen (86), knapp vor Bayern (85) und Berlin (75).

Deutsche Staatsangehörige stellten mit 42,3 Prozent den größten Teil der Verdächtigen, allerdings hätten 16,8 Prozent der deutschen Verdächtigen ihren Geburtsort im Ausland, hauptsächlich in Russland, Kasachstan, Polen und der Türkei. Durchschnittlich umfasst eine der OK zugeordnete Gruppe 16 Mitglieder.

Es gibt nach den Angaben des BKA aber auch Großbanden. Neun Gruppierungen würden mehr als 100 Tatverdächtige zugeordnet, 31 Gruppierungen mehr als 50. Deutsche Kriminelle seien in 208 Banden bestimmend. Ihre Hauptgebiete seien der Schmuggel von Kokain und Cannabis, Wirtschaftskriminalität und Eigentumsdelikte.

Verbindungen zu Rockergruppen

In 18 Verfahren seien Verbindungen zu Rockergruppen festgestellt worden. In diesen Fällen seien Frauenhandel, Zuhälterei, Prostitution, Erpressung und Waffenhandel weitere Deliktschwerpunkte.

Den zweiten Platz in der Organisierten Kriminalität nehmen der Zusammenstellung zufolge 73 von Türken dominierte Banden ein. Ihre Gebiet sei vor allem der Heroinschmuggel und -handel, erklärte das BKA. 30 polnisch bestimmte Gruppen seien vor allem bei der Verschiebung gestohlener Autos in die Nachfolgestaaten der Sowjetunion und im Zigarettenschmuggel aktiv. Ebenfalls 30 russisch dominierte Gruppen seien auf allem möglichen Feldern aktiv.

Von den 26 italienisch bestimmten OK-Gruppierungen auf Platz 5 der Randfolge wiesen je fünf Bezüge zur Cosa Nostra (Sizilien) und zur 'Ndrangheta (Kalabrien) auf, drei zur Camorra (Neapel) und zwei zur kleineren sizilianischen Organisation Stidda. Hauptgebiete der italienischen Banden seien Kokainschmuggel und Autoverschiebungen.

Auf dem sechsten Platz folgen 25 Banden aus Serbien und Montenegro mit Schwerpunkten im Handel mit Kokain und Heroin. Nach Deliktgruppen lag 2006 der Rauschgifthandel und -schmuggel mit 35,2 Prozent auf Platz eins der Organisierten Kriminalität, gefolgt von Eigentumsdelikten (17 Prozent), vor allem Kfz-Diebstählen. Die dritte Stelle nahm mit 15,1 Prozent die Wirtschaftskriminalität ein.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, wertete den Rückgang der Zahl der Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität als Auswirkung des Abbaus von zehntausenden Stellen bei der Polizei in den vergangenen Jahren. Die brutalen Morde von Duisburg seien ein deutliches Signal, dass die OK-Gangster Deutschland als Bühne für ihre Verbrechen keineswegs verlassen hätten, meinte Freiberg in Berlin.

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