Solche Details gehörten nicht an die Öffentlichkeit, sagen nun Haiders Familie und Anwälte. Österreichische Medien aber sehen sie als ursächlich für den Unfall und den überraschenden Tod eines Landeshauptmanns. Haider galt schon lange als bisexuell, ohne dass er je sich selbst geoutet hätte. Die scheinbare Idylle mit Ehefrau Claudia und den beiden heute erwachsenen Töchtern im Kärntner Bärental wurde offiziell aufrechterhalten. Haiders Witwe zur neuen Spitzenkandidatin in Kärnten zu machen, war offenbar einer der Versuche, die Aufklärung post mortem zu unterlaufen. Claudia Haider hat aber offenbar weder Sinn für politische Spielchen noch für falsche Mythenbildung.

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So hat die Witwe eine weitere Obduktion beantragt, um Gerüchten die Grundlage zu entziehen. Verschwörungstheorien sagen, Haiders Wagen sei manipuliert worden, man habe ihm K.-o.-Tropfen verabreicht, er sei durch sogenannte Glückstropfen gefährlich euphorisch gewesen. Die Kärntner Behörden haben den eigenen Angaben nach keinerlei andere Rauschsubstanzen als Alkohol im Blut des Toten gefunden. Im Wagen selbst haben sich aber offenbar "Glückspillen" gefunden, ein frei verkäufliches Präparat, das stark stimmungsaufhellend wirkt. Möglicherweise war es auch private Anspannung, die Haider dem Vernehmen nach veranlasste, zwischenzeitlich psychologische Behandlung im Ausland in Anspruch zu nehmen.

Politisch gerierte sich die FPÖ, die Haider einst groß gemacht hat, lange strikt anti-homosexuell. Das wurde erst später modifiziert. Als endlich in der rechtsnationalen Koalition unter Wolfgang Schüssel der "Schutzalter-Paragraph" reformiert wurde, geschah dies auf Betreiben der Haider-Leute. Bis dahin waren sexuelle Kontakte mit Mädchen nur unter 14 Jahren, mit Jugendlichen und jungen Männern aber bis 18 Jahren strafbar. So konnte es kommen, dass bei einem Liebespaar, bei dem der eine 17 und der andere 19 Jahre alt war, der ältere eingesperrt wurde.

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(SZ vom 29.10.2008/grc)