Von Angelika Slavik

"Wir werden im Hudson landen" - "Sorry, wiederholen Sie, Kaktus": Die Aufzeichnungen des Funkverkehrs zeigen, was im Cockpit des Airbus' geschah, der in New York notwasserte.

Es rumpelt nur ein wenig, und dann ist es plötzlich völlig ruhig an Bord der US-Airways-Maschine, Flug 1549. Beide Triebwerke sind ausgefallen. Eine "schockierende Stille" wird Pilot Chesley Sullenberger das später nennen, aber vom Schock ist nichts zu hören, als der Flugkapitän mit ruhiger Stimme dem Lotsen am New Yorker Airport LaGuardia meldet: "Hier ist Kaktus 1549. Vogelschlag. Haben Schubkraft in beiden Triebwerken verloren. Kehren um nach LaGuardia."

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Stoische Ruhe: Pilot Chesley Sullenberger. (© Foto: Reuters)

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Am Donnerstag veröffentlichte die US- Flugsicherheitsbehörde die Aufzeichnungen des Funkverkehrs zwischen der Bodenkontrolle in New York und der Maschine, die Mitte Januar im Hudson River spektakulär notwasserte. Nur Minuten nach dem Start war das Flugzeug mit 155 Menschen an Bord in einen Vogelschwarm geraten, auch das bestätigten die Behörden am Donnerstag: In beiden Triebwerken der Unglücksmaschine wurden Reste von Vogelkörpern gefunden.

Kein Zittern ist in Sullenbergers Stimme zu hören - trotz der Dramatik der Ereignisse: Sekunden nach seinem Funkspruch verliert die Maschine massiv an Höhe. Am New Yorker Flughafen werden sofort alle Starts gestoppt, Bahnen freigemacht. Der Lotse bietet Sullenberger eine Landebahn an: "Wenn wir das hinkriegen, wollen Sie dann auf der 1-3 landen?" - "Schaffen wir nicht. Wir enden vielleicht im Hudson", antwortet der Pilot. Der Lotse probiert es wieder: "Kaktus 1549, wir räumen die 1-3 für Sie frei." Sullenberger, stoisch: "Schaffen wir nicht."

Die Ruhe in Person

Es werden Alternativen gesucht, der Lotse stellt Kontakt mit dem Flughafen Teterboro in New Jersey her, Sullenberger will jetzt eine Landung dort versuchen. Der Tower in Teterboro bietet Unterstützung an. Man einigt sich auf Landebahn eins, doch wenige Sekunden später erkennt Sullenberger, dass auch Teterboro unrealistisch ist. "Wir schaffen das nicht", gibt er wieder durch. - "Okay, welche Bahn wollen Sie in Teterboro?", fragt der Lotse noch einmal. Sullenberger: "Wir werden im Hudson landen." Am Flughafen will man das nicht glauben: "Sorry, wiederholen Sie, Kaktus", funkt der Lotse, doch Flug 1549 antwortet nicht mehr.

Das Angebot, in Newark zu landen, erreicht ihn nicht mehr. Kaum zwei Minuten sind seit der Meldung des Vogelschlages vergangen. Minuten später landet der frühere Kampfflieger Chesley Sullenberger den Airbus A320 sicher im Hudson.

Als alle Passagiere das Flugzeug verlassen haben, geht der Kapitän noch durch die Sitzreihen, kontrolliert, ob niemand zurückgeblieben ist. Dann stellt er sich auf die Tragflächen des Flugzeugs und wartet auf Hilfe. Ein Passagier fällt ihm um den Hals, auch das bringt Sullenberger nicht aus der Ruhe. Er sagt nur: "Gern geschehen."

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(SZ vom 06.02.2009/hai)