Einer von denen, die nun Antworten fordern, ist Sjak Haaheim. Der Rechtsanwalt vertritt 24 Menschen, die am 22. Juli Urlaub am Tyrifjord-See machten, darunter auch fünf Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Die Leute waren Gäste auf dem Campingplatz Utvika, direkt am Ufer. Mitten in die Familienidylle platzte der Terror.
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"Ein Klient hat es treffend beschrieben: Seine größte Sorge an jenem Nachmittag war die Frage, ob er Kotelett oder Hühnchen grillen soll. Ein paar Augenblicke später entschied er über plötzlich über Leben und Tod", sagt Haaheim.
Die Boote waren nicht groß genug für alle
Als auf Utøya die Schießerei begann, flüchteten viele Jugendliche in den See. Die Leute vom Campingplatz reagierten rasch: Sie sprangen in ihre Boote und retteten, wen sie konnten, obwohl Breivik auf sie feuerte. Doch die Boote waren nicht groß genug für alle. Während die Kugeln ins Wasser klatschten, mussten die Retter auswählen: Du kannst mit. Du musst schwimmen.
Währenddessen parkten am Ufer Rettungswagen in einer langen Reihe. Und taten erst einmal nichts. Irgendjemand - bis heute ist unklar, wer - hatte den Sanitätern den Befehl erteilt, abzuwarten, um nicht in die Schusslinie zu geraten. Nicht einmal zur Anlegestelle des Zeltplatzes kamen die Rettungskräfte sofort, obwohl die Camper dort ständig neue Verletzte an Land brachten.
Wegen der traumatischen Erlebnisse sind einige der Sommerfrischler bis heute krankgeschrieben. "Meine Mandanten haben die Aufgaben des Staates übernommen - in einer Situation, als der Staat seinen Job nicht gemacht hat", sagt Haaheim.
Antworten könnte die 22.-Juli-Kommission liefern, welche die Regierung knapp drei Wochen nach den Anschlägen eingesetzt hat. "Alle Fakten müssen auf den Tisch", versprach Ministerpräsident Jens Stoltenberg damals. Ende nächsten Jahres wird das Expertengremium seinen Bericht vorlegen. Der wird nicht nur vom Einsatz am 22. Juli handeln, sondern auch den Fragen nachgehen, ob die Sicherheitsvorkehrungen im Regierungsviertel und auf Utøya ausreichend waren, und warum der rechtsextreme Breivik Polizei und Geheimdiensten nicht schon früher aufgefallen ist.
Das Geschehene verstehen, um es zu verarbeiten
Mette Yvonne Larsen hofft außerdem, dass die Wahrheit auch ein paar Wunden heilen kann. "Der Justizminister hat den Einsatz vom 22. Juli ein wenig vorschnell gelobt", meint die Rechtsanwältin, die 40 Opfer der Anschläge vertritt. Darunter Eltern, deren Kinder ermordet wurden, und Jugendliche, die bei der Schießerei lebenslange Schäden davongetragen haben.
Larsen hatte schon wenige Wochen nach den Anschlägen Kritik am Polizeieinsatz geübt. Damals rief der Justizminister sogar persönlich bei ihr an und mahnte zur Zurückhaltung. Man dürfe nicht öffentlich über die Retter herziehen, meinte er. Aber Larsen ließ sich nicht einschüchtern: "Ich muss diese Dinge aussprechen, weil meine Mandanten das selbst nicht können. Die sind zu sehr mit ihrer Trauerarbeit beschäftigt."
Doch je länger die Vergangenheitsbewältigung sich hinzieht, desto schwerer wird es für die Opfer, einen Schlussstrich zu ziehen. "Für meine Mandanten ist es vor allem wichtig, dass sie das Geschehene verarbeiten. Aber dazu muss man zunächst verstehen, was eigentlich passiert ist", sagt Larsen. Um Schuldzuweisungen gehe es dabei gar nicht. "Wenn jemand an diesem Tag Fehler gemacht hat, wird man das sicher verzeihen können. Aber dazu müsste eben erst einmal jemand vortreten und sagen: Ja, ich habe einen Fehler gemacht."
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(SZ vom 11.11.2011/jobr)
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Ein Leser schreibt, dass die Rettungskraefte Sanitaerer nicht Eingreifen konnten,ohne sich in Gefahr zu bringen. Selten habe ich so einen Unsinn gelesen, die Camper die mit ihren Booten Menschen gerettet haben, die wahren in der Tat in Gefahr gewesen. Nur denen ist zum Glueck nichts passiert. Mein Fazit ist das die Einsatzkraefte voellig versagt haben folgendes. Da war Politische Angst im Spiel sich den Tatsachen ( Anschlagsgefahren ) Weltweit zu stellen. Also wurden die Einsatzkraefte der Polizei schlecht geschult und Ausgeruestet. Von einem Notfallplan oder gar Uebungen ganz zu schweigen. Es ist seltsam das ein Einsatzteam der Polizei noch nicht einmal ueber einen einzigen Hubschrauber verfuegt. Selbst das Millitaer in Norwegen geht zu Fuss ? Das der Taeter so ungestoert so lange Zeit herumschiessen konnte, dass ist der Hauptskandal an sich gewesen. Es wird immer wieder Einzeltaeter geben, die sind offt schwer zu stellen. Wo soll man da anfangen und wo sind da die richtigen Mittel ? Das sind Dinge die bleiben werden,nur in einem ist auch in Oslo die Politik mit der unsriegen gleich. Die Verantwortlichen Politiker sind sich keiner Schuld bewusst und stecken ihre Energie mehr in das Vertuschen das Versagens, als in die Aufklaerung des Falles.
"Dass der Rettungsdienst zuerst abwartete, ist die einzig richtige Entscheidung, die getroffen werden konnte.
Eigenschutz bzw. Eigensicherung geht hier ganz klar vor. Es ist nicht sinnvoll, die Rettungskräfte, die ich habe in die Schusslinie / den Gefahrenbereich zu schicken."
Es steht jedoch nirgends, dass an der Anlegestelle des Campingplatzes, wo die Camper die Geretteten hinbrachten, eine Gefahr bestand. Wäre dort eine Gefahr gewesen, wären die Camper mit den Geretteten sicher nicht dort geblieben. Sind sie aber, also war es dort ungefährlich.
Warum sind die Rettungskräfte auch dort nicht hingefahren?
Und dass es dort ungefährlich ist muss offensichtlich gewesen sein, denn sonst wären eben nicht auch die ganzen Leute dort geblieben.
Man hätte das ohne großen Aufwand prüfen und dann den dortigen Leuten helfen können.
mit niedriger Kriminalität auch eine wenig effizient aufgestellte Polizei bzw. Rettungsdienste hat. Schließlich handelt der Mensch gemäß seinen Erfahrungen. Daher ist sehr wichtig, dass ALLE Fehler, indiviuelle oder systemische, aufgedeckt werden. Nur dann kann man für das nächste Mal besser aufgestellt sein.
Und natürlich hoffentlich völlig überflüssig...
Dass der Rettungsdienst zuerst abwartete, ist die einzig richtige Entscheidung, die getroffen werden konnte.
Eigenschutz bzw. Eigensicherung geht hier ganz klar vor. Es ist nicht sinnvoll, die Rettungskräfte, die ich habe in die Schusslinie / den Gefahrenbereich zu schicken. Im ungünstigsten Fall werden diese ebenfalls außer Gefecht gesetzt und somit habe ich noch mehr Verletzte, allerdings im Gegenzug auch sofort weniger Einsatzkräfte. Somit kann ich den eigentlich Betroffenen noch schlechter helfen.
Die Situation muss zuerst von der Polizei unter Kontrolle gebracht werden!
In so einer Situation hat man als "Chef" einzig und allein die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Wenn man die in Norwegen gewählte Variante nimmt, fragen die Opfer / Hinterbliebenen: "Warum haben die Rettungskräfte nichts getan?"
Wenn man die Rettungskräfte hinschickt, ohne abzuwarten und es dann zu weiteren Opfern / Verletzten kommt, wird man fragen: "Warum wurden die Rettungskräfte solch einer Gefahr ausgesetzt? Das ist nicht deren Aufgabe, sondern die der Polizei!"