Interview: Frank Nienhuysen

Ein Anruf bei einem niederländischen Coffeeshop-Inhaber, der seinen Kunden schon fünf Monate vor dem Rauchverbot das Qualmen verbietet.

Der Niederländer Martijn van Bennekom, 37, ist einer von mehreren hundert Coffeeshop-Betreibern in Amsterdam, die für viele Menschen ein Ärgernis sind, weil dort weiche Drogen verkauft und geraucht werden. Van Bennekom aber verbietet seinen Gästen jetzt das Rauchen - wie er sagt, als erster Betreiber im ganzen Land.

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Das Rauchverbot in den Niederlanden gilt vom 1. Juli - und auch für Coffeeshops. (© Foto: dpa)

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SZ: Und, heute schon geraucht?

Martijn van Bennekom: Nein, vor sieben Monaten habe ich aufgehört.

SZ: Mit Zigaretten oder Joints?

Bennekom: Nur Joints. Zigaretten habe ich noch nie geraucht.

SZ: Und nun verbannen Sie sie aus Ihrem Coffeeshop. Warum?

Bennekom: Vom 1. Juli an gilt ohnehin in den Niederlanden ein Rauchverbot, und ich wollte nicht warten, bis es unseren Coffeshop überrollt und alle nur jammern, wie schrecklich das Verbot ist. Wir wollen es selber steuern, uns unterscheiden von allen anderen, und unsere Mitarbeiter sind wirklich sehr froh darüber.

SZ: Aber Sie vertreiben so vielleicht Ihre Kundschaft ein halbes Jahr früher als es nötig wäre.

Bennekom: Ach, 95 Prozent unserer Kunden kaufen ein und gehen eh gleich wieder. Nur wenige bleiben sitzen, um zu rauchen und einen Kaffee zu trinken.

SZ: Was haben Sie denn so zu bieten?

Bennekom: Hasch, Marihuana, in bester Qualität, günstig und in größter Auswahl: zwischen 43 und 55 Sorten.

SZ: Ist es nicht seltsam, das Rauchen zu verbieten und Drogen zu verkaufen?

Bennekom: Das liegt letztendlich an der Regierung. Wir ziehen das Rauchverbot nur vor. Es ist ja sogar so: Nur das Rauchen von Tabak wird verboten. Marihuana oder Hasch pur zu rauchen und es nicht in den Tabak zu mischen, ist auch künftig erlaubt - ein Schlupfloch.

SZ: Und man wird demnächst womöglich draußen kiffen, vor Ihrem Eingang?

Bennekom: Ich hoffe nicht, dass nun jemand vor der Tür 'rumhängt. Das will ich nicht. Im Prinzip wäre es übrigens ja möglich, eine eigene Raucherzone einzurichten, aber viele Coffeeshops im Amsterdamer Zentrum sind dafür wohl zu klein.

SZ: Spielt Kaffee in einem Coffeeshop überhaupt eine Rolle?

Bennekom: Klar, und jetzt wird er bei uns noch wichtiger. Wir wollen immer mehr gute Kaffeesorten anbieten und eine Coffeecorner einrichten für Leute, die vor oder nach der Arbeit was trinken wollen.

SZ: Und so langsam das Schmuddel-Image der Coffeeshops wandeln?

Bennekom: Ja. Es wäre schön, wenn künftig auch klassische Nichtraucher denken, komm, lass uns doch reingehen und gemütlich einen Kaffee trinken.

SZ: Glauben Sie, dass eines Tages auch der Verkauf weicher Drogen in den Coffeeshops verboten wird?

Bennekom: Das hängt von der Regierung in Den Haag ab. Derzeit haben wir ja die Konservativen als größte Partei in der Koalition. In ein paar Jahren kann sich das ändern, dann könnte auch die Toleranz gegenüber Drogen wieder steigen.

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(SZ vom 11.02.2008/aho)