Neujahrsfeierlichkeiten Mehrere Tote und Verletzte in der Silvesternacht

Eine der größten Open-Air-Silvesterfeier weltweit: die Partymeile am Brandenburger Tor.

Weltweit haben die Menschen das neue Jahr begrüßt. Allein in Berlin feierten Hunderttausende vor dem Brandenburger Tor weitgehend friedlich. Polizei und Feuerwehr hatten dennoch viel zu tun - bei Unfällen in der Silvesternacht gab es Tote und Verletzte.

Die Korken knallen, das Feuerwerk leuchtet: Millionen Menschen haben in Deutschland das neue Jahr gefeiert. Die größte Silvesterparty in der Bundesrepublik fand in Berlin statt. Hunderttausende drängten sich auf der zwei Kilometer langen Feiermeile am Brandenburger Tor.

Etwa zwei Millionen Gäste waren nach Schätzung der Tourismusgesellschaft Visit Berlin zum Jahreswechsel in der Stadt. Wer mitfeiern wollte, musste früh dran sein: Lange vor Mitternacht waren die Eingänge bereits wegen Überfüllung geschlossen. Schlagersänger Heino läutete mit seinem Auftritt kurz vor 24 Uhr den Countdown zum neuen Jahr ein. Nach dem Feuerwerk mit Tausenden Raketen übernahm die Band Scooter.

Trotz des Gedränges war die Lage den Veranstaltern zufolge entspannt und die Stimmung gut. Die Polizei musste die Menschenmassen außerhalb der Meile immer wieder in geordnete Bahnen lenken. Am Rande der Party wurden drei junge Männer bei einer Messerstecherei verletzt.

Viele Unfälle mit Feuerwerkskörpern

Die etwa 1300 haupt- und ehrenamtlichen Feuerwehrleute mussten schon vor Mitternacht knapp 500 Mal ausrücken. Neben zahlreichen Rettungseinsätzen und Unfällen hielten vor allem Brände die Einsatzkräfte auf Trab: Insgesamt 140 Mal brannte es allein bis zur Jahreswende. Aus einem Hochhaus im Stadtteil Waidmannslust mussten 35 Menschen gerettet und sechs davon medizinisch betreut werden, nachdem ein Feuer im Müllraum des Hauses ausgebrochen war.

In der Gropiusstadt im Stadtsüden griff in einem weiteren Hochhaus ein Feuer von einem Balkon auf eine Wohnung über. Ein Polizeisprecher berichtete von zahlreichen durch Feuerwerk verletzte Menschen. Einem 31 Jahre alten Mann wurde beim Zünden eines nicht zugelassenen Feuerwerkskörpers auf einer Straße in Pankow die rechte Hand abgerissen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Im gesamten Stadtbereich kam es der Polizei zufolge zu Sachbeschädigungen durch Böller und Raketen.

Auch in anderen Regionen kamen mehrere Menschen in der Silvesternacht zu Schaden. In Baden-Württemberg starb ein Mann beim Abbrennen von Feuerwerk. Wie sich der 31-Jährige in Ammerbuch genau verletzte und ob er die Rakete selbst angezündet hat, konnte eine Polizeisprecherin zunächst nicht sagen.

In Niedersachsen kam ein 36-Jähriger beim Abbrennen eines nicht zugelassenen Böllers ums Leben. Der Mann hatte in Hemslingen abseits einer Silvesterparty den Böller auf einer angrenzenden Wiese angezündet, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Offensichtlich habe er den gefährlichen Knallkörper in einem eingegrabenen Rohr zur Detonation bringen wollen. Der Böller sei dann vermutlich zu früh explodiert.

Auf der Suche nach der besten Sicht auf das Heidelberger Silvesterfeuerwerk ist ein weiterer Mann durch ein Hallendach gestürzt und tödlich verletzt worden. Der 28-Jährige starb kurze Zeit nach dem Unfall in einer Klinik, wie die Polizei berichtete. Mehrere Gäste einer Silvesterparty hatten ein Flachdach der Halle bestiegen, der 28-Jährige war zudem mit anderen Menschen auf das Satteldach des Gebäudes geklettert. Eine Glasdecke brach unter dem Gewicht des Mannes ein. Der Heidelberger stürzte etwa acht Meter in die Tiefe auf Betonboden.

In Hamburg begann 2014 für Polizei und Feuerwehr mit reichlich Arbeit: Balkonbrände, durch Feuerwerkskörper verletzte Menschen und brennende Autos hielten die Einsatzkräfte in Atem. Zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens zählte die Polizei 1180 Einsätze. Die Feuerwehr rückte in der Hansestadt insgesamt 1099 Mal aus. Auffällig sei die hohe Zahl der Verletzungen durch Feuerwerkskörper, berichtete ein Sprecher der Feuerwehr. Vor allem viele Kinder und Jugendliche seien in diesem Jahr betroffen gewesen. Das jüngste Opfer war gerade einmal sieben Jahre alt. Nach den Ausschreitungen der vergangenen Wochen blieb es im Schanzenviertel und auf St. Pauli ruhig. Etwa 40 Demonstranten zogen während der jährlich an Silvester stattfindenden "Knastdemo" friedlich zur Untersuchungshaftanstalt am Holstenglacis.

In München feierten etwa 5000 Menschen am Friedensengel, dem Europaplatz und in angrenzenden Parkanlagen. Zwei Menschen wurden dort leicht verletzt. Nach Polizeiangaben blieb es ruhiger als in früheren Silvesternächten. Trotzdem mussten die Beamten mehr als 160 Mal zu "silvestertypischen Einsätzen" ausrücken.

Eindrucksvolle Videoprojektion

Auch in anderen Ländern erstrahlten große Feuerwerke am Himmel. Die Einwohner von Samoa und auf den Line-Inseln Kiribatis im Pazifik haben als erste gefeiert. Als letzte starten die Hawaiianer um elf Uhr deutscher Zeit ins neue Jahr.

Im australischen Sidney waren 1,6 Millionen Menschen in den Hafen gekommen, um sich das zwölfminütige Spektakel vor malerischer Kulisse anzuschauen. In Brasilien feierten 2,3 Millionen Menschen am Copacabana-Strand von Rio de Janeiro den Beginn des WM-Jahres.

Am New Yorker Times Square versammelten sich etwa eine Million Menschen, die mit Jubel, Konfetti und ausgelassenem Gesang 2014 begrüßten - Alkohol und Feuerwerk sind hier verboten. Um Mitternacht wurde traditionell ein leuchtender Kristallball an einem Fahnenmast auf einem Hochhaus heruntergesenkt und die klassischen Lieder "Auld Lang Syne" und "New York, New York" angestimmt.

Knallerverbot galt auch in Paris: Doch auch hier feierten Tausende Menschen aus aller Welt auf den Champs-Élysées und am Eiffelturm.

Südafrika startete mit einem Abschiedsgruß an den gestorbenen Nationalhelden Nelson Mandela ins neue Jahr. Eine riesige 3D-Videoprojektion Mandelas auf das Rathaus von Kapstadt läutete den Jahreswechsel ein. An dem historischen Ort hatte der Anti-Apartheid-Kämpfer 1990 seine erste große Friedensrede gehalten.

Dubai versuchte mit dem größten Feuerwerk der Welt einen Rekord zu erzielen: Eine halbe Stunde lang tauchten Böller den Nachthimmel in ein Lichtermeer - gefolgt von einer sechs Minuten langen Pyro-Show, bei der die vorgelagerte künstliche Insel in Form einer Palme mit einem fliegenden Falken aus Feuerwerkskörpern beleuchtet wurde. Insgesamt wurden bei dem Rekordversuch 500.000 Raketen und Böller abgeschossen.

Mutmaßlicher Bombenanschlag auf den Philippinen

Auf den Philippinen ist bei einer Silvesterparty nach Polizeiangaben eine Bombe explodiert und hat mindestens sechs Personen in den Tod gerissen. Weitere fünf Menschen seien verletzt worden. Unklar waren die Hintergründe der Tat in der Provinz Basilan 900 Kilometer südlich von Manila.

Bei Silvesterfeiern in Frankreich gab es sieben Todesopfer. In Paris wurde ein 20-Jähriger bei einem Streit mit einem Messerstich getötet. Zu dem Zwischenfall kam es nach Angaben des Innenministeriums, als Jugendliche eine Begleiterin des Opfers ausrauben wollten. Im Elsass starb ein 29-Jähriger an Verletzungen, die ein Feuerwerkskörper verursacht hatte. Zwei 25-Jährige und eine 18-Jährige starben in Südfrankreich vermutlich an den Folgen einer Kohlenmonoxidvergiftung, die durch ein defektes Heizgerät verursacht wurde. Zwei Männer im Alter von 31 und 45 Jahren wurden nach Medienberichten in Grenoble und im Elsass bei Streitigkeiten getötet.

In Österreich kam ein Mann bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers ums Leben. Der Knaller hatte sich erst nicht entzündet, explodierte dann aber, als sich der 53-Jährige über ihn beugte.

In Rotterdam und anderen Orten der Niederlande haben Randalierer während der Silvesternacht Feuerwehrleute angegriffen und sie beim Löschen von Bränden behindert. Auch Einsatzkommandos der Polizei wurden mit Flaschen und Knallkörpern beworfen, als sie der Feuerwehr zur Hilfe kamen. Mehrere mutmaßliche Täter wurden festgenommen, teilten die Behörden mit. Mobile Polizeikommandos gingen auch in Gouda und Schiedam gegen etliche Jugendliche vor, als diese die Feuerwehr attackierten.