Neue Wohnformen im Alter B&B im Vatikan

Zwei Päpste leben im Vatikan. Warum nicht auch eine Königin?

(Foto: AFP)

Alle Welt redet von den zwei Päpsten im Vatikan. Aber wieso sollte dort nicht noch jemand Drittes einziehen? Eine abgedankte Königin zum Beispiel? Ein Plädoyer für eine WG mit Beatrix und Benedikt.

Von Lena Jakat

Benedikt XVI., ehemaliger Papst und nunmehr "emeritierter römischer Pontifex" ist in den Vatikan zurückgekehrt. In den dortigen Gärten, im umgebauten Kloster Maria Ecclesiae, will er seine Zeit im Gebet verbringen. Eine kirchenhistorische Revolution: Erstmals in der Geschichte leben mit Benedikt und Franziskus zwei Päpste im Kirchenstaat. Dabei ist eine WG der beiden Herren in Weiß nicht einmal die naheliegendste Option. Ein papal-royales Gedankenspiel.

Er blickt auf seine Füße, die in Lammfellpantoffeln auf dem abgeschabten Samt des Hockers ruhen. Zum Fernseher, wo Jutta Speidel im Habit übers Kopfsteinpflaster radelt. Zurück auf die Füße. Zum Fernseher, wo Jutta Speidel mit Fritz Wepper harmlose Witzchen reißt. "Um Himmels Willen" - was für eine Albernheit! Zurück zu den Füßen. Zumindest auf die weichen Pantoffeln ist Verlass.

Als Pensionist hat man es nicht leicht, die Tage mit Aktivität zu füllen. Kreuzworträtsel? Gärtnern? Nordic Walking? Kommen nicht in Frage. Man wagt es kaum, sich vorzustellen, wie die ersten Fotos auftauchen, die ihn mit diesen pseudosportlichen Krückstöcken zeigen. Wie unwürdig! Beim Rosenrichten kann er sich auch nicht erwischen lassen. Er heißt schließlich nicht Edmund Stoiber. Und Kreuzworträtsel - hmpf!

Es klingelt. Endlich Abwechslung. Ächzend nimmt er die Pantoffeln vom Hocker. Vor der Tür steht eine Frau Ende sechzig, mit seltsam auftoupiertem Haar. Sie kommt ihm bekannt vor. Ist sie am Ende eine dieser unsäglichen TV-Nonnen? "Herr Benedikt?", fragt die Frau. Ist das ein niederländischer Einschlag? Vielleicht eine dieser Fernsehmoderatorinnen? "Mein Name ist Beatrix."

"In der alternden Gesellschaft muss man neue Wohnformen konzipieren und erproben", erklärt der schöne Georg. "Die Alters-WG ist eine der neuesten Errungenschaften modernen Zusammenlebens. Nimmt man mich und die Schwestern mit dazu, kann man gar von intergenerationellem Wohnen mit 24-Stunden-Betreuung sprechen. Man denke nur an die Signalwirkung für Milliarden Menschen, denen die Vereinsamung im Herbst ihres Lebens droht!" !" Ein neues Türschild hat er auch schon anfertigen lassen: B&B. Hält sich wohl für witzig.

"Gänswein! WG? Geht's noch? Ich residierte bislang im Apostolischen Palast. P.A.L.A.S.T. Und wer ist diese impertinente Person überhaupt, die sich hier mit 'Königliche Hoheit' ansprechen lässt, als wäre sie die Queen persönlich?"

"Dieses Klima hier! Wunderbar! Und mein Sohn Willem-Alexander war sehr angetan von Herrn Gänsweins Vorschlag. Eine abgedankte Königin und ein abgedankter Papst, ist das nicht köstlich? Was würde mehr Sinn machen?", sagt die seltsame Frau. Und da dämmert es. Prinzessin Beatrix Wilhelmina Armgard von Oranien-Nassau, bis Dienstag Königin der Niederlande. Er hatte ja noch angefangen, sich den Thronwechsel im Fernsehen anzuschauen, aber dieser Seelmann-Eggebert wird im Alter auch nicht erträglicher.

Aber eine Protestantin! Hier in Mater Ecclesiae? Das ist der allerletzte Mist ... Quatsch ... Humbug ... Obwohl, vielleicht ... Platz gibt es ja hier genug. Und einen zweiten Fußschemel auch.

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Beatrix zupft sich die orangefarbenen Handschuhe von den Fingern. Seit sie das Regiment über den Vorgarten übernommen hat, ist aus der halbvertrockneten Misere mediterraner Kräutermischung ein Tulpenmeer geworden. Und das ganz ohne dass sie um ihre Frisur - Vatikan, 30 Grad, die Frisur hält - oder um ihren guten Ruf fürchten muss. Schließlich hat sie als Niederländerin ein Geburtsrecht aufs Gärtnern. Den Eistee servieren die Schwestern auf der Terrasse. Es wird geknickst und sich verbeugt. "Wenigstens hier ist die Welt noch in Ordnung", seufzt Benedikt. Beatrix nickt zustimmend. Allein die Vorstellung, in der Öffentlichkeit ab sofort hinter ihrer Enkelin Amalia herlaufen zu müssen - einer Grundschülerin! Schauderhaft.

Nach der ersten Partie Halma fragt Beatrix: "Ich war neulich auf der Suche nach einem Raum, den ich als Atelier für meine Bildhauerei nutzen könnte. Was ist denn mit diesem scheußlich grüntapezierten Raum mit den Porzellan-Dackeln?"

"Das sind Corgis. Gänswein hat die Räumlichkeiten schonmal herrichten lassen - auf dringendes Bitten eines lieben Freundes, mit dem ich die Liebe zu Lammfellprodukten teile. Aber wenn sich der gute Charles da mal nicht zu früh gefreut hat."