Von Franziska Brüning

Eine Dreijährige ist in Nepal zur "königlichen Kumari", einer lebenden Schutzgöttin, ernannt worden. Angenehm ist ihr Leben nicht - unter anderem darf sie ihren Palast nur einmal im Jahr verlassen.

Matine Shakja ist gerade einmal drei Jahre alt und soll schon eine ganze Nation beschützen. Am Dienstag ist sie in Nepal zur "königlichen Kumari", einer lebenden Göttin ernannt worden, die traditionell dem König und nun dem maoistischen Staat zur Seite stehen soll.

Matine Shakja, dreijährige Göttin in Nepal; dpa

Dreijährige Göttin: Matine Shakja. (© Foto: dpa)

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Seit 200 Jahren wird im Kathmandu-Tal immer wieder ein kleines Mädchen aus der Volksgruppe der Newar ausgewählt, das als Reinkarnation der lokalen hinduistischen Schutzgöttin Taleju gilt. Schon das Auswahlverfahren ist kein Vergnügen. "Es werden verschiedene Tests gemacht. Eine Kumari darf sich beispielsweise nicht erschrecken oder bluten", sagt Horst Brinkhaus, Professor für Orientalistik und Nepal-Spezialist an der Kieler Christian-Albrechts-Universität. So musste sich Matine Shakja in einem Raum mit toten Opferbüffeln aufhalten und durfte dabei nicht weinen.

Eine Kumari muss auch körperliche Merkmale erfüllen: Sie braucht "Augen wie eine Kuh", "Beine wie ein Reh" und eine "Brust wie ein Löwe". Das entspricht keinen europäischen Schönheitsidealen, sieht aber bei der kleinen Matine Shakja niedlich aus. Ihr Leben als Göttin ist allerdings alles andere als göttlich. "Sie wird, böse gesagt, gefangen gehalten und ständig von Brahmanen bewacht. Sie bekommt eine Gespielin, damit sie sich nicht total langweilt, darf aber ihren Palast nur einmal im Jahr für eine Prozession verlassen", sagt Brinkhaus.

Ab und zu wird sie herausgeputzt und Pilgergruppen und Touristen im Innenhof gezeigt, die von ihr gesegnet werden wollen. Da sie nicht bluten darf, darf sie sich nie verletzen. Ansonsten verliert sie ihre Göttlichkeit schon vor der Pubertät. Danach scheidet sie sowieso aus ihrem Amt und erhält eine Staatspension. "Armut ist für eine Kumari kein Problem, aber man sagt, sie sei kaum mehr zu verheiraten, weil sie über magische Kräfte verfüge. Eine ehemalige Kumari galt früher sogar als gefährlich", sagt Brinkhaus. Immerhin wird Matine in ihrem goldenen Gefängnis Privatunterricht erhalten und darf von ihrer Familie besucht werden.

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(SZ vom 09.10.2008/cag)