Dürfen Neonazis Eltern sein? In Kanada hat das Jugendamt einem Paar das Sorgerecht entzogen, nachdem ihr siebenjähriges Kind mit Nazisymbolen bemalt in der Schule erschienen war.
"Schwarze müssen sterben. Das ist nicht unheimlich. Dies ist die Welt des weißen Mannes." Solche Worte kamen aus dem Mund eines sieben Jahre alten Mädchens, das in Kanada mit einem aufgemalten Hakenkreuz auf dem Arm in der Schule erschienen war. Ein entsetzter Lehrer ließ das Zeichen abwaschen.
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Als das Mädchen darauf mit Nazisprüchen auf Armen und Beinen erschien, rief die Schule das Jugendamt zu Hilfe. Im März 2008 entzogen die Behörden den Eltern das Sorgerecht für das Mädchen und seinen zweijährigen Bruder. Jetzt muss ein Gericht entscheiden, ob es rechtmäßig ist.
Während des Prozesses in Winnipeg erzählte eine Sozialarbeiterin, dass ihr das Mädchen erklärt habe, weiße Kinder müssten vor Schwarzen beschützt werden und dass "Nigger" zu Tode gepeitscht werden sollten. Die Mutter und der Stiefvater des Kindes, deren Namen nach einer richterlichen Verfügung nicht genannt werden dürfen, stehen laut kanadischen Zeitungen Neonazi-Skinheads nahe.
Die Mutter soll Medienberichten zufolge zu einer inzwischen eingestellten Internetseite beigetragen haben, die Rassenhass propagiert habe. Das Paar sei darauf vor einer Naziflagge zu sehen gewesen. Die Zeitung The Globe and Mail schrieb, dort seien Juden, Indianer und Geisteskranke diffamiert worden. Die Mutter erklärte dagegen in einem Interview, die Webseite sei lediglich ein "Unfug" gewesen, aber sie bekannte sich weiter als "weiße Nationalistin".
Das Paar hatte auch ein Poster mit dem Bild des damals zweijährigen Sohnes in Winnipeg verteilt, auf dem stand: "Gesucht: eine Zukunft für weiße Kinder." Die Frau hat sich nun von ihrem Ehemann getrennt, ist nach Quebec gezogen und nimmt am Prozess nicht teil.
Kontroverse Debatte
Es ist der Vater ihres dreijährigen Sohnes und Stiefvater des Mädchens, der vor Gericht das Sorgerecht zurückfordert. Er beruft sich auf die in der kanadischen Verfassung verankerte Rede- und Religionsfreiheit. Das Hakenkreuz beschreibt er als "ein altes nordisches Friedenssymbol." Das Jugendamt will jedoch die Kinder für immer unter Vormundschaft stellen. Eine Sozialarbeiterin sagte vor Gericht aus, sie habe emotionalen Schaden für das Mädchen gefürchtet, nachdem es kühl vom Töten anderer Menschen berichtet habe. Der Stiefvater argumentiert, dass auch Neonazis Eltern sein dürften.
Der Fall erregt wegen seiner Einzigartigkeit internationales Aufsehen. In Kanada gibt es eine Kontroverse, ob die Behörden unter diesen Umständen den Eltern die Kinder wegnehmen dürften. Die einen Experten sagen, ein Kind mit Rassenhass zu indoktrinieren, sei Missbrauch. Andere fragen sich, wo der Staat als nächstes eingreifen werde, etwa bei religiösen Fundamentalisten.
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(SZ vom 02.06.2009)
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