"Nemo" an der Ostküste der USA "Wir haben das Schlimmste verhindern können"

Mehr als eine halbe Million Menschen waren an der US-Ostküste ohne Strom, zehn Menschen kamen infolge des Blizzards ums Leben. Doch trotz der dicken Schneedecke sind die Behörden erleichtert: "Nemo" hätte schlimmer wüten können.

650.000 Haushalte ohne Strom, mindestens zehn Tote, mehr als 5000 ausgefallene Flüge: Der Schneesturm "Nemo" hat an der US-Ostküste eine dicke Schneedecke und teilweise chaotische Zustände hinterlassen. Auf Autobahnen und Straßen ging nichts mehr, die Sicht war wegen des wirbelnden Schnees auf wenige Meter reduziert. Innenstädte von Metropolen wie New York und Boston wirkten wie verwaist. Und dennoch ist sich New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sicher: "Wir haben bei uns das Schlimmste verhindern können."

Mindestens zehn Menschen kamen ums Leben, davon drei bei Autounfällen auf schneeglatten Straßen in New Hampshire, New York und Connecticut. Außerdem rutschte ein Mann in Connecticut auf seiner Veranda aus und wurde tot entdeckt. Ein elfjähriger Junge und ein 20-jähriger Mann starben in Boston an Kohlenmonoxidvergiftungen, weil sie sich in einem Auto wärmen wollten, dessen Auspuff mit Schnee verstopft war. Drei Menschen starben in New York und Connecticut beim Schneeräumen. Ein Mann wurde tot unter einem Haufen Schnee vor seinem Haus aufgefunden.

Die Behörden zeigten sich dennoch erleichtert, dass die schlimmsten Vorhersagen für den im Vorfeld als "möglicherweise historisch" angekündigten Sturm offenbar doch nicht eingetroffen waren. Für fünf Nordost-Staaten war zeitweise der Ausnahmezustand ausgerufen worden. 5000 Nationalgardisten waren alarmiert, tausende Räumtrupps rückten aus. Für Connecticut und Massachusetts galten Fahrverbote, die für Privatautos mittlerweile wieder aufgehoben sind.

Schnee in Rekordhöhe in Maine

Der Schnee türmte sich in einigen Gegenden von Connecticut bis auf fast 90 Zentimeter. In Portland im Bundesstaat Maine lagen rund 70 Zentimeter - so viel wie nie zuvor. Der Sturm erreichte teils Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde, bevor er am Samstagvormittag (Ortszeit) auf den Atlantik hinauszog.

Sturm und Stromausfälle trafen auch Gebiete, die bereits vor drei Monaten vom Hurrikan "Sandy" teilweise verwüstet worden waren. Damals waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Hunderttausende waren wochenlang ohne Strom. Der Blizzard vom Samstag könnte dort später auch zu Überflutungen führen.

Temperaturen bis zu minus 32 Grad

Der schwere, nasse Schnee und der heftige Wind mit gefühlten Temperaturen von bis zu minus 32 Grad hätten dieses Mal vor allem im Staat Massachusetts die in den USA als veraltet und anfällig geltenden Stromleitungen beschädigt, berichtete der Sender NBC.

Mehr als 650.000 Haushalte und Betriebe waren ohne Strom - und viele bei eisigen Temperaturen auch ohne Heizung. Mehr als 5000 Flüge und alle Zug- und Busverbindungen mussten gestrichen werden..

Laut New York Times wurde das Atomkraftwerk in Plymouth am Freitagabend abgeschaltet, da die Stromversorgung von außen unterbrochen worden war. Es habe keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden, erklärten die Behörden.

In der Sturm-Region wurden rund 5400 Flüge und alle Zugverbindungen gestrichen. Mehr als 60 Flughäfen seien betroffen, meldete die Webseite "Flight Aware". Auch Flüge aus Deutschland an die Ostküste, etwa von Frankfurt/Main, wurden annulliert. Der Bostoner Logan Airport bleibe wegen Schneehöhen um die 30 Zentimeter bis Sonntag geschlossen, berichtete CNN. Die New Yorker Flughäfen öffneten am Samstag wieder. Auch Flüge aus Deutschland in Richtung Ostküste konnten wieder starten.