Indonesien Die Erde bebt, das Meer tobt, der Berg brodelt

In Indonesien sind beim Ausbruch des Vulkans Merapi mindestens 28 Menschen ums Leben gekommen. Es ist bereits das zweite schwere Unglück in dem Inselstaat innerhalb von 48 Stunden.

Innerhalb von zwei Tagen haben Naturgewalten im Inselparadies Indonesien mindestens 343 Menschen das Leben gekostet. Mindestens 311 Menschen starben bei einem Erdbeben und einer darauffolgenden Flutwelle, wie die Behörden in Sumatra mitteilten. Hunderte weitere werden noch vermisst. Weniger als 24 Stunden nach dem Seebeben brach auf der Nachbarinsel Java der Vulkan Merapi aus und tötete mindestens 32 Menschen.

Am Dienstagabend spukte der etwa 2900 Meter hohe Vulkan Merapi eine riesige Rauchwolke mit glühend heißer Asche mehr als 1500 Meter in die Luft. Die Asche ging auf den Hängen nieder und bedeckte ganze Dörfer mit einer weißen Schicht.

(Foto: AP)

Besonders verheerend war der Tsunami, der nach den schweren Erschütterungen der Stärke 7,7 die entlegenen Metawai-Inseln heimsuchte: Zehn Dörfer wurden auf der Inselkette im Indischen Ozean von bis zu drei Meter hohen Wellen weggespült, wie die Katastrophenbehörden erklärten. Die indonesischen Behörden hatten eine Tsunami-Warnung für die Gegend nach kurzer Zeit wieder aufgehoben - das Pazifik-Tsunami-Warnzentrum erklärte jedoch später, das Beben habe "eine riesige Flutwelle ausgelöst". Auf Südpagai, einer der Mentawai-Inseln, schossen die Flutwellen nach Behördenangaben 600 Meter weit ins Landesinnere.

Surfer aufgetaucht

Eine Gruppe von neun vermissten Australiern tauchte inzwischen wieder auf. Die Surfer seien wohlauf, erklärten die indonesischen Behörden. Eine andere australische Reisegruppe, die während des Bebens in einer Bucht auf einem Boot unterwegs war, beschrieb den Tsunami als "weiße Wand". Nach 20 bis 30 Minuten habe sich die Flutwelle zurückgezogen; die Urlauber überlebten alle.

Die Insel Java wird indes vom Ausbruch des Merapi-Vulkans heimgesucht. Dort starben mindestens 32 Menschen. Der Merapi ist der aktivste der indonesischen Vulkane. Bereits am Montag hatten die Behörden die Evakuierung der dichtbesiedelten Gegend um den Merapi angeordnet. Etwa 19.000 Bewohner in einem Umkreis von zehn Kilometern wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Tausende folgten der Anordnung, viele Bauern aber weigerten sich, Land und Vieh im Stich zu lassen.

Am Dienstagabend spukte der etwa 2900 Meter hohe Vulkan dann plötzlich eine riesige Rauchwolke mit glühend heißer Asche mehr als 1500 Meter in die Luft. Die Asche und Gesteinsbrocken gingen auf den Hängen nieder. Bäume fielen um und versperrten die Zugangsstraßen für Rettungswagen. Mehrere hundert Häuser wurden beschädigt.

Obama bietet Hilfe an

Unter den Toten ist auch ein Mann, der als spiritueller Wächter des Vulkans galt: Mbah Maridjan, von dem es heißt, er habe das Verhalten des Berges voraussagen können, hatte sich geweigert, sein Haus zu verlassen. Im Haus des Mannes wurden 15 Leichen gefunden, berichteten Helfer. Seine Familie bestätigte nach Angaben des Lokalfernsehens, dass er unter den Opfern war.

Der indonesische Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono wollte angesichts der Lage in seiner Heimat vorzeitig von einem ASEAN-Gipfel zurückkehren. Der Präsident werde noch am Mittwochmittag die Heimreise aus der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi antreten, verlautete aus Kreisen der Gruppe südostasiatischer Staaten (ASEAN).

US-Präsident Barack Obama äußerte sich bestürzt über den "Verlust von Menschenleben, die Verletzungen und Schäden". Die USA stünden bereit für "jegliche Art der Hilfe", erklärte Obama in Washington. Der Präsident, der als Kind einige Jahre in Indonesien lebte, will das Land kommenden Monat besuchen.

Indonesien befindet sich auf dem sogenannten pazifischen Feuerring, wo sich jährlich Hunderte Erdbeben ereignen. Bei der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 wurden in mehreren Küstengebieten des Indischen Ozeans mehr als 220.000 Menschen getötet. Am schlimmsten betroffen war Indonesien mit 168.000 Toten.