Namensrechte im College-Football Gefängnis-Firma sponsert Uni-Stadion

Zum ersten Mal erwirbt in den USA eine private Betreiberfirma für Gefängnisse die Namensrechte an einem College-Football-Stadion. Die Florida Atlantic University freut sich über sechs Millionen Dollar und spricht von Philantropie. Kritiker der Gefängnisprivatisierung wittern etwas anderes: ein ganz großes Geschäft.

Von Martin Anetzberger

College-Football ist in den USA eine große Sache. Nicht nur, weil er für junge Männer der Beginn einer Karriere als Profispieler bedeuten kann, sondern weil das Zuschauerinteresse gewaltig ist. Bei wichtigen Spielen stehen nicht nur Mama, Papa und die kleine Schwester am Spielfeldrand, um dem Sportler zuzujubeln. Die Menschen strömen zu Tausenden in die Stadien der Colleges und Universitäten.

Auch die Florida Atlantic University (FAU) in Boca Raton hat ein Stadion, das im Oktober 2011 eröffnet wurde und eine Kapazität von 30.000 Zuschauern hat. Die Hochschule präsentiert die 70 Millionen Dollar teure Investition stolz auf ihrer Website: eine von Palmen umringte, moderne Arena mit dunkelblauen Tribünen und großem FAU-Logo.

Stadion mit Blick auf den Atlantik

Das Stadion bietet der Uni zufolge noch einen ganz besonderen Leckerbissen: Es ist das einzige im College-Football mit Blick aufs Meer; und seit kurzem auch das erste, das den Namen einer privaten US-Betreiberfirma für Gefängnisse trägt. "GEO Group Stadium" heißt es.

Dass Stadien nach Geldgebern benannt werden, ist in den USA schon lange üblich und auch in Deutschland zur Gewohnheit geworden. Aus dem Dortmunder Westfalenstadion wurde der "Signal-Iduna-Park", aus dem Neckar-Stadion in Stuttgart die "Mercedes-Benz-Arena". Neue Stadionbauten wie in Wolfsburg oder München tragen bereits von Beginn an den Namen großer Sponsoren.

Doch eine Gefängnis-Firma als Namensgeber liefert selbst in den USA Gesprächsstoff. "Das ergibt nicht viel Sinn", wird Sportmarketing-Experte Paul Swangard von der Huffington Post zitiert. Sich mit einer Sportinstitution zu verbinden, passe nicht zusammen, wenn das eigene Geschäft darin bestehe, Menschen einzusperren, sagt er. Kritiker der Privatisierung von Gefängnissen vermuten hinter dem Deal laut Huffington Post und New York Times ein "gewaltiges Interesse" daran, im Bundesstaat Florida verstärkt in das Privatisierungsgeschäft einzusteigen. Während der vergangenen drei Wahlperioden habe die GEO Group im Sunshine State etwa 1,2 Millionen Dollar an die Republikanische Partei gespendet, die sich dafür einsetze, vor allem im Süden Floridas Gefängnisse in Privathand zu geben.

73.000 Betten in der ganzen Welt

Die ebenfalls in Florida beheimatete GEO Group nahm 2011 nach eigenen Angaben mehr als 1,6 Milliarden Dollar ein, einen großen Teil davon mit Gefängnissen und Haftanstalten für illegal eingewanderte Menschen. Der Times zufolge betreibt oder besitzt sie weltweit mehr als 100 Liegenschaften mit 73.000 Betten und ein Anlagevermögen von nahezu drei Milliarden Dollar. Bei Menschenrechtlern steht der Konzern in der Kritik, er hat bereits mehrere wichtige Gerichtsprozesse verloren. Die Huffington Post erwähnt den Fall einer Besserungsanstalt für Jugendliche in Texas, wo staatliche Inspektoren "schmutzige und gefährliche" Haftbedingungen vorgefunden hätten, darunter mit Fäkalien verschmutzte Wände.

Die Universität reagiert dennoch geradezu überschwänglich auf den erfolgreichen Abschluss, der ihr aus den Kassen der GEO Group - genauer aus denen ihrer gemeinnützigen Stiftung - sechs Millionen Dollar über die kommenden zwölf Jahre einbringen wird. Sie will das Geld nach eigenen Angaben für ihr Sportprogramm, Stipendien, das Stadion und "akademische Dringlichkeiten" verwenden. "Wir sind unglaublich dankbar für dieses wunderbare Geschenk", sagt FAU-Präsidentin Mary Jane Saunders auf der Website und rühmt das Unternehmen für seine Menschenliebe. Herzliche Worte, die auch damit zu erklären sind, dass der GEO-Chef, George Zoley, sowohl einen Bachelor- als auch seinen Master-Studiengang an der FAU absolvierte.

Die GEO Group erklärte, sie zeige mit dem Geld Menschenliebe sowie gesellschaftliches Engagement und wolle mit dem Geschenk Tausenden Studenten helfen. Viele kaufen dem Unternehmen das nicht ab. Don Sexton, Marketing-Professor an der Business School der Columbia University und selbst Chef eines Marketing-Unternehmens, sagte der Huffington Post: "Der einzige Grund, warum du deinen Namen auf dem Stadion haben willst, ist, weil du dafür etwas zurückhaben willst."