Das japanische Sendai hat gerade erst wieder den Weg zur Normalität eingeschlagen, die Versorgungslage wurde vier Wochen nach dem großen Beben wieder besser. Doch dann trifft das starke Nachbeben den Nerv der brüchigen Stadt: Die Häuser schwingen wie Pendel - dann steht das Leben wieder still.
Das Bett beginnt leicht zu schlingern, die Wand vibriert. Wieder ein Nachbeben, nicht das erste an diesem langen Tag. Der Hotelgast im achten Stock hat gedöst, vielleicht war er auch grade eingeschlafen. Er dreht sich. Das Schlingern wird stärker, das moderne Haus ächzt, stöhnt, immer lauter. Der Tisch beginnt zu tanzen, nun schwingt das Bett. Der Gast dreht das Licht an, er hält sich an der Matraze fest, so wild ist das Schwingen nun. Das Haus bellt, schreit.
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Durchs Fenster sieht der Gast das Nachbarhaus, das im im Gegentakt schwingt. Zwei gegenläufige Pendel. Ein schwach beleuchtetes Fenster taucht in seinem Blickfenster auf, verschwindet wieder, kehrt wieder zurück, nun sogar anderthalb Fenster. Der Tisch knallt um. Wie viel hält so ein Haus aus?
Sendai, die Millionenstadt in der Präfektur Miyagi, die sich als Hauptstadt der vom Erdbeben und Tsunami heimgesuchten Tohoku-Region versteht - hier sind die guten Universitäten; auch die Baseball-Mannschaft, mit der sich der Norden der Hauptinsel Honshu identifiziert, ist hier zu Hause -, wurde vom Erdbeben am 11. März sehr stark getroffen. Der Tsunami überflutete den Flughafen der Stadt, er ist immer noch geschlossen. Viele Fabriken in der Industrie-Zone vor der Stadt sind beschädigt, die mächtigen Biertanks einer Großbrrauerei liegen noch immer übereinander, als hätten Kinder ihr Spielzeug nicht aufgeräumt. Und vor der Stadt ist die Sanriku-Küste mit den vielen völlig zerstörten Fischerstädtchen. Von der Autobahn nach Norden, die wieder offen, aber holprig ist, weil nur notdürftig repariert, sieht man an der Shinkansen-Strecke Arbeiter, die den Schnellzuganschluss von Sendai an Tokio bis Ende April wieder herstellen sollen.
Fast drei Wochen hatten die Menschen in Sendai kein Gas, also auch kein heißes Wasser. Ihre Lebensmittelversorgung war erst unterbrochen, dann gestört, lange gab es kein Benzin. Bis in den letzten Tagen eine Normalität zurückzukehren schien. Zwar sind noch viele Regale in den Läden leer, aber Erdbebenschäden sind im Stadtzentrum kaum mehr zu sehen. Sie sind jetzt Baustellen. Die Fassaden mancher Häuser sind von Netzen überspannt, man fürchtet, Teile könnten runterfallen. Vor anderen ist der Bürgersteig gesperrt.
Doch die Stimmung war an diesem Frühlingstag beinahe gelöst. Das Gröbste schien überstanden. Die Stände auf dem kleinen Gemüsemarkt in den Arkaden hatten reichlich Kunden, mittags im Nudelladen meldete der Fernseher, in Fukusmina-1 würde Stickstoff in den ersten Reaktor gepumpt. Aber niemand hörte mehr hin. Nur von einem Tisch drang immer der japanische Begriff für Kernenergie: Genshiryoku-hatsu.
Die Baseball-Mannschaft von Sendai, die Tohoku Rakuten Golden Eagles, deren Übungsgelände am 11. März ebenfalls zerstört wurde, kehrte an diesem Donnerstag von ihrem Trainingsexil in Osaka nach Sendai zurück. Noch am gleichen Tage besuchten Coach Senichi Hoshino und seine Spieler eine Notunterkunft für Tsunami-Opfer. "Wir kommen viel zu spät zurück", sagte Hoshino zu den Opfern. Journalisten gegenüber bekannte er freilich, aus sportlichen Gründen hatte er Zweifel, so kurz vor dem Eröffnungsspiel in Chiba nach Sendai zu kommen. "Aber das ganze Team soll der Region Mut machen."
Erst abends, als sich das Zentrum rasch leerte, die Schlangen an den dunklen Bushaltestellen länger und länger wurden und die Restaurants leer blieben, wirkte die Stadt bedrückter. Aber immer noch nicht so bedrückt wie das von den Erdbeben weitgehend verschonte Tokio an manchen Tagen der letzten Wochen. Oder nicht mehr so bedrückt, weil sich in den letzten Tagen so vieles verbessert hat.
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Ich habe Achtung vor der hohen sozialen Kompetenz der Japaner, die Höflichkeit im Umgang miteinander, auch das sie in der Vergangenheit mit der Natur lebten. Tägliche Erdbeben u.s.w.. Keine Achtung habe ich vor Obrigkeitsgläubigkeit, keine direkte Kritik üben zu dürfen. Sonst gäbe es keine Firma Tepco die auf ein Erdbebengebiet Atomkraftwerke baut, 16 Jahre lang schwieg was Unfälle anging. Von den Japaner kann man sicherlich viel positives lernen, es ist ein hochzivilisiertes Land. Trotzdem würde ich gehen, wenn sich deren Atompolitik nicht ändert, bzw. die Katastrophe ist ja schon da. Natürlich sind auch solche Unfälle in Deutschland möglich, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht so groß. (weder Erdbebengebiet o. Tusnami) Vielleicht möchten sie ihre Familie,. Kinder so aufwachsen sehen, ich nicht. Denn ich befürworte/verantworte nicht so eine Energiepolitik.
... und weit über 20.000 Todesopfer werden die SZ dazu bringen, über Japan was zu lernen und den Menschen hier ein Japanbild zu vermitteln, das nicht aus jahrzehntelang gehegten und gepflegten Klischees besteht, ein Bild also, das unterschwellig von Rassismus nur so strotzt. Nee, lieber nicht, denn mit Klischees verkauft man seine Provinzzeitung besser. Oder isses einfach das Leitbild der SZ-Redaktionsleithyänen wie Prantl & Co., das sich da Bahn bricht?
Mal sehen, ob das besser wird, wenn Autoren wie Neidhart für die SZ schreiben. Ich habe da so meine Zweifel.
Chrissy100, dieses Land verlassen würden. Leute wie Sie bräuchte dort sowieso niemand. Ich weiß nicht ob Sie eine Vorstellung davon haben wie viele Menschen in Japan leben und wie groß das Land ist. Bei weitem nicht das ganze Land ist von der Katastrophe bertroffen. In Gebieten wie Kansai (Osaka-Kobe-Kyoto) hatte die Katastrophe zum Beispiel keinen Schaden angerichtet. Naja. Denken Sie man kann so einfach ein Land verlassen? Vergangenheit und Familie, Freunde und bekannte einfach zurücklassen? Japaner verlieren bei so etwas ihr Gesicht, wenn man Freunde oder Familie alleine im Stich lässt. Ob Sie's glauben oder nicht, aber ich habe die 2te Hälfte des Jahres 2010 in Sendai zugebracht. Habe bei einer japanischen Familie gelebt, und weiß von was ich rede. Auch ich bin besorgt über die Menschen, insbesondere Freunde und Familie in der Region. Allen habe Ich natürlich angeboten zu mir nach Australien zu kommen. "Jetzt ist es an der Zeit anzupacken und zu helfen, alles wieder in Ordnung zu bringen" war die Reaktion die ich meistens zu hören bekam. Ich fühle mich fast beschämt nicht Helfen zu können. Aber Sie sollten sich für solch einen unüberlgten Kommentar noch viel mehr schämen.
Also ich würde dieses Land Japan verlassen, diese ständigen Erdbeben, Tusnami-Gefahr, kontaminierte Lebensmittel / Trinkwasser und dann mit dieser netten Firma Tepco im Lande. Welche Zukunft kann man den Kindern dort anbieten, falls sie nicht durch diese Fukushima-Katastrophe gesundheitliche Schäden davon getragen haben. Ich hatte immer den Eindruck die Japaner respektierten die Natur, lebten mit der Natur - nun haben sie den Fehler gemacht die Natur zubeherrschen u. haben verloren.
Erst um sieben Uhr früh springt die Nachttischlange wieder an! Ah super!