Nach Überschwemmungen am Missouri US-Atomkraftwerke stehen unter Wasser

Das Atomkraftwerk Fort Calhoun im US-Bundesstaat Nebraska wird seit Tagen vom Missouri-Hochwasser umspült. Laut Nuklearaufsichtsbehörde ist der Meiler sicher - doch der Ausbruch eines Feuers vor wenigen Wochen nährt Zweifel daran. Nun meldete ein weiteres überschwemmtes AKW einen "Hinweis auf ein unübliches Ereignis".

Seit Tagen umspülen die Fluten des Missouri-Hochwassers zwei Atomkraftwerke im Bundesstaat Nebraska. Die erschreckenden Bilder zeigen Meiler, die mitten in einem See zu stehen scheinen - und doch sieht die amerikanische Nuklearaufsicht (NRC) keinen Grund zur Panik. "Die nötigen Vorsichtsmaßnahmen sind getroffen" sagte ein Sprecher der Behörde laut einem Bericht der New York Times.

Dennoch beginnen sich die Bewohner der umliegenden Gebiete nun Sorgen zu machen. Wie der Omaha World Herald berichtet, hatte es in einem der betroffenen Meiler - dem seit April zur Überprüfung abgeschalteten Kraftwerk Fort Calhoun, etwa 30 Kilometer nördlich der Stadt Omaha - vor kurzem bereits einen Zwischenfall gegeben.

Anfang Juni war im Schaltraum des AKW ein Feuer ausgebrochen, das die Kühlung des Abklingbeckens für längere Zeit lahmlegte. Kurze Zeit später gaben die Betreiber des Meilers einen "Hinweis auf ein unübliches Ereignis" - und riefen damit die niedrigste von vier Nuklear-Warnstufen aus. Das bereits sehr alte Kraftwerk wird seitdem besonders aufmerksam von der NRC überwacht, der Flugverkehr über dem Meiler wurde vorsichtshalber eingeschränkt.

Laut New York Times war das AKW im vergangenen Jahr grundlegend überprüft worden, weil die NRC einen mangelnden Schutz vor Hochwasser festgestellt hatte. Die Atomaufsicht hatte diesen Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften als sehr ernst eingestuft. Der Vorsitzende der Betreibergesellschaft "Omaha Public Power District", Gary Gates, hatte jedoch geäußert, nach Ausbesserungen und wiederholten Tests sei die Sicherheit des Kraftwerks "im äußerst unwahrscheinlichen Fall einer katastrophalen Überschwemmung" gewährleistet.

Doch nicht nur die Zustände im AKW Fort Calhoun scheinen besorgniserregend. Da der Wasserpegel des Missouri fast 13 Meter erreicht, mussten auch die Betreiber der Cooper Nuclear Station einen "Hinweis auf ein unübliches Ereignis" melden. Sollte das Wasser 90 Zentimeter weiter steigen, müsste das 110 Kilometer südlich von Omaha gelegene AKW vom Netz genommen werden.

Auch bei der Cooper Nuclear Station erklärten die Betreiber, dass keinerlei Gefahr bestehe und dass der Reaktor von wasserdichten Wänden umgeben sei. Umweltschützer fürchten jedoch, dass sich radioaktives Kühlwasser mit dem Flusswasser mischen könnte.

Das Hochwasser des Missouri hält mittlerweile seit mehreren Wochen den mittleren Westen der USA in Atem. In Iowa mussten Hunderte Menschen ihre Häuser verlassen, wertvolles Ackerland wurde überschwemmt. In Nebraska nehmen die Überflutungen seit dem Wochenende zu. US-Präsident Barack Obama erklärte für den Bundesstaat den Notstand und machte damit Bundesgelder für Hilfsmaßnahmen frei.