Nach tödlicher Attacke in Jobcenter von Neuss Strafanzeigen wegen Online-Hetze

"Es ist ungeheuerlich, was wir da lesen mussten": Nach den tödlichen Messerstichen auf eine Jobcenter-Mitarbeiterin hatten manche im Netz mit Häme und Spott reagiert. Nun wehrt sich die Bundesagentur.

Statt mit Anteilnahme und Mitgefühl haben etliche Menschen offenbar mit Spott und Häme auf die Tötung einer Jobcenter-Mitarbeiterin in Neuss reagiert. Auf Facebook, Twitter und Youtube sowie per Mail wurden nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) hetzerische Kommentare verbreitet. Die Behörde hat deswegen etwa 40 Strafanzeigen gestellt.

Nach Einschätzung von BA-Chef Frank-Jürgen Weise geht es unter anderem um öffentliche Aufforderung zu Straftaten, Beleidigung, üble Nachrede oder Volksverhetzung. "Es ist ungeheuerlich, was wir da lesen mussten. Besonders getroffen hat mich, dass viele Menschen die Tat gerechtfertigt oder sogar zur Nachahmung aufgerufen haben", sagte Weise. "Wir nehmen solche Kommentare nicht einfach hin, sondern setzen alle unsere Möglichkeiten ein, um die Urheber zur Verantwortung zu ziehen."

In Folge der Messerattacke hat der Vorstand der Bundesagentur alle Jobcenter bundesweit darum gebeten, ihre Sicherheitskonzepte in Zusammenarbeit mit den örtlichen Polizeibehörden zu überprüften. "Die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat höchste Priorität und ist mir ein persönliches Anliegen", sagte Weise.

Ein Arbeitsloser war am 26. September in Neuss ohne Termin im Büro der Beraterin erschienen. Er griff die 32-Jährige mit einem Messer an. Sie starb wenig später im Krankenhaus. Der 52-Jährige sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Als Motiv hatte er angegeben, aus Wut über den von ihm vermuteten Missbrauch seiner persönlichen Daten gehandelt zu haben.