Nach Schätzungen der UN Weltweit 200 Millionen Frauen genital verstümmelt

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 mehr als 15 Millionen weitere Mädchen von dem gefährlichen Eingriff bedroht sind.

Neuen Schätzungen der UN zufolge sind weltweit mindestens 200 Millionen Frauen und Mädchen Opfer von Genitalverstümmelung geworden. Das sind etwa 70 Millionen mehr als bislang angenommen. "Nie zuvor war es so dringlich, diese Praxis zu beenden", sagte UNO-Generalsekräter Ban Ki Moon in New York.

Demnach wird der grausame Eingriff in 30 Ländern vorgenommen. Mehr als die Hälfte der 200 Millionen Opfer lebt in Ägypten, Äthiopien und Indonesien. Obwohl in einigen Ländern Fortschritte zu verzeichnen seien, werde die absolute Zahl der beschnittenen Frauen bei anhaltendem Trend signifikant steigen. Unicef spricht von einem globalen Problem, das sich wegen des Bevölkerungswachstums in Zukunft noch verschlimmern werde. Die "Stiftung Weltbevölkerung" geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 mehr als 15 Millionen weiteren Mädchen der Eingriff droht.

Die Genitalverstümmelung sei eine "massive Menschenrechtsverletzung", erklärte die Organisation. Unicef zufolge waren 44 Millionen Mädchen bei dem Eingriff 14 Jahre alt oder jünger. In den meisten Ländern werde die Mehrheit der Mädchen vor dem Ende ihres fünften Lebensjahrs beschnitten.

Die Erhebung der Fallzahlen in Indonesien hat wesentlich zum Anstieg der Zahlen beigetragen. Etwa die Hälfte aller indonesischen Mädchen bis zu elf Jahren seien beschnitten, heißt es in dem UN-Report.

Eine Ursache für die Genitalverstümmelung indonesischer Mädchen liegt in einer unklaren Gesetzeslage. Das dortige Gesundheitsministerium hatte das Ritual 2006 verboten. Eine Fatwa des höchsten theologischen Gremiums des indonesischen Islam erlaubte jedoch zwei Jahre später ausdrücklich die Beschneidung von Mädchen. Seitdem verzichtet das Gesundheitsministerium laut eigener Aussage mangels Zuständigkeit auf eine Durchsetzung des Verbots. Bei der Beschneidung von Mädchen handele es sich "nicht um einen medizinischen Eingriff", teilte das Gesundheitsministerium 2015 mit.

Bei dem Eingriff werden die äußeren Genitalien teilweise oder ganz entfernt. Er wird oft unter unhygienischen Bedingungen mit Gegenständen wir Rasierklingen, Messern oder Scherben vorgenommen. Die Frauen und Mädchen leiden häufig lebenslang unter den Folgen - etwa durch Infektionen, Blutungen und Komplikationen bei der Geburt. Viele Mädchen sterben daran.

Am weitesten verbreitet ist die Praxis in Afrika, einigen Ländern des Nahen Osten und Indonesien. Sie soll der Tradition zufolge Schönheit, Keuschheit und die Heiratschancen der Mädchen und Frauen steigern. Der soziale Status und die Ehre der Familie hängen in einigen Kulturen von der Beschneidung ab.