Wenige Stunden, nachdem die 24-jährige Mutter eines am Samstag gefundenen toten Säuglings festgenommen wurde, ist sie wieder frei. Es bestehe kein dringender Tatverdacht für ein Tötungsdelikt. Ihre Aussagen geben derweil ein erschütterndes Bild.

Nach dem Fund einer verwesten Babyleiche bei Vechta ist die junge Mutter wenige Stunden nach ihrer Festnahme wieder auf freiem Fuß. Es liege kein dringender Tatverdacht für ein Tötungsdelikt vor. Ein Haftbefehl sei nicht erlassen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Anzeige

Nach dem derzeitigen Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung könne wegen des Verwesungszustandes der Leiche die Todesursache nicht geklärt werden.

Indes geben die Aussagen der Frau zu der Geburt des Kindes im November 2007 ein erschütterndes Bild der Umstände. In ihrer Vernehmung gab die 24-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft zu Protokoll, das sie den Jungen stehend in der Dusche geboren hat.

Das Kind sei auf den Boden gefallen und habe sich nicht mehr bewegt und auch nicht geschrien. In Panik will sie den Jungen in ein Handtuch gewickelt und in einer Sporttasche verstaut im Wald abgelegt haben. Anfangs habe sie die Schwangerschaft belastet, dann aber habe sie das Kind bekommen wollen, sagte sie den Ermittlern.

Das Kind war den Untersuchungen zufolge vermutlich organisch lebensfähig. Allerdings sei nicht klar, ob der Junge nach der Geburt tatsächlich noch gelebt hat. Rechtsmediziner hatten während der Ermittlungen darauf hingewiesen, dass die Untersuchung der Leiche wegen des fortgeschrittenen Verwesungszustandes problematisch ist.

Spaziergänger hatten am Samstag die verweste Kinderleiche entdeckt. Das tote Kind lag etwa 50 Meter von einem befestigten Weg entfernt im Wald. Am Folgetag hatte die Bereitschaftpolizei das Areal durchsucht und dabei auch einen Leichenspürhund eingesetzt. Spuren fanden die Beamten dabei nicht. Allerdings führte eine Quittung in der Tasche, in der die Kinderleiche lag, die Fahnder schließlich zur Mutter. Sie wurde am Montagabend festgenommen worden. Auf eigenen Wunsch sei die 24-Jährige nun in psychiatrischer Behandlung.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(dpa/ihe)