Er war einer der einflussreichsten Mafia-Paten in Sizilien: Nach seiner Festnahme bei einer Großrazzia hat Gaetano Lo Presti in seiner Zelle Selbstmord begangen.

Einer der am Dienstag bei einer Großrazzia auf Sizilien festgenommenen Mafioso hat sich im Gefängnis das Leben genommen. Der Mafiaboss Gaetano Lo Presti erhängte sich in der Nacht in seiner Zelle, teilte die Polizei mit. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, der Freitod könne damit zusammenhängen, dass Lo Prestis abgehörte Gespräche mit anderen Mafiabossen zur der Massenfestnahme am Dienstag geführt hätten.

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Mafiaboss Gaetano Lo Presti bei seiner Festnahme. (© Foto: AP)

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Der 52-Jährige war schon einmal wegen seiner Mafia-Aktivitäten verurteilt worden. Laut Ansa sollten die Verhöre der anderen Festgenommenen am Mittwoch beginnen.

Historischer Schlag gegen Cosa Nostra

Der italienischen Polizei waren am Dienstag bei einem Großeinsatz gegen sizilianische Mafia-Clans in der Toskana und auf Sizilien insgesamt 89 Verdächtige ins Netz gegangen. Den Festgenommenen wird unter anderem Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Schutzgelderpressung sowie internationaler Waffen- und Drogenhandel zur Last gelegt. Mafia-Ermittler und Politiker werteten den schweren Schlag gegen die Cosa Nostra als Operation von erheblicher Tragweite im fortdauernden Kampf gegen die organisierte Kriminalität.

Die Festgenommenen sollen Kontakte zu dem flüchtigen Mafia-Chef Matteo Messino Denaro unterhalten. Diesem wird vorgeworfen, die Führung der berüchtigten Cosa Nostra - die sogenannte "Cupola" - wiederbeleben zu wollen. Denaro ist nach wie vor flüchtig.

Der Einsatz von 1200 Polizisten mit Hubschraubern und Hundestaffeln war der Höhepunkt einer neunmonatigen Fahndungsaktion der Staatsanwaltschaft von Palermo. "Ein wichtiges Ergebnis unserer Ermittlungen ist, dass die Mafia sich treubleibt", erklärte der zuständige Staatsanwalt, Francesco Messineo. "Ihre Strukturen, ihre Methoden, ihre Projekte sind am Ende immer dieselben."

Die Ermittlungen hätten mehr als neun Monate gedauert und wären ohne Abhör-Aktionen unmöglich gewesen, hieß es. "Mit der heutigen 'Operation Perseo' sind alle wichtigen, neu strukturierten Schaltstellen der Cosa Nostra gekappt worden", erklärte der nationale Chef der Anti-Mafia-Ermittler, Pietro Grasso.

"Wie wir im Juni 2006 die Cosa Nostra in die Knie gezwungen haben, so ist es uns heute gelungen, sie am Wiederaufstehen zu hindern." Die sizilianische Organisation war 2006 durch die Festnahme des letzten Paten Bernardo Provenzano praktisch zerschlagen worden.

Geholfen haben den Ermittlern in der aktuellen Razzia auch drei neue Mafia-Kronzeugen, die als geständige Kriminelle Einzelheiten geliefert haben, um die "neue Karte der Mafia in Palermo" einsehen zu können. Sie lieferten nach den Angaben auch Details zu Dutzenden von Erpressungen und über den anhaltenden Drogen- und Waffenhandel durch die sizilianischen Bosse.

"Der Staat beweist, dass er immer mehr in der Lage ist, das organisierte Verbrechen zu stoppen und zu zerschlagen", lobte der Vorsitzende der Anti-Mafia-Kommission des Parlaments in Rom und frühere Innenminister Giuseppe Pisanu. "Die 'Operation Perseo' macht den groß angelegten Plan der Mafia in Palermo zunichte, sich in Italien und im Ausland neu zu positionieren", sagte er, betonte aber auch, dass der Kampf gegen die Mafia nicht gewonnen sei.

Die Cosa Nostra sei aber im entscheidenden Augenblick der Neuorganisation getroffen worden, meinte auch das Kommissionsmitglied Giuseppe Lumia. Die sizilianischen Mafia-Bosse sähen den seit 1993 einsitzenden Riina immer noch als ihren Chef an, und einige von ihnen hätten mit Zustimmung des Inhaftierten dann begonnen, die Kommandozentrale neu aufzubauen, hieß es. Dazu habe der Superboss Denaro zwar beigetragen, er sei dabei trotzdem von anderen Mafia-Chefs daran gehindert worden, seine Hand auf die neue Kommandozentrale der Cosa Nostra zu legen.

Die Abhöraktionen haben ganz nebenbei auch Klagen älterer Mafia- Bosse über die gute, alte Zeit zutage gefördert. "Es gibt die 'Ehrenmänner' von einst nicht mehr" - in diesem Bedauern über Veränderungen bei der Mafia waren sich zwei der historischen Bosse der Cosa Nostra, Giuseppe Scaduto und Salvatore Adelfio, einig. Als sie sich austauschten, hörten Carabinieri mit.

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(AFP/AP/hai/grc)