Nach erneuter Festnahme Zum Tode verurteilte Sudanesin wieder frei

Die sudanesische Christin Mariam Jahia Ibrahim Ischag und ihr neugeborenes Baby am 29. Mai - die junge Frau darf das Land auch nach ihrer zweiten Freilassung nicht verlassen.

(Foto: dpa)

Nach ihrer zweiten Festnahme ist die im Sudan zum Tode verurteilte Christin Mariam Jahia Ibrahim Ischag wieder frei - das versichert ihr Anwalt. Den Sudan verlassen darf sie jedoch nicht, gegen sie läuft ein neues Verfahren.

Das Schicksal der im Sudan zum Tode verurteilten Christin bleibt unklar: Am Montag erst war sie aus dem Gefängnis entlassen worden, am Dienstag nahm die Polizei sie erneut fest - und nun ist die 26-jährige Mariam Jahia Ibrahim Ischag wieder frei.

Sie halte sich in der US-Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum auf, teilte ihr Anwalt Mohanad Mustafa mit. Das bestätigt die britische BBC. Ischag und ihr Mann, ein aus dem Südsudan stammender US-Bürger, seien nach Todesdrohungen der Ansicht, dass sie in der US-Botschaft in Sicherheit seien. Das Land verlassen darf die junge Frau jedoch nicht.

Ischag war am Montag aus dem Gefängnis freigekommen, nachdem ein Berufungsgericht das Todesurteil gegen sie aufgehoben hatte. Am Dienstag wurde sie am Flughafen von Khartum jedoch erneut festgenommen, als sie zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Kindern in die USA ausreisen wollte.

Das Strafverfahren wegen Urkundenfälschung läuft weiter

Der Grund für die Festnahme: Ischag wollte das Land mit einem südsudanesischen Pass verlassen. Nach Auffassung der sudanesischen Behörden ist das illegal. Die südsudanesische Botschaft in Khartum erklärte dagegen, die Papiere seien gültig. Nach Angaben ihres Anwalts darf Ischag das Land vorerst nicht verlassen, weil sie sich in einem Strafverfahren wegen Urkundenfälschung verantworten muss.

Ischag war Mitte Mai zum Tode durch den Strang verurteilt worden, weil sie nach sudanesischem Recht durch die Heirat mit einem Christen vom islamischen Glauben abgefallen war. Die junge Frau wurde außerdem wegen der Hochzeit mit dem Christen, einem aus dem Südsudan stammendem US-Bürger, wegen Ehebruchs zu einhundert Peitschenhieben verurteilt. Zwölf Tage später brachte sie im Gefängnis in Ketten eine Tochter zur Welt.

Politiker und Menschenrechtsorganisationen hatten sich für ihre Freilassung eingesetzt. Laut der sudanesischen Auslegung des islamischen Rechts der Scharia darf eine Muslimin keinen Christen heiraten. Tut sie es dennoch, wird dies als Ehebruch gewertet.

Ischag wurde von ihrer äthiopischen Mutter im christlich-orthodoxen Glauben erzogen, nachdem ihr muslimischer Vater die Familie verlassen hatte, als sie fünf Jahre alt war. Im Sudan gelten Kinder eines muslimischen Vaters jedoch automatisch als Muslime, der Übertritt zu einem anderen Glauben ist verboten. Nach Angaben des römisch-katholischen Erzbistums von Khartum trat Ischag kurz vor ihrer Heirat zum Katholizismus über.